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Plötzlich Ex: "Machst du gerade Schluss mit mir?"

Plötzlich Ex: "Machst du gerade Schluss mit mir?"
© Getty Images
Jetzt mal ehrlich, Männer, kommt eine Trennung für euch denn wirklich wie aus dem Nichts? Ja, behauptet unser Kolumnist. Und nein ...
von Björn Krause

Vieruhrdreiunddreißig, hellwach. Treibe in der schweigenden Dunkelheit wie ein rostiger Satellit im All. Ein klappriges Stück Weltraumschrott, in dessen Umlaufbahn nur ein einziger Gedanke kreist: Warum? Warum? Warum? Es ist vorbei, hast du gesagt. Vorbei. Knick im Raum-Zeit-Kontinuum. Liebst mich nicht mehr. Meteoritenregen. Panik. Hüllenbruch. Die Luft strömt hinaus. Und das Nichts herein.

Bin zu einem dieser Ich-habe-es-nicht-kommen-sehen-Männer geworden. Dabei habe ich dir immer zugehört. Aufmerksam zugehört. Aber zwischen Sender und Empfänger muss es ein feines Rauschen gegeben haben, Frequenzstörungen, immer im falschen Moment, die dafür gesorgt haben, dass deine Nachrichten nicht vollständig an mich übertragen wurden, dass Kernbotschaften über den Äther des Alltags verschwunden sind wie in einem schwarzen Loch. Wem kann ich jetzt die Schuld dafür geben? Dir? Mir? Dem Radio etwa?

Vielleicht habe ich zu lange nur auf Symptome geachtet. Symptome einer Krankheit, von der ich nicht wahrgenommen habe, wie weit sie bereits fortgeschritten war. Wollte alt mit dir werden – deine Haut auch dann noch berühren, wenn sie dünn wie Pergamentpapier ist und gefleckt wie eine alte Banane. Wollte, dass deine zittrige Hand auch dann noch meinen kahlen Kopf streichelt, wenn er wie Leberkäse fleischig in der Sonne glänzt.

Seite an Seite, ein Leben lang. Das war der Plan. Sind wir gescheitert? Oder nur ich? Oder ... Habe ich etwa ein Luftschloss gebaut? Auch ich habe die Risse in den Wänden gesehen, die bröckelnde Fassade. Aber ich habe immer an das Fundament geglaubt. Selbst dann, als die Abrissbirne eingeschlagen ist, wieder und wieder, bis aus dem Wir ein Du wurde. Und ein Ich ohne Dich.

Es ist vorbei. Vorbei. Hast dich nicht für einen anderen entschieden. Sondern gegen mich. Bist ohne mich glücklicher. Also mit mir nicht nur nicht glücklich, sondern unglücklich. Habe versucht, das Unmögliche möglich zu machen – und das Unglückliche wieder glücklich. Zu spät. Habe gegen Windmühlen gekämpft. War wie der Kojote, der auf Raketenrollschuhen über die Klippen donnert. Bereue ich keine Sekunde. Das nicht. Anderes schon ...

Nun stehst du vor mir, bewegst tonlos deine Lippen. Muss mich setzen, festhalten. Alles dreht sich. Um dich. Mich. Uns. Bleib bei mir, möchte ich sagen. Bleib bei mir. Aber du bist längst gegangen.


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