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Psychologie 4 emotionale Trigger, die heimlich dein Leben beeinflussen

Psychologie: Eine Frau vor einem Leuchtturm
© everst / Shutterstock
Emotionale Trigger wecken vergangene Erfahrungen und beeinflussen unser Verhalten und unsere Bewertung neuer Situationen. Welche Trigger besonders häufig sind und wodurch sie ausgelöst werden können, liest du hier. 

Manchmal geschieht etwas in unserem Alltag oder wir machen etwas durch, das uns emotional unverhältnismäßig stark mitnimmt. Ein an sich lebensüblicher Stolperstein, der uns völlig aus der Bahn wirft. Eine eigentlich vertretbar stressige Phase, von der wir uns so überfordert fühlen, dass wir wie erstarrt sind und uns am liebsten verkriechen würden. Selbst wenn wir uns gut zureden und versuchen zu beruhigen, schaffen wir es nicht, unsere Souveränität zurückzufinden und so zu agieren, wie wir es uns wünschen würden. Wenn uns so etwas widerfährt, können emotionale Trigger die Ursache sein.

Emotionale Trigger rufen vergangene, oft traumatische Erfahrungen in uns wach, die wir in der Situation des Erlebens nicht verarbeiten, vielleicht nicht einmal bewusst wahrnehmen konnten. Sie reißen sozusagen seelische Wunden auf, die niemals behandelt wurden und mit denen wir nie gelernt haben, zu leben. In unserem Unbewussten, unserer Intuition, werden die meisten unserer Erfahrungen verwahrt und ruhen dort, bis unser Gehirn sie in einer neuen Situation als nützlich erachtet. Ähnelt eine neue Situation in irgendeiner Weise einer verwahrten Erfahrung, signalisiert uns unsere Intuition, dass sie etwas beizutragen hat, indem sie das Gefühl von damals wieder auslöst (neurologisch sicher nicht ganz korrekt, doch so in etwa können wir uns das vorstellen). Aufgrund eines wiedererkannten Musters fühlen wir uns also wie in der Vergangenheit, obwohl die Situation eine andere ist. Und vielleicht werden wir aufgrund unserer Gefühlslage sogar ähnlich reagieren oder ähnlich unfähig sein, zu reagieren.

Nun ist es nicht so, dass unsere emotionalen Trigger uns unser Leben verbauen und ständig im Weg stehen. Dieses Musterwiedererkennungsverfahren unseres Gehirns mit Emotionen als Gedächtnisstütze ist prinzipiell sehr genial und navigiert uns in den meisten Fällen erfolgreich durchs Leben. Dennoch kann es hilfreich sein, die eigenen emotionalen Trigger zu kennen und sich damit auseinanderzusetzen, da es uns ermöglicht, uns selbst besser zu verstehen, unsere Gefühle einzuordnen und aufgeschlossener (oder geübter und vorbereiteter) auf neue Situationen zu reagieren, die uns triggern.

Folgende emotionale Trigger sind einerseits typisch für Menschen unserer Generationen und können andererseits als Beispiele dienen, die dir dabei helfen, deinen eigenen Triggern auf die Spur zu kommen. 

4 emotionale Trigger, die heimlich dein Leben beeinflussen können

1. Du fühlst dich falsch oder einsam, wenn das Umfeld anders reagiert als gewünscht.

Einige Menschen fühlen sich in ihrer Schulzeit ausgegrenzt und/ oder unverstanden, da unser Schulsystem nicht darauf ausgelegt ist, die individuellen Interessen und Fähigkeiten von Kindern zu fördern. Wer besonders gut in Mathe ist, bekommt meist von den Mitschüler:innen das Gefühl vermittelt, anders und irgendwie falsch zu sein, wer besonders schlecht ist, von den Lehrenden. Diese Gefühle von Einsamkeit und nicht verstanden werden, können im Erwachsenenleben wieder aufkommen, wenn zum Beispiel Leute einen Scherz ignorieren, den wir machen, auf unseren Standpunkt nicht eingehen, eine andere Meinung haben oder in sonstiger Weise anders reagieren, als wir es uns wünschen würden. Das Muster dahinter ist nämlich ein ähnliches wie das in der Schulsituation: Für unser Empfinden machen wir alles richtig, indem wir sind, wie wir sind, und tun, was wir können, doch von unserem Umfeld bekommen wir keine Bestätigung, sondern eher das Feedback, etwas falsch zu machen.

2. Du fühlst dich bevormundet, wenn jemand helfen möchte.

Wer einmal eine Lebensphase durchgemacht hat, in der er:sie von einer anderen Person kontrolliert wurde und sich fremdbestimmt gefühlt hat, wird möglicherweise auf Ratschläge oder Hilfsangebote empfindlich reagieren. Die Intention des Menschen in der neuen Situation kann noch so gut sein: Was wir als Getriggerte unter Umständen wahrnehmen, ist, dass jemand Einfluss auf unser Leben nehmen möchte, und das erscheint uns angesichts unserer Erfahrung als alarmierend. Tatsächlich kann dieser emotionale Trigger einerseits durch eine sehr strenge Erziehung entstehen oder durch eine sehr verwöhnende, bei der die Eltern ihrem Kind alles abnehmen. Und natürlich durch andere Konstellationen, in denen die freie Entscheidungskraft eines Menschen durch einen anderen beschnitten wird.

3. Du fühlst dich panisch oder verzweifelt, wenn du von anderen Menschen abhängig bist.

Im Alltag kommt es häufig vor, dass wir von anderen abhängig sind. Ob wir auf eine E-Mail warten, auf eine Zahlung oder eine politische Entscheidung – nicht alle Dinge, die unser Leben betreffen, liegen ganz allein in unserer Hand. Für Menschen, die einmal für einen gewissen Zeitraum sehr stark von anderen abhängig waren, sodass ihr Lebensglück davon signifikant beeinträchtigt war, können solche Abhängigkeiten eine Qual sein. Während der Wartezeit auf eine Auskunft können bei ihnen Panik und Gedankenspiralen ausgelöst werden, ihre Fähigkeit, sich auf andere Dinge zu konzentrieren oder sich abzulenken, kann von Verzweiflung lahmgelegt werden. Und bei manchen können diese Gefühle auch dann getriggert werden, wenn sie meinen, die Kontrolle über eine Situation zu verlieren. Wenn sie sich zwar nicht als abhängig von anderen Menschen, aber vom Schicksal empfinden.

4. Du fühlst dich ängstlich und verunsichert, wenn jemand nicht für dich da ist.

Natürlich erwarten wir von Personen, die uns nahestehen, dass sie für uns da sind, wenn wir sie brauchen – so wie wir es für sie sind. Doch manchmal kann dieses Dasein erst zeitversetzt oder nicht in dem Maße erfolgen, in dem wir es uns wünschen. Andere haben schließlich auch ihre eigenen Leben und Probleme, deshalb können sich nicht immer gleich alle um uns kümmern, selbst wenn sie es wollten. Ohne Vorerfahrungen (oder -belastungen) könnten wir das akzeptieren und wüssten, dass es nicht böse gemeint ist. Sind wir hingegen beispielsweise mit sehr unzuverlässigen Eltern aufgewachsen oder haben einmal eine Partnerschaft erlebt, in der unser:e Partner:in emotional nicht verfügbar war, mag es große Ängste in uns schüren, wenn jemand nicht für uns da sein kann. Und generelle Zweifel an unserer Beziehung zu dieser Person auslösen, selbst wenn sie eigentlich ausgeglichen und gesund ist. 

Verwendete Quellen: therapywithabby.co.uk, rnd.de, gedankenwelt.de

sus Brigitte

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