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Krise? 7 Sätze, die nicht helfen und was du stattdessen sagen kannst

Frau liegt verzweifelt auf Bett
© Carolina Conte / EyeEm / Getty Images
Geht es Freund:innen, Kolleg:innen oder Familienmitgliedern schlecht, sind wir oft überfordert und wissen nicht, wie wir helfen können. Schnell rutscht uns dann einer dieser Sätze heraus. Nur leider helfen die nicht. Was wirklich hilft, hat unsere Autorin gesammelt.

Einen dieser Sätze hat jede*r von uns schon zu hören bekommen, sicher nicht nur einmal und vielleicht selbst auch schon erwidert – ich leider auch. Ja, es war nett gemeint, ich wusste es nicht besser und ich war hilflos. Dabei ist Trösten ein Skill, der eigentlich gar nicht soviel braucht, außer der ehrlichen Bereitschaft, anderen Gutes zu tun. Kopf hoch und Co haben dabei aber noch keinem geholfen, der gerade verzweifelt ist und sich ohnehin schon fürchterlich fühlt. Gleichzeitig werten sie uns ab und vermitteln die Botschaft, dass wir nicht das Recht haben, uns so zu fühlen. Schließlich ist es doch gar nicht so schlimm, wir übertreiben und sollten einfach weniger rumheulen. Aber: Gefühle sind subjektiv, wir Individuen. Niemandem steht es zu, darüber zu urteilen. Denn Fakt ist, wir fühlen es doch genau so, jetzt gerade. Fakt ist sicher auch, dass jede*r lieber aussteigen würde, als noch eine Runde im Gedankenkarussell zu drehen. 

Folgende Sätze bitte streichen und durch Alternativen ersetzen

Don't: Kopf hoch!

Do: Es ist okay, dass es dir schlecht geht. Ich bin für dich da.

Don't: Warum bist du denn traurig, du hast doch alles?

Do: Du darfst dich so fühlen. Hilft es dir die Dinge aufzuschreiben, für die du gerade dankbar bist?

Don't: Andere haben es viel schlimmer als du.

Do:  Du bist mit deinen Gefühlen nicht alleine. Wenn du darüber reden möchtest, bin ich für dich da.

Don't: Denk nicht so viel darüber nach!

Do: Du bist so stark und hast so viel geschafft, du schaffst das auch hier durch. Wenn du mich brauchst, bin ich für dich da.

Don't: Komm, wir trinken einen und dann gehts dir besser.

Do: Alkohol kann es noch schlimmer machen. Lass uns was tun, das dir gut tut.

Don't: Denk doch mal positiv.

Do: Ich weiß, es fühlt sich gerade schlimm an, aber es wird nicht für immer so bleiben.

Don't: Hast du es schon mal mit Yoga versucht?

Do: Würde es dir helfen, wenn wir gemeinsam eine Notfall-Liste machen, von Dingen, die dir gut tun?

Don't: Entspann dich mal!

Do: Was kann ich für dich tun?

Warum sollten wir diese Sätze nicht mehr sagen?

Sie erzeugen Druck. Sie vermitteln: Mit dir stimmt was nicht. Dabei fühlen wir uns ohnehin schon mies, weil wir vieles natürlich selbst wissen – wir sind schließlich traurig und nicht dämlich. Hilfreicher ist es, unserem Gegenüber das Gefühl zu vermitteln, ihn/sie ernst zu nehmen, einfach da zu sein und ein offenes Ohr zu haben.

Bitte keine Ratschläge

Viel zu schnell sind wir dabei, Lösungsvorschläge und Ratschläge zu erteilen, obwohl wir nicht gefragt wurden. Nicht so gut, erzeugt nämlich auch Druck. Erstmal reicht vor allem aktives Zuhören. Auch in den Arm nehmen ist so eine Sache: Nicht jede*r mag es in solchen Situationen, in den Arm genommen zu werden. Denn manchmal ist es genau das, dass am Ende noch das letzte bisschen Fassung, was man sich bewahrt hat, zum Einsturz bringt. Natürlich kann man gemeinsam nach Lösungen suchen, aber bevor man mit seinen Ratschlägen hausieren geht, einfach fragen, was unser Gegenüber gerade braucht oder ob er/ sie unsere Meinung überhaupt hören möchte. Und selbst wenn dann kommt: „Ich weiß es nicht!“ wird er/ sie schon irgendwann sagen, was am meisten hilft.

Barbara

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