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Polyamore Beziehungen "Ich habe so viel Liebe in mir"

Polyamorie: Die Michalskis
© PR
Eine klassische Bilderbuch-Ehe – so könnte man Saskias Leben mit Marcin bezeichnen. Doch dann lernte Saskia eine andere Frau kennen und merkte, dass sie plötzlich zwei Menschen liebt: ihren Ehemann und Luise. Aus zwei wurden drei. Ihr Leben jetzt? Immer noch eine Bilderbuch-Ehe – nur eben moderner! 

"Du kannst nicht zwei Menschen lieben. Das geht nicht!", schoss es Saskia Michalski damals durch den Kopf, als sie feststellte, dass sie Gefühle für ihre Cross-Fit-Schülerin Lui entwickelt hat – obwohl sie in einer glücklichen Ehe mit Marcin war. Ihren Mann zu verlassen, war für Saskia keine Option, schließlich liebte sie ihn genauso wie zuvor. Sagen musste sie es ihm aber trotzdem.

"Ich wollte alles dafür geben, um Marcin zu zeigen: Du hast nichts falsch gemacht und mir fehlt nichts", erzählt Saskia. Offene Kommunikation war schon immer der Schlüssel in ihrer Beziehung, der schon so einige Streitpunkte aus dem Weg geräumt hatte. Nie aber hätte Saskia gedacht, dass Marcin so entspannt und verständnisvoll reagierte, als sie ihm ihr Herz ausschüttete. "Na ja, zwei plus eins sind drei. Gucken wir mal, wo das Ganze uns hinbringt.", kommentierte er pragmatisch die Situation.

"Wir sind einfach eine Familie zu dritt"

Das Ganze, wie Marcin es damals bezeichnete, führte schließlich zu einer polyamoren Beziehung. Wenn jemand fragt, wie das funktionieren soll, beschreiben die drei es so: Saskia liebt Marcin und Lui romantisch und intim. Marcin und Lui hingegen haben keine romantische Beziehung miteinander. Sie sind zwar ein Herz und eine Seele, haben aber keinen Sex oder Schmetterlinge im Bauch. "Das ist vergleichbar mit der Liebe, die man gegenüber seiner Familie wie zum Beispiel den Eltern oder Geschwistern empfindet", beschrieb es einmal Marcin in einem Interview auf YouTube. Doch warum so kompliziert definieren? "Wir sind einfach eine Familie zu dritt", erklärt Saskia. 

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Grenzenlose Liebe

Heute leben sie in einer gemeinsamen Wohnung – mit zwei Schlafzimmern. Saskia entscheidet dann immer relativ spontan, neben wem sie einschlafen will. Dass eine Beziehung zu dritt klappt, wissen Saskia, Marcin und Lui, doch noch immer stoßen sie auf Unverständnis in der Gesellschaft. Um Polyamorie zu normalisieren, sind sie mit ihrer Beziehung an die Öffentlichkeit gegangen – unter anderem auf Instagram und TikTok.

"Polyamorie ist oft ein Tabuthema, das unter den Teppich gekehrt wird. Ich weiß, dass viele Menschen ihre Beziehung und Sexualität hinter verschlossenen Türen erleben. Sie haben oft Angst vor Schubladendenken und Diskriminierung."

, so Saskia. Ihre Mission ist es, zu zeigen, dass ihre Familie weder Sex gesteuert ist, noch es daran liegt, dass Saskia sich nicht entscheiden kann oder zu viel Aufmerksamkeit braucht, wie es ihr oft vorgeworfen wird. "Viele Menschen brauchen Hierarchien. Sie wollen oft wissen, wen ich mehr liebe. Dabei liebe ich beide gleich. Ich habe endlose Liebe in mir, wieso sollte ich sie aufteilen müssen?"  

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Der größte Teil Saskias Followerschaft auf Instagram besteht überraschender Weise aus Personen, die monogam leben. "Der Grund ist, dass die Art, wie wir miteinander umgehen, auch monogame Beziehungsmodelle bereichern kann", verrät Saskia. Gerade bei Themen wie Eifersucht, Vertrauen und Wertschätzung sind die drei für viele ihrer Fans Vorbilder. 

Verliebt, verlobt, verheiratet ... doppelt verheiratet?

Eine Ehe zu dritt? In Deutschland ist das rechtlich nicht möglich. "Würden wir im Ausland heiraten, drohen uns sogar bis zu drei Jahren Haft", erklärt Saskia. Marcin und sie sind zwar schon verheiratet, die Gesetzgeber ziehen aber bei weiteren Ehepartner:innen eine Grenze. Das heißt, auf dem Papier sind die drei letztendlich ein Ehepaar mit einem Single. Privat sieht das jedoch anderes aus. Denn Saskia und Lui sind miteinander verlobt und wollen bald eine symbolische Hochzeit feiern, wenn auch diese nicht rechtskräftig sein wird.

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Auch Nachwuchs wünschen sich die drei. Am liebsten doppelt: Sowohl Saskia als auch Luise wollen ein Kind bekomme und Marcin soll von beiden der Vater sein – auf natürlichem und alternativem Weg. Nicht verheiratet zu sein, könnte dann zu einem größeren Hindernis für die Frauen werden. "Für das jeweilige andere Kind dürften Lui und ich nicht mal Adoptiveltern sein. Wir wären quasi gesetzlich ein fremder Mensch, obwohl wir das Kind zusammen aufziehen.", ärgert sich Saskia.

Trotzdem wollen sie an ihrer Familienplanung festhalten und genau deshalb kämpfen sie für mehr Toleranz. In der Hoffnung, dass sie ihre Kinder in einer Gesellschaft aufziehen können, in der es egal ist, mit wem oder mit wie vielen man seine Liebe teilt.

Verwendete Quellen: Interview

Barbara

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