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Muttermund: Was er mit dem Eisprung und den fruchtbaren Tagen zu tun hat

Muttermund: Was er mit dem Eisprung und den fruchtbaren Tagen zu tun hat
© Getty Images
Viele Frauen hören das Wort Muttermund maximal zur Geburt ihres Kindes. Dabei gibt die Öffnung des Muttermunds sowie seine Konsistenz, also die Festigkeit jeden Zyklus Aufschluss darüber, wann der Eisprung stattfindet. Gewusst?
von Franziska Steinberg

Nachdem ich bereits die Verhütung mit der Temperaturmethode erläuterte und über die unterschiedliche Beschaffenheit des Zervixschleim berichtete, soll es heute um den Muttermund gehen – ein weiterer Aspekt, der bei der natürlichen Verhütung mit NFP hinzugezogen werden kann und so die Methode als sichereres, natürliches Verhütungsmittel ohne Hormone stärkt. Umgekehrt kann die regelmäßige Kontrolle des Muttermunds auch bei einem Kinderwunsch dabei helfen, die fruchtbaren Tage zu bestimmen. Manchen Frauen gelingt es nicht, ihre fruchtbaren Tage anhand des Zervixschleim auszuwerten – mit der Auswertung des Muttermunds ist die Methode genauso sicher. Aber einmal von vorne.

Was ist der Muttermund? 

Der Muttermund ist das letzte Stück des Gebärmutterhalses – ein etwa vier bis fünf Zentimeter kurzer Schlauch, der die Gebärmutter mit dem Scheideneingang verbindet. Der Muttermund ragt demzufolge minimal in die Vagina hinein. Der Muttermund ist sehr gut durchblutet und sehr empfindlich. Deshalb kann es beim Geschlechtsverkehr oder nach Untersuchungen beim Frauenarzt auch mal zu leichten Blutungen kommen.

Wie ist die Beschaffenheit des Muttermundes? 

Kommen wir nun zum spannenden Teil: Die Beschaffenheit des Muttermundes ist tatsächlich je nach Zustand des Zyklus ein wenig anders. Um hier wirklich eine aussagekräftige Aussage treffen zu können, ist vor allem eines wichtig. Nämlich die konsequente Dokumentation. Täglich. Immer zur gleichen Zeit. Wir Frauen sind hier nämlich auf unsere eigenen Erfahrungswerte angewiesen. Wir haben keinen Vergleich, wie sich das bei anderen anfühlt – wir brauchen hier unsere Feinfühligkeit, die auch kleine Veränderungen wahrnimmt. Diese können in einer App wie mynfp oder einem Zyklusblatt notiert werden. Sollten sie auch, weil hier nur eine durchgängige Dokumentation hilfreich ist. „Nach Gefühl“ wie wir das immer so überzeugt von uns denken, irrt man sich nämlich permanent. Also, welche Zustände gibt’s?

Phase 1: Muttermund nach der Periode: 

Direkt nach der Menstruation ist der Muttermund hart, geschlossen und ragt weiter in die Scheide hinein. Er sollte sich jetzt dadurch sehr gut ertasten lassen – ein guter Zeitpunkt, um mit der Beobachtung zu beginnen. Ein harter Muttermund fühlt sich wie ein fester Knorpel an, ungefähr so, als würdest du deine Nasenspitze berühren. Das ist das eindeutige Zeichen für Unfruchtbarkeit. Spermien würden es zu dieser Zeit nicht schaffen, in den Muttermund einzudringen, um so ins Innere der Gebärmutter zu gelangen und dort ein Ei zu befruchten. Es ist damit auch ein Hinweis darauf, dass es dort zur Zeit gar kein Ei zu befruchten gibt.  

Phase 2: Muttermund an den fruchtbaren Tagen: 

Rücken wir zeitlich dichter an den Eisprung, der etwa 14 Tage vor der nächsten Periode stattfindet, wird der Muttermund weicher und er steht weiter oben, d.h. du kommst mit dem Finger schlechter ran. Ein weicher Muttermund fühlt sich nicht mehr wie Knorpel an, sondern eher zart wie deine Lippen. Je näher der Eisprung rückt oder er sogar gerade stattfindet, öffnet er sich sogar leicht. Das kann man ertasten: Dein Finger tappst dann vorsichtig an einen leicht geöffneten Kussmund oder auch einen Mini-Donut. Kann man sich vorstellen, oder? Warum sich der Muttermund öffnet, ist nur logisch: Den kleinen Spermien soll es so leicht wie möglich gemacht werden, an das Ei heranzukommen. Nature makes it happen! Die Pforten sind jetzt geöffnet für potentiellen Nachwuchs. Ist dieser nicht gewollt, ist in dieser Phase äußerste Vorsicht bzw. zusätzliche Verhütung angesagt! Spermien können übrigens in der Gebärmutter vier bis fünf Tage überleben und auf das Ei warten. 

Phase 3: Muttermund nach dem Eisprung: 

Das Ei überlebt nach dem Eisprung jedoch nur etwa 12 bis 24 Stunden – daher hat jede Frau etwa sechs Tage im Monat, an denen sie fruchtbar ist. Parallel werden die Pforten wieder geschlossen – die heiße Ware soll schließlich auch nicht mehr entwischen. Der Muttermund verschließt sich fest und sorgt so auch dafür, dass keinerlei Bakterien oder ähnliches das hochsensible Befruchtungs- und Einnistungsszenario stören kann. Die knorpelige Nasenspitze kommt wieder zum Vorschein. Wer Temperatur misst, sollte spätestens jetzt den Temperaturanstieg bemerkt haben. Die Zeichen stehen nun wieder auf „unfruchtbar“.

Phase 4: Muttermund vor der Periode: 

Eine Frage, zu der sich in Kinderwunsch-Foren die Finger wund getippt wird: Wie verhält sich der Muttermund im Falle einer erfolgreichen Befruchtung? Wie schön wäre es, wenn man bereits vor Ausbleiben der Periode eine potentielle Schwangerschaft feststellen könnte. Viele von ihnen lassen in der zweiten Zyklushälfte das Abtasten auch sein – aus Angst, „zu stören“ oder vor Bakterien. Auch Ärzte sind oft überrascht bis skeptisch, wenn man ihnen erzählt, man ertastet selbst seinen Muttermund. Einige in den Foren beobachteten jedoch, dass der Muttermund bei einer Schwangerschaft weiterhin hoch steht. Naht die Periode, lässt sich der Muttermund nämlich wieder besser ertasten. Er rutscht tiefer in Richtung Scheideneingang, um dann schließlich die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut abzustoßen: Der Muttermund öffnet sich und die Regelblutung setzt ein. 

Wie wird der Muttermund abgetastet? 

Oh je, jetzt wird’s für viele sicher ein wenig unangenehm. Aber es hilft ja nichts: Möchte man sich mit der natürlichen Verhütung und damit auch mit dem Muttermund beschäftigen, geht der Weg nicht daran vorbei, sich selbst einmal anzufassen. Und zwar da unten. Tief drinnen. Mal ehrlich: Einen Tampon benutzen wir ja nun auch jeden Monat – eigentlich sollte das dann kein Problem sein, oder? Falls du dich jetzt den ganzen Artikel über gefragt hast, ob du wirklich mit deinem Finger in deine Vagina eindringen sollst um zu erfühlen, wie der Muttermund gerade steht: JA! Das mag die ersten Male vielleicht komisch sein, nach einem Monat ist es normal. Vorher Hände waschen ist natürlich selbstverständlich. Und dann sei einfach mal neugierig  und probiere es aus! 

Disclaimer: Die symptothermale Methode NFP beruht darauf, sowohl die Temperatur zu messen als auch ein weiteres Symptom auszuwerten: Zervixschleim oder den Muttermund. Nur den Muttermund zu beobachten, reicht für eine sichere Verhütung nicht aus.


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