Namensänderung: Welcher Nachname nach der Hochzeit?

Erst dieser schöne Antrag, dann die ganze Organisation der Hochzeit und plötzlich bleibt eine Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist: Wer trägt dann welchen Namen?

 

von Franziska Steinberg

Da könnte man jetzt ganz traditionell davon ausgehen, dass nach einer Hochzeit die Frau den Nachnamen des Mannes annimmt und dieser stolz als Familienname getragen wird. Doch in meinem Freundeskreis erlebe ich es in letzter Zeit öfter, dass diese Variante für viele Frauen einfach nicht mehr in Frage kommt – es sei denn der Mann trägt einen außergewöhnlich schönen Nachnamen. Für meine Freundinnen gibt es viele Gründe, den Nachnamen ihres männlichen Partners nicht anzunehmen. Zum Beispiel: 

Der schönere Nachname: Er bildet zusammen mit dem Vornamen eine schöne Einheit und hat einen tollen Klang – warum soll man sich davon verabschieden und einen weniger schönen Nachnamen tragen? Es bleibt die Frage, ob der Mann dies genauso sieht und den Nachnamen der Frau annehmen möchte.

Aus beruflichen Gründen: Gerade Frauen mit stärkerem Karrierefokus, die sich vielleicht auch schon in ihrer Branche oder Unternehmen einen Namen gemacht haben, vielleicht sogar in Pressemitteilungen erwähnt werden, möchten zukünftigen Verwirrungen oft aus dem Weg gehen. Oder sind so emanzipiert, dass es für sie einfach nicht in Frage kommt, den Namen eines Mannes anzunehmen.

Identitätsgründen: Nicht im beruflichen, sondern im privaten und allgemeinen Zusammenhang. Die Frau sieht sich einfach als eine Frau Meier an und kann sich einfach nicht vorstellen, zukünftig mit Frau Schulze angesprochen zu werden. Der Nachname ist zum Zeitpunkt der Hochzeit schon ziemlich lange ein Teil von einem selbst. Gibt man den so einfach auf?

Familienzugehörigkeit: Wird ein seltener Nachname unter Umständen nicht weiter getragen, wenn die Frau ihn abgeben würde, und besteht ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl in der Familie, fällt die Entscheidung auch manchmal gegen die Namensänderung. 

Namensänderung nach der Hochzeit: Studie der Geschlechterwahrnehmung 

Im Jahr 2017 gab es eine interessante US-Studie, die unter Studierenden durchgeführt wurde (900 weibliche und 300 männliche Teilnehmer/innen) – hier möchte man meinen, dass sich die Wahrnehmung der Geschlechterrollen über die Zeit gewandelt hat. Aber nein. Die Studierenden wurden in zwei Gruppen geteilt und beiden die identische Geschichte über ein Paar erzählt, die heiraten. Einziger Unterschied: In der einen Geschichte nahm die Frau den Namen des Mannes an, in der anderen behielt sie ihren eigenen. Die Frau, die ihren Namen geändert hat, wurde von der Gruppe als fürsorgliche Ehefrau beschrieben. Der Ehe mit zwei unterschiedlichen Nachnamen wurde nicht soviel Haltbarkeit prophezeit – und sie eher als beziehungsunfähig beschrieben. Ernsthaft? 

 

Und welchen Nachnamen tragen die Kinder? 

Wenn es nur um einen selbst gehen würde, trifft man hier vielleicht schneller eine Entscheidung: Ich bleib ich und du bleibst du – so einfach ist das. Doch gibt es in der gemeinsamen Beziehung vielleicht schon Kinder oder möchte man die Familienplanung demnächst angehen, gehen die Überlegungen erneut los. Ist es klüger, namenstechnisch als Familie eine Einheit zu bilden? Oder ist der Nachname völlig zweitrangig und kann individuell beschlossen werden?

Variante 1: Die Kinder heißen wie die Mutter.

Bei unverheirateten Paaren bekommt ein Neugeborenes Kind automatisch den Nachnamen der Mutter. Es sei denn beide Elternteile erklären vor der Geburt gemeinsam beim Jugendamt, dass das Kind den Nachnamen des Vaters erhält. Im Falle einer späteren Hochzeit – und dem damit verbundenen Wunsch, den Nachnamen des Vaters als Familiennamen zu wählen – wäre hier eine Namensänderung des Kindes fällig, welche mit bürokratischem und finanziellen Aufwand verbunden ist. Doch im Vorfeld davon ausgehen, dass auf jeden Fall geheiratet wird, kommt für einige Paare auch nicht in Frage. 

Variante 2: Die Kinder bekommen nach der Geburt den Nachnamen des Vaters.

Haben nach der Geburt eines nicht-eheliches Kindes beide Elternteile das Sorgerecht, so können sie auch bestimmen, dass das Kind den Nachnamen des Vaters bekommt. Zum Beispiel weil es ihm wichtig ist, dass sein Nachname traditionell fortgeführt wird. Oder eben eine Hochzeit demnächst aussteht und der väterliche Nachname dann als Familienname getragen werden soll. Oder er ist einfach schöner als der Name der Frau.

 

Namensänderung nach der Hochzeit: Doch wie ist es richtig? 

Ich für meinen Teil habe hier totale Schwierigkeiten, mir eine „richtige“ Meinung zu diesem Thema zu bilden. Liegt vermutlich daran, dass es die nicht gibt und für jedes Paar eine sehr individuelle Entscheidung ist. Interessant ist jedoch, wie oft die Fragestellung nach dem Namen nach der Hochzeit dennoch zu weitschweifenden Grundsatzdiskussionen führt. Ich muss lediglich sagen, dass es sich für mich nicht richtig anfühlen würde, wenn mein Kind einen anderen Nachnamen tragen würde als ich. Doch genau das passiert in meinem Freundeskreis gerade sehr oft – mit und ohne Hochzeitsabsichten erhält das frisch geborene Kind den Nachnamen des Vaters und heißt damit nicht wie die Mutter. Und ich grüble darüber, wie man zu dieser Entscheidung kommen kann? Ist hier der Nachname der Mutter einfach weniger wert als der des Mannes?

Wer hier schreibt:

Franziska Steinberg

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Namensänderung: Welchen Namen nach der Hochzeit?
Namensänderung: Welcher Nachname nach der Hochzeit?

Erst dieser schöne Antrag, dann die ganze Organisation der Hochzeit und plötzlich bleibt eine Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist: Wer trägt dann welchen Namen?

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

Deine Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden