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Psychologe erklärt 3 Denkweisen, die deinem Glück im Weg stehen

Ein Psychologe gibt drei Denkweisen auf, mit denen wir unserem Glück selbst im Weg stehen
Ein Psychologe gibt drei Denkweisen auf, mit denen wir unserem Glück selbst im Weg stehen
© simona / Adobe Stock
Glück ist auch eine Sache der Einstellung. Ein Psychologe erklärt, durch welche wir unserem eigenen Glück Steine in den Weg legen.

Der Mensch will wissen – das liegt in seinem Naturell und ist schon in der griechischen Antike längst kein Geheimnis mehr gewesen. Doch Wissen führt nicht automatisch zu Glück – es kommt darauf an, welche Schlüsse wir selbst aus unseren Erfahrungen ziehen.

Wenn wir zum Beispiel negativen Erfahrungen und Ereignissen zu viel Bedeutung zuweisen, wenn wir uns selbst negative Label wie "Versager:in" geben oder wenn wir der festen Meinung sind, Dinge kontrollieren zu können, die außerhalb der menschlichen (und vor allem unserer eigenen) Kontrolle liegen. 

Wir haben keinen Einfluss auf unsere Emotionen – wir können uns schwerlich selbst sagen: "Okay, genug damit, niedergeschlagen zu sein, ab jetzt bin ich glücklich!" Worauf wir allerdings sehr wohl Einfluss haben, ist unsere Denkweise. Verhaltenstherapeut Jeffrey S. Nevid hat für "Psychology Today" drei Glaubenssätze herausgearbeitet, denen er bei seiner Arbeit mit Patient:innen häufiger begegnet und die dem eigenen Glück im Weg stehen. Vor allem gibt er Hinweise darauf, wie wir sie durchbrechen können.

1. "Die Welt sollte sich um mich kümmern und wenn sie das nicht tut, dann sollte ich wütend und nachtragend sein!"

Die Welt ist nicht fair – das muss uns aber nicht ins Unglück stürzen
Die Welt ist nicht fair – das muss uns aber nicht ins Unglück stürzen
© weerapat1003 / Adobe Stock

"Leider nehmen die Welt und das Universum im weiteren Sinne wenig bis gar keine Notiz von unserem Leben", so Nevid. Sicherlich: Würden wir in einer perfekten Welt leben, würden alle Menschen aufeinander achten – aber die reale Welt sieht ganz anders aus, das tat sie schon immer. Menschen können und werden uns enttäuschen, frustrieren und unsere Erwartungen nicht erfüllen.

Wir können nicht kontrollieren, wie sich andere Menschen uns gegenüber verhalten. Wir können aber sehr wohl kontrollieren, wie wir uns selbst ihnen gegenüber verhalten. 

Dann haben wir die Wahl: Wir können nachtragen sein und in selbstgerechter Wut vor uns hinschmoren – "oder wir können die Tatsache akzeptieren, dass andere Menschen – das darf man so direkt sagen – unsere eigenen Bedürfnisse nicht an erste Stelle stellen", so der Verhaltenstherapeut. Wir können nicht kontrollieren, wie sich andere Menschen uns gegenüber verhalten. Wir können aber sehr wohl kontrollieren, wie wir uns selbst ihnen gegenüber verhalten. 

Das heißt allerdings auch nicht, dass wir den Launen unseres Gegenübers ausgeliefert wären: "Wir können lernen, unsere Beziehung zu anderen zu ändern, indem wir konstruktiv unsere Bedürfnisse äußern." Unsere Zeit auf der Welt ist begrenzt und im Großen und Ganzen betrachtet, nehmen wir im Universum nicht einmal einen kurzen Augenblick unseren Platz ein. Man kann sich von der Vergänglichkeit und der eigenen kosmischen Bedeutungslosigkeit herunterziehen lassen – "oder die Natur der Dinge akzeptieren und das Beste aus der uns gewährten Zeit machen, denn man weiß nie, was morgen ist", rät Nevid.

2. "Ich werde glücklich sein, wenn erst …"

"Wenn du dein Glück an zukünftige Ereignisse knüpfst, machst du dein emotionales Wohlbefinden von Dingen abhängig, auf die du keinen Einfluss hast." Der Therapeut erinnert sich an eine Patientin, Anfang 40. Sie sei überzeugt davon gewesen, dass sie glücklich werden würde, wenn sie ihren alkoholkranken Mann von seiner Sucht "heilen" könne. "Und so wartete sie und wartete und stellte ihre eigenen Bedürfnisse zurück für den Tag, der leider nie kam."

Wir setzen unser Glück auf Hoffnungen und Gebete und überlassen unser emotionales Wohlbefinden den Wechselfällen des Lebens, die wir nicht kontrollieren können.

Wir würden in einer Kultur leben, in der die Märchenprinzessinnen und charmanten Prinzen idealisiert werden und von denen wir erwarten, sie würden uns zu einem glücklichen Leben entführen, so Nevid. "Wir setzen unser Glück auf Hoffnungen und Gebete und überlassen unser emotionales Wohlbefinden den Wechselfällen des Lebens, die wir nicht kontrollieren können." Doch der Wunsch nach etwas, das außerhalb der eigenen Kontrolle liegt, sei ein Rezept für das Unglücklichsein. Der Therapeut rät vielmehr dazu, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die wir kontrollieren können – zum Beispiel, was wir mit unserem Leben anfangen und wie wir über uns und die Welt denken würden.

3. "Ich bin nicht gut genug."

Von wem kommt die innere Stimme, die sagt: "Du bist nicht genug."?
Von wem kommt die innere Stimme, die sagt: "Du bist nicht genug"?
© AJay / Adobe Stock

Der Satz: "Ich bin einfach nicht gut genug." begegne dem Therapeuten sehr oft während seiner Arbeit. "In den meisten Fällen beginnen die Gefühle der Unzulänglichkeit in der Kindheit, wenn ein Kind zu denken beginnt, es sei nicht so klug, attraktiv, wertvoll und kompetent wie andere Kinder", erklärt Nevid. 

Tiefsitzende Überzeugungen der eigenen Unzulänglichkeit würden sich nur schwer überwinden lassen und "bilden die Grundlage für ein Leben voller Selbstzweifel und Selbstvorwürfe". Nicht einmal Erfolge im späteren Verlauf des Lebens würden in manchen Fällen helfen, das niedrige Selbstwertgefühl zu überwinden und stattdessen zu einer Entwicklung des "Hochstaplersyndroms" führen, eine "Konstellation von Überzeugungen, dass der eigene Erfolg unverdient oder auf Glück oder Zufall zurückzuführen ist".

Gedanken haben nicht mehr Macht über uns, als wir ihnen zugestehen

Der Therapeut rät dazu, darauf zu achten, von wem die innere Stimme komme, die uns so niedermacht. Sind es die Eltern? Lehrer:innen? Gleichaltrige aus der Kindheit? Es hilft, sich klar darüber zu machen, dass Gedanken nicht mehr Macht über uns haben als die von uns verliehene. "Entzieh diesen Gedanken Macht, indem du sie als Meinungen und nicht als Fakten behandelst. Wiedersprich ihnen mit deiner inneren Stimme, als würdest du einen Menschen beraten, der von denselben negativen Gedanken geplagt wird." Der Therapeut fasst es in den Worten Oscar Wildes zusammen: 

"Bitte erschieß nicht den Pianisten. Er tut nur sein Bestes." Das ist vielleicht alles, was jede:r von uns von sich selbst erwarten kann oder jemals erwarten sollte.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com

cs Barbara

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