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Namen des Partners annehmen Mein kleiner Fehler

Namen des Partners annehmen: Eine Hand unterschreibt etwas
© terovesalainen / Adobe Stock
Nach der Heirat kann sich so manche Annahme als falsch herausstellen. Die eines anderen Namens zum Beispiel. Findet jedenfalls unsere Autorin. Die sich nicht nur von ihrem Mann trennte.

Ja, ich will, dachte ich, als ich mit Herzklopfen auf dem Standesamt das Formular unterschrieb. Die Blumen kaufte ich mir zur Feier des Tages selbst: Nun hatte ich nach dem Auszug meines letzten Kindes meinen sogenannten Mädchennamen ganz offiziell wieder angenommen. Der Verjüngungseffekt dieser Amtshandlung wirkte gefühlt schneller, preiswerter und effektiver als alles, was Botox und Filler je leisten können. Denn als ich zuletzt unter meinem Geburtsnamen beim Arzt, beim Amt und bei der Sparkasse gewesen war, Hotels und Reisen gebucht hatte, war ich 29 Jahre alt. Unter diesem Namen ist meine Kindheit und Jugend gespeichert: Ich trug ihn durch Schul- und Studienzeit, er steht auf meinem Abiturzeugnis, meinem Führerschein und einer Diplomurkunde. Ich unterschrieb stolz meinen ersten Arbeits- und Mietvertrag damit und eröffnete das erste eigene Konto. Er weckt in mir 1000 Erinnerungen an 1000 erste Male: an eine Zeit, als ich Herzklopfen hatte vor Sehnsucht nach einer fantastischen Zukunft, in der die Menschen meinen Namen kennen würden.

Dann wurde er mir weggeheiratet. Es war 1993 und in Deutschland noch unmöglich, dass in einer Ehe jede:r den eigenen Nachnamen behalten konnte, nein, es musste sich auf einen Familiennamen geeinigt werden. Das änderte sich ein Jahr später, ich hab’s knapp verpasst. Mein Zukünftiger und ich hatten halb ironisch eine Münze geworfen. Taten so, als sei das gar nicht so wichtig. Ich hatte Pech im Spiel, zudem – zwei Kinder später – leider auch noch Pech in der Liebe. Was ich allerdings alles verloren hatte, wurde mir erst im Laufe der 20 Ehejahre klar: meine Identität. Meine Erfolge und Fehlschläge. Meine Geschichte. Und ein Stück Zukunft, weil meine beiden Kinder nicht selbstverständlich auch so hießen wie ich einmal – obwohl ich sie auf die Welt gebracht habe. Auch heute noch nehmen drei Viertel der Frauen nach der Hochzeit den Namen des Mannes an. Drei Viertel! Als Grund dafür wird bei Umfragen häufig "Tradition" angegeben. Man könnte auch sagen: Patriarchat.

Back to the roots!

Ich habe den angeheirateten Namen fast so lange getragen wie vorher meinen Mädchennamen. Ich trug ihn wie enge Schuhe, die sich im Laufe meines Lebensweges aber nicht einliefen. Jedes Mal, wenn ich mit "Frau X." angesprochen wurde, fühlte ich mich wie meine eigene Schwiegermutter. Mir selbst entfremdet. Die Kinder waren der Grund, weswegen ich auch nach meiner Scheidung den Familiennamen vorerst behielt: Ich wollte in Notfällen keine wertvolle Zeit damit verlieren, nachweisen zu müssen, dass ich trotz unterschiedlicher Nachnamen wirklich die Mutter bin. Doch inzwischen sind sie groß. Und ich war groß genug, um eine Entscheidung zu treffen, nur für mich: Also ging ich zum Standesamt, allein, um mir meinen alten Namen auch offiziell wiederzuholen. Back to the roots. Vor dem Termin war ich wirklich nervös. Aber hinterher fühlte ich mich einfach nur glücklich: Da war ich ja wieder! Ganz die Alte, als wäre ich durch den Mädchennamen wieder Mädchen geworden.

Ich werde mir sämtliche Papiere neu ausstellen lassen müssen, aber dann kann ich wieder mit meinem Namen unterschreiben, Hotels und Flüge buchen, ohne mir wie eine Urkundenfälscherin vorzukommen. Mit diesem Namen werde ich irgendwann in Rente gehen und viele Jahre später begraben werden. Aber bis dahin haben wir noch eine Menge neuer, wunderbarer Sachen vor, ich und mein Name. Ich fühle mich wie frisch verliebt – in meine Vergangenheit wie in meine Zukunft.

Neulich saß ich bei der jährlichen Vorsorge im Wartezimmer meiner neuen Gynäkologin. Und obwohl dieser Anlass nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig gewesen ist, strahlte ich über das ganze Gesicht, als die Ärztin zur Tür hereinschaute und fragte: "Frau Lübke?"

"Ja", sagte ich und stand langsam auf. "Das bin ich."

Für BARBARA schreibt Karina Lübke schon immer unter ihrem Mädchennamen – zum Beispiel die Kolumne "Bitte recht feindlich".

Barbara

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