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Moderne Männlichkeit Männer fühlen sich nicht "würdig", um eine Beziehung einzugehen

Der Mann von heute möchte fühlen – aber im steht Einiges im Weg
Der Mann von heute möchte fühlen – aber im steht Einiges im Weg.
© marjan4782 / Adobe Stock
Der Mann von heute ist … ja, was eigentlich? Zum Beispiel auf der Suche nach den eigenen Emotionen, wie eine Studie herausgefunden hat.

"Wann ist der Mann ein Mann?" – diese Frage hat Sänger Herbert Grönemeyer schon 1984 in sein Mikrofon gesungen. Und damals wussten die Menschen vielleicht genauso wenig wie heute eine Antwort auf die Frage. Der Unterschied zu 2022 ist aber immerhin, dass die Leute von heute einmal kurz innehalten und überlegen: Ja, wann ist der Mann denn ein Mann?

Über so eine Frage könnte man ganze Bücher schreiben – ist auch schon oft passiert – und am Ende ist die Antwort den wenigsten wohl glasklar. Was macht ihn aus? Äußerlichkeiten wie eine behaarte Brust, ein eckiges Kinn und dezenter Schweißgeruch? Oder doch innere Wert wie Selbstsicherheit, Durchsetzungsvermögen, emotionale Kälte?

Das sind am Ende aller Tage eine ganze Ansammlung an Klischees, die durch Erkenntnisse über Genderrollen und die Vielfalt der Geschlechter im Mindesten zur Diskussion in der Gesellschaft stehen. Die Dating-App Bumble hat sich anlässlich des internationalen Männertags (19. November) mal angeschaut, wie die Typen unserer Zeit über Geschlechterrollen, Männlichkeit und Erwartungen im Dating-Kontext nachdenken.

"Außen hart und innen ganz weich"

Eine der Kernerkenntnisse der Studie: Männer streben auf der einen Seite nach Verletzlichkeit – doch ist das Thema für sie im Alltag eher ein Balanceakt als ein "Must-have" in einer gesunden Beziehung. Die Hälfte der Befragten (54 Prozent) findet es überwältigend, das Gleichgewicht zu halten: Auf der einen Seite will und soll man offen und verletzlich– kurzum eben ein menschliches Wesen – sein, auf der anderen Seite steht der Druck, bitteschön auch erfolgreich und stark zu sein. 

Apropos Erfolg und Stärke: Die Hälfte der befragten Männer empfindet hohen Druck, ein bestimmtes Maß an beruflichen Erfolg erreichen zu müssen, bevor sie überhaupt erst das Gefühl hat, eine Beziehung eingehen oder gar eine Familie gründen zu "dürfen". Im Klartext: Viele Männer fühlen sich nicht "würdig" oder "genug", um eine Beziehung einzugehen. Autsch.

"Oh, Männer sind einsame Streiter"

Wer das noch nicht deprimierend genug fand – wir haben noch ein paar Zahlen parat: Obwohl Männer theoretisch keinen Zeitdruck beim Dating und Thema Kinder haben (anders als Menschen mit Uterus), macht die tickende Uhr im Hinterkopf auch sie nervös. Fast jeder zweite Mann (47 Prozent) gibt an, dass er nicht als "alleinstehender Bachelor" dastehen möchte, wenn alle anderen um ihn herum Kinder bekommen. Barney aus "How I Met Your Mother" scheint also für viele doch mehr eine wortwörtliche Witzfigur, denn ein Vorbild zu sein.

Männer haben weder Vorbilder noch ein gutes Verhältnis zu ihrem Körper

Und wo wir schon bei Barney sind: Vorbilder haben Männer auch nicht wirklich. Jeder dritte Mann (34 Prozent) gibt an, keine Vorbilder im Umfeld zu haben, die ihm zeigen, wie so eine gesunde Partner:innenschaft – die er ja herbeisehnt, aber ja eigentlich doch zu schlecht für ist – überhaupt aussehen soll. 12 Prozent würden sich ein Beispiel an ihren eigenen Eltern nehmen können, was ein ganz anderes deprimierendes Thema ist.

Und um das ganze Trauerbild komplett zu machen: Ihren Körper hassen die Männer auch noch! Zumindest jeder vierte Mann (23 Prozent) würde seine Körperform als "nicht männlich" beschreiben und weitere 23 Prozent haben sogar schon mal ein Date abgesagt, weil sie sich mit ihrem Aussehen nicht wohlgefühlt haben.

"Männer sind auch Menschen"

Was lernen wir daraus? Nun, zum einen, dass der Song von Herbert Grönemeyer auch Jahrzehnte später erschreckend aktuell ist. Müssen wir die Männer nun bemitleiden? Nicht unbedingt. Hilft auch niemandem. Aber zumindest zeigen die Ergebnisse der Studie, dass – oh, Wunder – auch Männer einfach Menschen sind. Sie haben Ängste, sie haben Sorgen, sie haben Komplexe. 

Manchen fällt es einfach schwer, darüber zu reden – mit ihren Partner:innen genauso wie mit ihren Freund:innen. Vielleicht hilft es ja, den ersten Schritt zu tun.

Verwendete Quelle: Bumble

cs Barbara

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