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Pratfall-Effekt Diese Eigenschaft macht dich sympathisch

Psychologie: Eine sympathische Frau
© stockfour / Shutterstock
Sympathisch zu wirken, hat einige Vorteile. Doch was macht einen Menschen eigentlich sympathisch? Laut dem Pratfall-Effekt kann uns ausgerechnet eine Eigenschaft Sympathiepunkte einbringen, die wir oft vor anderen zu verbergen versuchen.

Auf der einen Seite mögen wir uns manchmal wünschen, es würde uns nicht kümmern, wie wir auf andere Menschen wirken. Wie schön wäre es, könnten wir einfach unbeirrt unser Ding machen, ganz egal, was unsere Mitmenschen von uns halten. Tja, wie schön wäre das wohl? Vermutlich werden wir es nie erfahren. Denn auf der anderen Seite wollen wir gemocht werden. Da wir soziale Wesen sind, gehört der Wunsch, gemocht und akzeptiert zu werden, geradezu zu unseren ureigensten Grundbedürfnissen. Für unsere Vorfahren hatten Ablehnung und der Ausschluss aus der Gruppe oder Gemeinschaft in der Regel einen schnellen Tod zur Folge. Gemocht zu werden, war für sie überlebenswichtig.

Derart drastisch ist es in unserer modernen Welt nun nicht mehr. Wenn wir zur Außenseiter:in werden, werden wir zumindest nicht so leicht erfrieren, verhungern oder von Säbelzahntigern gefressen wie es uns in grüner, artenreicher Vorzeit widerfahren wäre. Doch die Angst vor Ablehnung schlummert nach wie vor tief und fest in unserer Natur. Und völlig unberechtigt ist diese Angst tatsächlich gar nicht. Schließlich kommen sympathische Menschen in der Regel leichter durchs Leben als unsympathische. Wenn uns eine Person sympathisch ist, werden wir ihr eher verzeihen, ihr lieber helfen, lieber mit ihr zusammenarbeiten und viel wahrscheinlicher eine Verbindung zu ihr aufbauen. Stellt sich also die Frage: Was macht eine Person sympathisch? Und was macht uns sympathisch?

Pratfall-Effekt: Wie du mit Kaffeeflecken Sympathiepunkte sammeln kannst

Die Wahrheit ist: Mit einem Wort lässt sich das sicher nicht beantworten. Ein Stück weit hängt es von der jeweiligen Situation ab, was sympathisch ist und was nicht. So wird Humor beispielsweise oftmals dazu führen, dass uns andere Menschen mögen. Doch wenn wir auf einer Beerdigung Witze reißen oder in einer anderen unangebrachten Situation, wird er uns sehr wahrscheinlich unbeliebt machen. Des Weiteren finden nicht alle Menschen das Gleiche sympathisch. Manche mögen Zurückhaltung, anderen sagt forsches Auftreten zu. Die einen viben mit flippigen Quasselstrippen, während andere keinen Charaktertyp nerviger finden. Allerdings gibt es eine Eigenschaft, die offenbar bei den meisten Menschen Sympathie weckt – und ihr Fehlen Antipathie: Makel. 

Zu dieser Erkenntnis gelangte unter anderem der Sozialpsychologe Elliot Aronson bei einem Versuch, den er bereits in den 60er Jahren durchführte. Im Rahmen des Experiments bekamen Versuchspersonen Tonbänder vorgespielt, auf denen Menschen Quizfragen beantworteten. Einige dieser Menschen auf den Tonbändern (in Wahrheit waren es Schauspieler:innen, aber das spielt keine Rolle) konnten viele Fragen korrekt beantworten, andere wenige. Und: Einige dieser Menschen hatten sich versehentlich Kaffee aufs Hemd geschüttet (beziehungsweise sagten, sie hätten es getan), andere nicht. Hinterher durften die Versuchspersonen angeben, welche Quiz-Teilnehmenden sie sympathisch fanden und welche nicht und siehe da: Menschen, die sehr viele Quizfragen richtig beantworteten und sich mit Kaffee bekleckert hatten, erzielten deutlich bessere Sympathiewerte als jene, die viel wussten, sich aber nicht bekleckert hatten. Ihr Missgeschick machte sie den Versuchspersonen offenbar sympathisch, sodass sich das Ergebnis dieses Experiments unter dem Begriff Pratfall-Effekt (Reinfall-Effekt) einen Namen machte.

Was die Zusammenhänge dann aber doch wieder etwas verkompliziert: Quiz-Teilnehmende, die nur wenige richtige Antworten geben konnten (unter 30 Prozent), gewannen durch einen Kaffeefleck keine zusätzlichen Sympathiepunkte, sondern verloren dadurch sogar. Was also sagt uns der Pratfall-Effekt nun wirklich?

Zwischen Makellosigkeit und völliger Inkompetenz

Das Entscheidende, das wir nach Ansicht von Psycholog:innen aus dem Pratfall-Effekt ersehen können, ist: Makellosigkeit weckt offensichtlich Antipathie. Wer alles weiß und keinerlei Fehler oder Angriffsfläche zeigt, wirkt unsympathisch – oder zumindest unsympathischer als ein Mensch, der alles weiß und einen Fleck auf dem Shirt hat. Perfekte Menschen machen uns misstrauisch und haben etwas Befremdliches an sich, Fehler fördern Vertrauen und bieten Identifikationspotenzial. Was allerdings ebenso zur Wahrheit gehört: Eine allzu hohe Inkompetenz ist offenbar auch kein großer Sympathietreiber. Wer ohnehin schon durch Unfähigkeit auffällt, kann andere Menschen anscheinend nicht von sich überzeugen, indem er:sie noch ein paar Schwächen oben drauf legt. 

Da nun viele Menschen eher dazu neigen, zu versuchen, ihre Schwächen und Fehler zu verbergen, ist die erste Erkenntnis aus dem Pratfall-Effekt, für viele die wichtigere und spannendere: Um gemocht zu werden, müssen wir nicht perfekt sein. Wir müssen nicht immer alles richtig machen und auch nicht alles wissen, können oder ertragen. Insofern braucht es uns im Grunde vielleicht doch nicht so sehr zu kümmern, was andere von uns denken: Denn wenn wir unbeirrt wir selbst sind, ohne zu fürchten, dass dabei unsere Makel und Unzulänglichkeiten zum Vorschein kommen, werden uns genug Menschen ganz von allein sympathisch finden. Und das sind dann wahrscheinlich auch genau die, auf die es wirklich ankommt. 

Verwendete Quellen: psychologytoday.com, waldhirsch.de

sus Brigitte

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