Nett sein statt Fasten: Der ultimative 10-Punkte-Plan

In der 40-tägigen Fastenzeit mal auf Zucker, Koffein oder Kohlenhydrate verzichten kann doch jeder, oder? Viel schwieriger: Einfach mal so richtig nett sein! Unsere Autorin will es ausprobieren. Hier ist ihr Masterplan.

von Marie Stadler

Es fällt mir schwer, es zuzugeben... aber ich bin nicht immer nett. Es gibt sicher einige Menschen, die das anders sehen, aber nur ich kenne ja meine Gedanken und nur ich weiß, wie oft ich mich schon habe hinreißen lassen, mir schändlich das Maul über andere zu zerreißen. Warum? Wenn ich wirklich ehrlich drüber nachdenke, dann wohl immer aus eigener Unsicherheit. Weil ich mich durch eine gegensätzliche Meinung selbst in Frage gestellt gefühlt habe. Weil es sich irgendwie erhebend angefühlt hat. Oder weil ich einfach dazugehören wollte. Das ist traurig, aber ehrlich. 

Wie man in 40 Tagen lernt, konsequent nett zu sein

Die gute Nachricht ist: Im Grunde muss man nur mal einen Anfang machen. Experten gehen davon aus, dass man ungefähr drei Wochen braucht, um sich an eine grundlegende Veränderung im Leben selbst zu gewöhnen und sie nachhaltig ins Leben zu integrieren. Die 40-tägige Fastenzeit ist also die beste Gelegenheit, die Sache mit dem "konsequent nett sein" zu üben. Die 19 Tage Puffer nach den drei Wochen sind sinnvoll, denn: Besonders der letzte Punkt, das "Dazugehören wollen", ist ein tückisches Ding. Solange sich die Welt nicht grundlegend ändert (und das wäre wohl etwas viel verlangt) wird man wohl immer wieder in die Situation geraten, dass man in Lästereien hineingezogen wird. Was also tun, wenn man nicht mitmachen möchte? Und was kann man gegen fiese Gedanken machen, die sich immer mal wieder einschleichen?

Hier unser ultimativer 10-Punkte-Plan für ein netteres Ich in 40 Tagen:

1. Groß ankündigen

Im Grunde ist es wie bei der Raucherentwöhnung: Wer im Freundeskreis / im Büro / wo auch immer einfach mal ankündigt, dass er oder sie in Zukunft nur noch nette Dinge sagen möchte, erhöht sich der Druck, das auch wirklich zu tun. Vielleicht finden sich ja sogar Mitstreiter. Und schon wird es leichter. Falls nicht helfen die Punkte 6,7 und 8.

2. Aller Anfang ist schwer

Ganz klar: Es wird nicht einfach werden. Wirklich nicht. Komplett konsequent nett zu sein liegt nicht unbedingt in unseren Genen. Tratschen und Lästern liegt uns (leider) im Blut. AUTSCH! Also bloß nicht zu streng mit sich sein. Es wird Rückschläge geben (die man sich besser schnell verzeiht und draus lernt)

3. Sich bewusst machen, dass man sich selbst schadet

Es ist irgendwie verrückt, aber am meisten schadet man sich mit negativen Gedanken und dummem Gerede selbst. Schnell wirkt man auf andere linkisch, außerdem bekommt man schlechte Laune durch das kleine schlechte Gewissen, das dann doch an einem nagt. 

4. Den Leitgedanken gut platzieren

Im Portemonnaie, am Kühlschrank, auf dem Schreibtisch.... die Mission ist schwer genug, um kleine Erinnerungsstützen zu brauchen. Wie wäre es mit einem Post-it, auf dem dein neuer indianischer Leitgedanke steht? „Wenn du nicht 1000 Meilen in den Mokassins des anderen gegangen bist, hast du kein Recht, über ihn zu urteilen.“

5. Das Gehirn verstehen

Wie die Psychologin Stefanie Stahl so schön sagt: "Das Gehirn hat die Tendenz, immer wieder ins Negative zu kippen, wenn man es beim Denken sich selbst überlässt. Das Bemerken von Fehlern sichert unser Überleben, es ist also ganz normal, dass das passiert." Also besser nicht alleine lassen und immer wieder bewusst auch auf das Positive der anderen fokussieren.

6. Einfach gut statt schlecht reden

Immer, wenn man den Impuls verspürt, etwas Negatives über einen Menschen zu sagen, schnell stattdessen etwas Positives hervorheben. Das hilft nicht nur dir, es bleiben zu lassen, sondern bringt auch die anderen Lästermäuler schell zum Schweigen, ohne dass du den Zeigefinger heben musstest. Auf "Hast du die hässliche Mütze von Jana gesehen? Einfach nur peinlich!" kann man getrost: "Mir ist Janas schönes Kleid aufgefallen!" antworten. Das ist nicht mal dann gelogen, wenn man die Mütze selbst auch schrecklich fand. 

7. Das Schweiz-Prinzip nutzen

Wenn die anderen schlecht reden, ist es absolut ok, sich rauszuhalten. Mögliche Statements sind dann: "Darüber kann ich mir kein Urteil bilden, ich weiß darüber zu wenig" oder "Sie wird ihre Gründe dafür haben, die ich allerdings nicht kenne." Die Schweiz ist auch nicht unbeliebt, weil sie sich aus vielen internationalen Verwicklungen raushält.

8. Charmant entwaffnen

Noch deutlicher Kante zeigen kann man, indem man sich einfach mit einschließt in die Kategorie des Lästeropfers. Um bei Janas Mütze zu bleiben: "Findest du? Ich finde meine Mütze viel hässlicher! Aber sie ist megagemütlich und warm." Das ist so entwaffnend, dass die Lästerattacke ganz schnell ein Ende findet. 

9. Nicht den Missionar spielen

Bei aller Liebe zur eigenen Mission: Sie sollte die eigene bleiben. Nichts ist peinlicher als die Idee, nicht nur sich selbst, sondern gleich alle anderen auch noch mit ändern zu wollen. Es passiert ganz automatisch, dass die Welt um einen herum ein bisschen besser wird. Darauf sollte man einfach vertrauen...

10. Deinen neuen Glanz genießen

Auch eine indianische Weisheit: Deine Gedanken sind ein Spiegelbild der Welt. Je weniger du dich aufregst, über andere erhebst, gemeine Dinge denkst, desto schöner wird die Welt um dich herum. Den besten Nebeneffekt hast du dir nach 40 Tagen deshalb redlich verdient: Du wirst so schön sein wie nie zuvor. Versprochen!!!


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