Peppa Wutz macht Kinder frech

Sie ist die Heldin aller Zweijährigen, lebt in einer quietschbunten Welt, ist klein, sehr rosa und der Albtraum aller Eltern. Denn Peppa ist vor allem eines: vorlaut. 

von Julia Ballerstädt

Vielleicht waren wir etwas blauäugig, als wir Peppa Wutz vor rund sieben Jahren das erste Mal zum Babysitter unser großen Tochter machten. Doch während wir die Sendung für Kleinkinder irgendwie seltsam fanden, stand sie total drauf. Sie war also glücklich mit dem rosa Schweinemädchen und wir waren glücklich über ein paar Minuten Ruhe. Und dann wurde das ganze irgendwie – ich weiß eigentlich auch nicht, wie das passieren konnte – zum Selbstläufer. Vermutlich eine Mischung aus Inkonsequenz und eigener Faszination an diesem doch etwas sonderbaren Fernseh-Format, das uns, inzwischen ein Kind mehr, seit rund fünf Jahren begleitet, die Nerven strapaziert und Gehirnkapazität einnimmt, weil ich mittlerweile diverse Folgen auswendig mitsprechen kann. Allein die Titelmelodie: Peeeeeppppppaaaaa Wutz...

Sausia, Luzie Locke und Co: Warum stehen die Kinder so auf die Schweinebande?

Vor allem wohl deshalb, weil Lebenswelt und Sprache bei Peppa Wutz genau auf die der Kinder angepasst sind und Peppa dabei nicht das brave, kleine Lieblingsschwein von Mama und Papa ist, sondern durchaus auch mal frech und unangepasst. Bei Peppa wird schon mal über die Erwachsenen gelacht, wenn der "dumme" Papa Wutz, wie sie gerne sagt, mal wieder planlos durch die Gegend fährt. Aufräumen findet sie ganz schrecklich und manchmal ist die sonst beste Freundin eben richtig doof. Für einige Kritiker ist das zuviel: Peppa finden sie zu frech und respektlos. Andere sehen genau darin Peppas ganz große Stärke. Und Kinder finden sie vor allem richtig lustig. 

In China ist Peppa sogar noch viel mehr, nämlich Symbolfigur für die Auflehnung gegenüber dem Staatsoberhaupt, weshalb es eine ganze regimekritische Bewegungen rund um Peppa Wutz gibt.

Ein Status den Conni, Caillou und Co niemals erreichen werden. Denn im Gegensatz zu Peppa, sind die beiden so unproblematisch angepasst. Sie entsprechen dem stereotypen Bild des braven Kindes. Genauso wie ihre Mütter und Väter und Omas und Opas. Aber möchte man das seinen Kindern heute wirklich noch vermitteln? Ein altbackenes, stereotypes Rollen- und Geschlechterbild und das Erziehungsziel liebes, braves Kind? 

Aber: Ist Peppa ein gutes Vorbild?

Das stereotype Geschlechterbild gibt es bei Peppa leider auch. Eine andere Rollenverteilung hätte der Serie wirklich gut getan. Und natürlich spielen Kinder Szenen aus ihren Lieblingsserien nach, orientieren sich an ihnen und lernen die dort vermittelten Botschaften. Ein Grund mehr, sich die Serien vorab einmal anzuschauen, bevor man die Büchse der Pandora öffnet und den Deckel dann nicht mehr drauf bekommt. Denn Kindern, vor allem den kleinen, fällt es schwer, echt von unecht zu unterscheiden. In diesem Fall also unkooperatives Verhalten und Schimpfwörter, die meine Kinder durchaus sehr amüsant finden. Also im Grunde ist Peppa ein schlechtes Vorbild. Aber dabei immerhin witziger als es Conni und Caillou es zusammen sind. 

Ein rotzfreches Kind zu Hause ist natürlich auch nicht ohne, also wie macht man es nun richtig mit dem rosa Schwein? 

Wenn Peppa die Kinder verdirbt...

...haben die Eltern definitv etwas falsch gemacht. Wieviel Peppa ok ist, was sie ihre Kinder sehen lassen, welche Werte sie vermitteln und wie sie allgemein mit Medien umgehen wollen, das müssen Eltern selbst entscheiden. Zum Glück wird ein Kind ja nicht nur über den Fernseher sozialisiert, jedenfalls im besten Fall und mir persönlich ist es lieber, mein Kind sagt "sch****", wenn es etwas genau so findet und wird dann später hoffentlich ein starke, selbstbewusste Frau, anstatt eine brave. 

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