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Nesthocker Psychologin erklärt: "Mit 20 sollten Kinder raus"

Nesthocker
© milan2099 / Barbara
Die Psychologin Elisabeth Raffauf erklärt, was Kinder oft zu Nesthockern macht und wie Eltern wieder aus der Nummer herauskommen.

Warum bleiben junge Erwachsene heute so lange im Elternhaus?

Gerade in Großstädten hat das natürlich ökonomische Gründe, ausziehen ist teuer. Und zu Hause ist es ja bequem – viele verstehen sich gut mit ihren Eltern. In der Praxis erlebe ich aber auch oft, dass Kinder nicht gehen können, weil sie daheim eine Funktion haben und wissen, dass sie gebraucht werden.

Was steckt dahinter?

Es geht um Ängste wie: "Wenn ich gehe, dann trennen sich meine Eltern." Oder bei Kindern Alleinerziehender: "Ohne mich ist Mama oder Papa ganz allein."

Gibt es abgesehen davon einkonkretes Alter, das Sie als Auszugsobergrenze nennen würden?

Mit spätestens 20 sollen sie raus! Natürlich nur, wenn das finanziell geht. Aber von der Entwicklung her wäre es sehr gesund, in dem Alter auszuziehen.

Sind Kinder denn heute überhaupt unselbstständiger als früher?

Teils, teils. Unselbstständigkeit geht früh los und setzt sich fort. Viele Eltern denken etwa, dass sie die Hausaufgaben machen müssten. Und wie oft habe ich schon den Satz gehört: "Wir schreiben eine Mathearbeit." Das ist falsch! Wir sollten unseren Kindern nicht alles aus dem Weg räumen, das hält sie unselbstständig. Natürlich brauchen auch ältere Kinder die Eltern noch als "Tankstelle", aber sie sollten Dinge wie Job- oder Wohnungssuche erst einmal versuchen, alleine zu regeln.

Wie könnten Eltern Nesthockern einen Schubs verpassen?

Man muss zuerst klären, was das Kind daran hindert, flügge zu werden. Vielleicht ist man ja selbst der Hinderungsgrund. Es gibt Eltern, die sagen "Zieh doch aus" und kommunizieren nonverbal "Bitte bleib!". Man sollte Kindern klarmachen, dass sie sich nicht um einen zu kümmern brauchen. Und man kann ihnen einen Ort zusichern, zu dem sie immer zurückkommen können.

Elisabeth Raffauf ist in Köln tätig und Autorin diverser Ratgeber zu den Themen Pubertät und Erziehung.

Barbara

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