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Paula Lambert und Sophia Thiel "Zwischen uns hat es direkt gefunkt."

Paula Lambert und Sophia Thiel : "Zwischen uns hat es direkt gefunkt."
© Seven.One Audio/Andreas Zitt
Welchen Preis zahlen wir, wenn wir uns mehr um andere als um uns selbst kümmern? Wie akzeptieren wir uns selbst? Darüber sprechen Fitness-Influencerin Sophia Thiel (27) und Beziehungsberaterin sowie Buchautorin Paula Lambert (48) mit uns und in ihrem gemeinsamen Podcast „Vier Brüste für ein Halleluja“.

Barbara.de: Die Kombi, euch beide in einem Podcast zu haben, ist ziemlich überraschend. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Paula: Kennengelernt haben wir uns eigentlich erst so richtig bei der Aufnahme der allerersten Folge. Vorher haben wir uns nur ein einziges Mal bei einem Onboarding-Termin gesehen, wo wir uns kurz beschnuppern konnten. Es war erstmal eine theoretische Idee, weil ich Sophia und ihre Inhalte aus der Ferne sehr gern mochte, aber wir wussten nicht, ob das passt. Und wir lernen uns jetzt in diesem Podcast immer besser kennen.

Sophia: Ich kannte Paula bislang auch nur über „Paula kommt“ und ihr Podcast Format. Bei unserem Treffen hat es aber direkt gefunkt. Und man merkt es auch im Podcast: unangenehme Stille gibt es nicht.

Euer Podcast heißt „4 Brüste für eine Halleluja. Wie kamt ihr auf diesen wilden Namen?

Paula: Wir haben gebrainstormt und sind dann in der Western-Welt bei den Attributen stark und auf die zwölf gelandet. Dann ist mir eher im Spaß rausgerutscht „4 Brüste für ein Halleluja“ – in Anlehnung an den Bud Spencer und Terence Hill Film „Vier Fäuste für ein Halleluja“ – und irgendwie war es das dann.

Sophia: Es sollte im Namen schon deutlich werden, dass hier zwei starke Frauen sitzen, die offen und unverblümt über Tabuthemen reden. Da hat mich der Name total gecatched.

Worum geht es im Podcast?

Paula: Im Grunde geht es um uns. Um unser Erleben. Dadurch, dass wir uns beide sehr um mentale Gesundheit bemühen, natürlich auch das. Pro Folge suchen wir uns ein Oberthema, das uns gerade beschäftigt, mit der Ausrichtung, dass alle etwas davon haben, die uns gerade zuhören und vielleicht auch manchmal strugglen oder unsicher sind und nicht genau wissen, wohin mit sich. Es soll ein Wir für Alle sein.

Ihr beide sprecht sehr offen über eure Höhen und Tiefen – wie geht es euch aktuell?

Paula: Mir geht es aktuell sehr gut. Im letzten Jahr und auch noch im Frühjahr hingegen gings mir richtig scheiße. Da wusste ich auch nicht mehr, wofür ich den ganzen Quatsch noch mache. Mir war richtig die Kraft ausgegangen. Ich bin seit 13 Jahren alleinerziehend und ich war einfach komplett ausgepowert. Aber in den letzten Wochen sind plötzlich so viele gute Sachen passiert – jobmäßig, privat, bei den Kindern – also bei mir geht’s bergauf.

Sophia: Bei mir ist es eher ein drunter und drüber – absolutes Gefühlschaos, weil so viele Veränderungen anstehen. Wir haben das Büro ausgeräumt, schauen uns Wohnungen an, weil wir umziehen möchten – es ist super viel los. Da freue ich mich jede Woche auf die Podcastfolge. Das ist schon fast wie eine kleine Therapie-Einheit, wenn ich mit Paula die ganzen Themen besprechen kann. Es ist und bleibt ein Prozess und mich überrascht es immer wieder, dass sich das auch von Tag zu Tag ändern kann, wie ich mich gerade fühle.

Paula: Ich glaube genau darüber offen zu sprechen – über die Zustände des Menschseins – kann für alle total heilsam sein. Wie oft ich höre: Außer dir habe ich das noch nie jemandem erzählt. Wo ich dann frage: Aber warum denn nicht? Dafür hast du doch Partner:in, Familie oder Freund:innen. Es geht darum, zu enttabuisieren und die Menschen müssen lernen, darüber zu sprechen. Und wenn wir das machen, machen andere das vielleicht auch.

Zwischen euch liegen zwanzig Jahre und trotzdem beschäftigen euch dieselben Themen. Was habt ihr bisher voneinander gelernt?

Paula: Geduld dem Leben gegenüber, die wir beide lernen mussten und den Kopf hochzuhalten, obwohl das Gewicht von oben ganz schön drückt und Dinge nicht persönlich zu nehmen. Für mich ist es total erleichternd,  eine Person gegenüber sitzen zu haben, die ganz offen und ehrlich damit umgeht. Denn auch in meinem Freundeskreis gibt es Menschen, die so tun, als würde ihnen die Sonne aus dem Arsch scheinen, obwohl ich ganz genau weiß, dass es nicht so ist.

Sophia: Ich finde, wir ergänzen uns total gut. Paula bringt immer eine gewisse Klarheit und Struktur in mein Gefühlschaos und ich lerne viel von ihrer Expertise in Sachen Liebe und Beziehungen und sie wiederum auch von meiner in Sachen Sport oder auch Extremdiäten.

Cover
© Seven.One Audio/Andreas Zitt

Ein großes Thema eures Podcasts ist mentale Gesundheit. Was waren eure persönlichen Tiefpunkte bisher?

Paula:  Mein Tiefpunkt war ganz klar 2021. Ich hatte einen richtigen Corona-Burnout. Ich lag weinend im Bett und bin überhaupt nicht mehr rausgekommen. Jeder Schritt war eine Qual und der Gedanke an Homeschooling hat mich wahnsinnig gemacht. Nicht, dass ich das nicht schön fand, dass mal alles entschleunigt wurde, sondern weil mir die Last, die auf meinen Schultern ruht, so bewusst wurde. Zwei Kinder, die ganzen Tiere, die ich mir angeschafft habe, der Job, den ich aktuell alleine mache, hat mir richtige die Füße weggeschlagen. Darum bin ich so froh, dass so was Schönes, wie das mit Sophia passiert ist.

Wie hast du es geschafft, da wieder rauszukommen?

Paula: Ich bin brav zu meiner Therapeutin gelatscht und habe das mal anerkannt, dass es einfach alles zu viel ist. Früher dachte ich immer, ich bin unendlich belastbar – ich nehme Kinder und Tiere auf, die keiner mehr will – klar, schaffe ich auch noch. Aber mal anzuerkennen, dass ich es nicht schaffe, das hat mir total geholfen. Achtsamer mit mir zu sein, also das, was ich anderen gerne predige, aber sich das selbst zu Herzen nehmen, ist dann doch nochmal was anderes.

Und bei dir Sophia?

Sophia: Ich hatte meinen krassesten Tiefpunkt 2019. Da habe ich gesagt: Jetzt ist Schluss, habe alles gecuttet und war dann erstmal alleine. Ich habe gedacht, wenn ich alles eliminiere – jegliche Verpflichtung im Außen und die hohen Ansprüche an mich selbst – geht’s mir besser. Vor allem, wenn ich irgendwo weit weg im Ausland bin. Man denkt ja, man lässt seine Probleme einfach zurück, nur hat man die im Koffer mit dabei. Dann ging es mir eine Zeit lang noch schlechter als vorher und ich habe mich ziemlich verloren. Aber ich habe mir dann angeschaut, was will ich und was will ich nicht im Leben und habe erkannt, was ich eigentlich kann, anstatt mich immer weiter fertig zu machen. Ich habe bis heute Selbstzweifel, aber wenn ich mich an diese Momente erinnere, bin ich eigentlich sehr dankbar, weil ich sehr viel daraus gelernt habe.

Was sind die größten Baustellen, um die ihr euch gerade bei euch selbst kümmern wollt.

Paula: Bei mir ist es definitiv Achtsamkeit. Ich will dieses Jahr lernen, das, was ich predige, auch selbst zu schlucken und mich wirklich mal um mich zu kümmern. Ich will lernen, in mich rein zu spüren, was ich gerade brauche, was mir guttut und was nicht, was zu viel ist.

Sophia: Bei mir ist es ähnlich und genau diesen Prozess wollen wir im Podcast begleiten, mit all unseren Erfolgen und Misserfolgen. Dieses miteinander darüber reden ist für mich auf jeden Fall sehr heilsam.

Sophia, Sport ist nach wie vor ein Thema in deinem Leben. Nur auf gesündere Weise, die auch mental guttut. Wenn man, so wie ich, eher sportfaul ist, hast du einen Tipp, wie man es schafft, am Ball zu bleiben?

Sophia Thiel
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Sophia: Ja, auf jeden Fall. Key für Sport, aber auch andere Lebenslagen, ist Routine. Wenn du es schaffst, das in deinen Alltag zu integrieren und die Priorität auch hoch genug einstufst, dass immer wieder zu machen, wie Zähneputzen oder morgens Kaffee zu trinken, dann läuft es von ganz alleine und ist mit viel weniger Anstrengung verbunden, sich aufzuraffen. Das Schwierigste ist, in die Routine reinzukommen. Hintenraus wird es immer leichter und das gilt für alles, worin man gut werden möchte – sowohl Sport als auch eine Sprache oder ein Instrument lernen oder Ähnliches. Und gerade beim Sport hilft mir außerdem, wenn ich mir statt einer Serie, Videos auf Youtube anschaue, in denen andere auch gerade Vollgas im Gym geben. Das motiviert mich zusätzlich.

Paula: Und Sport hilft wirklich so sehr gegen depressive Verstimmungen, das unterschätzt man total. Seit ich wieder regelmäßig zum Crossfit gehe, geht es mir einfach so viel besser.

Paula, in deinem Podcast „Paula Lieben Lernen“ sprichst du mit deinen Gäst:innen über das große Thema Beziehungen, aber auch sehr viel über Selbstliebe. Was ist deiner Meinung nach die Grundvoraussetzung für eine gute Beziehung zu sich selbst?

Paula Lambert und Sophia Thiel : "Zwischen uns hat es direkt gefunkt."
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Paula: Ich hatte ja jahrelang keine Ahnung, dass das mein Thema ist, dass es mir wirklich ernsthaft daran mangelt. Ich dachte immer, mit mir stimmt was nicht, ich bin einfach zu doof, zu hässlich, zu was weiß ich. Deshalb habe ich immer nur so komische Beziehungen und bin so sehnsüchtig, ohne dass es erfüllt wird. Die Wahrheit war natürlich, dass ich mit meiner ungeheilten Persönlichkeit nur solche Männer angezogen habe, die genau dazu gepasst haben und totale Arschlöcher waren, genauso wie ich zu mir auch ein totales Arschloch war. Als mir das klar wurde, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen und ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, gütig zu mir selbst zu sein und liebevoll mit mir umzugehen. Deshalb bin ich so gespannt, was in Zukunft passieren wird. Denn ich glaube, jetzt bin ich das erste Mal in meinem Leben dazu in der Lage, mich bewusst für mich zu entscheiden.

Aber wie schafft man das mit der Selbstliebe?

Paula: In kleinen Schritten jeden Tag.

Sophia: Und das Thema Achtsamkeit, also dein eigenes Verhalten beobachten. Das sind alles erlernte Abläufe im Gehirn. Das fängt bei Kleinigkeiten an. Selfcare ist dann genauso auch mal zu sagen, nee, ich komme heute nicht auf die Party, ich muss heute einfach mal früh ins Bett und brauche Zeit für mich selbst. Und allein diese Zeit für sich selbst zu beanspruchen, ist so schwierig geworden. Dabei ist Zeit, die man nur mit sich selbst verbringt und gut zu sich ist, die wichtigste, um auch zu reflektieren, wie es gerade läuft, was gut und was nicht guttut.

Aber es kann auch ganz schön schmerzhaft sein, das mit sich selbst auszuhalten.

Sophia: Ja, natürlich. Ich kenne sehr viele Leute, die nicht alleine sein können, mir ging es auch lange so, dass ich abhängig von anderen Menschen war. Aber das ist ein extrem wichtiger Skill, den man lernen sollte. Je früher man sich mit sich selbst beschäftigt, desto besser, aber es ist nie zu spät.

Paula: Und dieses Wachstum ist ja das, was das Leben auch so schön macht. Wenn man dann in der Rückschau feststellt: Mega, ich bin jetzt eine bessere Version meiner selbst!

»Vier Brüste für ein Halleluja« erscheint immer freitags auf allen Podcast-Plattformen.

Barbara

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