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Peinlich und unangenehm Mit diesen Symptomen gehen wir lieber auf Google statt zum Arzt

Frau mit Haaren und Brille vor dem Gesicht, sitzt am Laptop
© Francesco Carta fotografo / Getty Images
Es juckt, es brennt und es tut weh. Leider an Stellen, über die wir nicht so gern sprechen. Weder mit Freunden noch mit Ärzten. Lieber googeln, statt sich die Blöße geben über diese Symptome zu sprechen. 
von Lena Selinger

Es gibt Symptome wie Kopfweh oder Halsschmerzen, die unproblematisch sind. Damit geht man dann schon auch zum Arzt. Andere Symptome hingegen sind da schon eher unangenehmerer Natur – vor allem solche, die unterhalb des Bauchnabels Beschwerden machen. Denn dieses Untenrum ist immer noch ein absolutes Tabuthema. Obwohl es genauso natürlich sein sollte, wegen Scheidenpilz zum Arzt zu gehen wie mit Migräne-Anfällen, schämen wir uns und fühlen uns irgendwie dreckig. Dabei haben die meisten Probleme, die wir Frauen mit unserer Vagina oder Vulva haben eher mit zu viel als zu wenig Hygiene zu tun. Doch es gibt noch andere Körperbereiche und Themenfelder, die wir lieber Dr. Google fragen, nur um am Ende panisch bei uns selbst Krebs, Aneurysmen und andere unheilbare Krankheiten zu diagnostizieren, statt einfach mal kurz über den Schatten zu hüpfen und einen echten Arzt zu fragen, wie eine neue Studie zeigt. 

Und? Du auch dabei?

Die Studie von Lenstore hat über 100 häufige Gesundheitsbeschwerden analysiert und die Symptome herausgefiltert, die am häufigsten gegoogelt werden.

Zu den meistgesuchten Beschwerden der Deutschen zählen:

  • Verstopfung 
  • Haarausfall 
  • Blähungen 
  • Mundgeruch
  • Gewichtszunahme 
  • Übermäßiges Schwitzen 
  • Afterjucken und Scheidenausfluss 
  • Vaginaler Juckreiz 
  • Vaginale Trockenheit 

Schön ist das alles nicht.

Was sonst noch auffällt:

  • Durchfall wird weltweit am meisten gesucht, aber auch Panikattacken sind ganz weit oben im Ranking
  • In Deutschland googelt man am häufigsten Fieber, dicht gefolgt  Durchfall und Halsschmerzen
  • 82% der Deutschen googeln ihre Symptome bevor sie ihren Arzt aufsuchen, 11% der Erkrankungen bleiben dadurch undiagnostiziert
  • Fast 1/3 der Deutschen geben zu, dass das Googeln eines Gesundheitssymptoms in der Vergangenheit zur Selbstdiagnose geführt hat, die schlimmer war als die eigentliche Diagnose beim Arzt

Nein, Vaginaler Juckreiz und Co. sind keine lustige Angelegenheit

Aber mal ehrlich, manch eine Diagnose, die wir uns selbst über das Internet gestellt haben, ist schon ein wenig kurios. Zumindest im Nachhinein. Und natürlich sind auch wir ganz groß darin, erstmal im Netz zu schauen, was denn so für Eventualitäten auf uns zukommen könnten, statt direkt zum Arzt zu gehen und es abzuklären. Im Grunde suchen wir nach Entwarnung und Beruhigung – wird schon nicht so schlimm sein. Leider bekommen wir meist genau das Gegenteil, sodass wir am Ende doch auf dem Behandlungsstuhl sitzen. Und jedes Mal nehmen wir uns dann vor: Nein, Finger weg von der Tastatur. Deutlich einfacher wäre es natürlich, wenn nicht nur die Scham, sondern auch die viel zu langen Wartezeiten auf einen Termin uns daran hindern würden, zum Arzt zu gehen. Allein um einen Termin auszumachen, braucht man ja schon einen Urlaubstag. Und während man in den diverse Warteschlangen hängt, hat man viel Zeit nebenbei zu googeln. 


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