Nein, danke! Warum ich mir keine Tipps mehr von Einzelkind-Mamas anhöre

Unsere Autorin hat es satt. Sich von Einzelkindeltern anhören zu müssen, wie sie ihre DREI Kinder erziehen soll, macht sie langsam grantig. Denn es ist nun mal so: Wer einen Ball in der Hand halten kann, kann noch lange nicht drei jonglieren. 

von Marie Stadler

Einzelkind-Mamas kann man NICHT über einen Kamm schweren. Das sei hier zuallererst mal gesagt. Ich habe Freundinnen, die aus den unterschiedlichsten Gründen ein Kind haben, und das sind sehr angenehme Menschen, mit denen man sich herrlich austauschen kann, auch über Kindererziehung. Solche Einzelkind-Mamas möchte ich hier ausdrücklich ausnehmen. Aber dann gibt es da noch die anderen. Die, die es nicht dabei belassen, all ihre Liebe, Sorge, ihr Geld und ihr Erziehungstalent ihrem einen kleinen Sprössling zukommen zu lassen. Nein, sie steigern ihr Selbstbewusstsein in allen Erziehungsfragen zu einer religionsartigen Selbstüberhöhung und beginnen dann damit, ihr Umfeld zu missionieren. 

Also, was bei uns gut geklappt hat...

Wenn der Satz schon mit "Also, was bei uns gut geklappt hat..." schalte ich mittlerweile längst auf Durchzug. Denn was besagte Eltern noch nicht begriffen haben: Mit einem Probanden kann man Studien nicht gerade empirisch nennen. Und wie unterschiedlich Kinder auf haargenau die gleichen Dinge reagieren, das weiß man eben erst, wenn man unterschiedliche Kinder zuhause hat. Zwei meiner Kinder sind zum Beispieö vorbildliche Esser. Von Spinat über Rosenkohl bis hin zu Chicoree... meine Töchter sind dabei. Dann kam mein Sohn. Bis heute bekomme ich wenige Lebensmittel abseits der Steak-Laugengebäck-und-Nutella-Liga in ihn hinein. Meine Schuld? Vielleicht! Ich brauche trotzdem keine Tipps von Eltern, deren erstes Kind zufällig in die Kategorie der Allesesser gehört. 

Erziehung ist auch Aufmerksamkeit

Ich gebe zu, dass meine Kinder schlechter erzogen sind als die meisten Einzelkinder. So ist es einfach. Das liegt daran, dass Erziehung sehr viel Aufmerksamkeit braucht. Wenn ich all meine Aufmerksamkeit auf ein Kind legen würde, dann würden mir viele Themen nicht durch die Lappen gehen. Meine Nerven würden auch nicht dafür sorgen, dass ich den vierten Rülpser am Essenstisch einfach überhöre, nur um nicht darauf reagieren zu müssen. Ich würde es schaffen, jeden Abend gemeinsam mit meinem Spross das Kinderzimmer aufzuräumen, sodass es das im besten Fall recht bald alleine kann. All das und noch viel mehr, würd ich machen, wenn ich Einzelkind-Mama wär.

Ein Kind ist NICHT kein Kind

Was ich unbedingt noch einmal klarstellen möchte: Ich bin die Letzte, die die Aufgabe belächelt, ein Kind zu erziehen. Vor allem, wenn es nur eines ist, macht das einige Dinge auch viel schwieriger. Geschwister kümmern sich auch mal umeinander oder spielen zusammen. Das entlastet an manchen Stellen ungemein. Mir würde genau deshalb nicht im Traum einfallen, vor Ein-Kind-Eltern darüber zu referieren, wie gut sich meine Kinder ohne mich beschäftigen können. Ich gebe auch nicht damit an, dass unser Kleinster durch den Kontakt mit den Großen schon sehr weit ist. Das wäre Unsinn, weil die Vorraussetzungen ganz andere sind (und es auch völlig egal ist). Ich wünsche mir einfach nur dieselbe Fairness. Dass das nicht ganz einfach ist, weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich dachte nach dem ersten Baby, ich hätte nun die Weisheit mit Löffeln gefressen und hätte es voll drauf. Dann kam da ein ganz anderes Kind und hat mich Demut gelehrt. Sie sind, was sie sind. Jedes ganz individuell. Und das ist eigentlich eine sehr schöne Nachricht. 

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