Schlechte Laune am Partner auslassen? Das ist die Alternative

Mit schlechter Laune kennt unsere Autorin sich aus: Nach vielen unnötigen Streitereien hat sie gelernt, ihre Launen nur noch selten an ihrem Mann auszulassen. Die Strategie? Ziemlich strange, aber auch wirkungsvoll!


von Marie Stadler

„Ich werde ja wohl in meinem eigenen Haus mal schlechte Laune haben dürfen!“, keife ich und schleudere meinem Mann mal wieder all die Vorwürfe entgegen, die sich in den letzten Wochen aufgestaut haben. Diverse Ungerechtigkeiten inklusive, denn ich hab ja nun mal miese Laune. Wird ja wohl ab und zu erlaubt sein. Wenig später gerate ich ins Grübeln. Nein, keine Glanzleistung meiner Selbstreflexion, sondern einfach nur die Resultat der direkten Konfrontation mit einem Menschen, der das Rausposaunen schlechter Laune nicht für ein Grundrecht, sondern einen üblen Charakterzug hält. Zum Glück war es nicht mein eigener Mann, der mich mit dieser Weisheit beeindruckte. Weise Worte sind vom eigenen Partner ja unglaublich schwer zu ertragen und werden mitunter mit Unverschämtheiten verwechselt. Nun ja.

Kein Recht auf schlechte Laune im eigenen Haus

Ich saß also kurz nach einer meiner vielen kleinen Launen mit einem guten Freund in einem Park. Wir unterhielten uns über die Liebe, das Leben, Gott und die Welt und da sagte er es einfach: „Niemand hat das Recht, einen anderen mit seiner schlechten Laune zu belästigen.“ Mir lief ein heißkalter Schauer über den Rücken, obwohl er mich gar nicht gemeint hatte. „Aber in einer Beziehung...“ begann ich, ihm zu widersprechen. „Bitte was? In einer Beziehung erst recht nicht!“, unterbrach er mich forsch und ich schwieg lieber, während ich darüber nachdachte, wie oft ich mir dieses „Recht“ schon herausgenommen hatte und vor allem: Warum?

Es geht auch anders

Dieser Freund erzählte mir jedenfalls, dass seine Frau ziemlich launisch sei und dass sie oft total genervt von der Arbeit käme. „Und dann hab ich sofort auch schlechte Laune, weil sie mich wegen irgendwelchem Mist anranzt!“ Wieder musste ich schlucken. Das kam mir verdammt bekannt vor. „Hast du denn nie schlechte Laune?“, fragte ich ihn vorsichtig und dachte darüber nach, ob ich ihn jemals miesepetrig erlebt hatte. Hatte ich nicht. „Klar hab ich schlechte Laune“, sagte er. „Aber dann atme ich tief durch, gebe mir zwei Minuten Mühe und erkläre mich zur Gefahrenzone, damit sie direkt weiß, dass meine Laune nichts mit ihr zu tun hat.“ Das klang irgendwie fair. „Warum sollte man im eigenen Haus nicht vor allem das Recht auf eine gesunde Atmosphäre haben?“, fragte er mich und ich nahm mir vor, dieses Recht auch in unserem Haus einzuführen. Einfach würde das nicht werden. Vor allem für mich Furie.

Ein Flug mit Turbulenzen

Schon wenige Tage später war es soweit. Ich hatte einen anstrengenden Tag gehabt, kam nach Hause und hatte das dringende Bedürfnis, meinen Mann zeternd auf die Existenz unseres Schuhschranks hinzuweisen. Schnaubend kickte ich seine Schuhe aus dem Weg und holte schon Luft, als es mir wieder einfiel. Da ich gerade ja eh schon ordentlich Luft in den Lungen hatte, machte ich einfach eine Durchsage. In meine gerollte Hand nuschelte ich im Stewardessen-Slang: „Meine Damen und Herren, ich möchte Sie darauf hinweisen, dass auf ihrem Flug wegen extrem mieser Laune Ihrer Ehefrau unerwartete Turbulenzen auftreten könnten. Bitte verstauen Sie Ihr Handgepäck und Ihr Schuhwerk sicher in den dazu vorgesehenen Fächern und versorgen Sie Ihre Angehörigen mit einer festen Umarmung, weil diese Maßnahmen die aktuelle Gefahr von Verletzungen vermindern könnte.“ Mein Mann kam lachend aus dem Wohnzimmer, packte seine Schuhe in den Schrank und zog mich in seinen Arm. „Würde Ihnen das Deluxe-Bordmenü helfen?“, fragte er. Ich nickte und er machte mir Nudeln. Und schon war alles gar nicht mehr so schlimm.

Humor hilft eigentlich immer

Das Flugzeug mit Turbulenzen fliegt nun regelmäßig durch unser Wohnzimmer. Nicht immer wird alles sofort verstaut und nicht immer gibt es das Bord-Menü. Was es seitdem aber immer gibt, ist Verständnis. Manchmal merke ich allerdings selbst nicht, dass ich gestresst und zickig bin. Letztens zum Beispiel musste der Kapitän eine kleine Durchsage machen: „Bitte beachten Sie, dass in der Kabine ein akuter Stimmungsabfall zu erkennen ist. Bitte ziehen Sie die Sauerstoffmasken an sich heran und atmen Sie ruhig weiter. Ruhig im Sinne von schweigend, das wäre für alle Beteiligten gesünder, besonders für Sie, schöne Frau auf Sitz 7A. Denn wenn Sie weiter hier so rumpöbeln, fliegen Sie von Bord und brauchen die verdammte Schwimmweste. Und die nutzt gar nix, denn da unten gibt es Haie! Viele Haie.“ Ich zickte im Spaß weiter und er versuchte, mich aus der Haustür zu werfen. Wir lachten und kämpften und hatten am Ende die beste Laune unseres Lebens.

Immer Friede, Freude, Eierkuchen?

Wer nun denkt, ich propagiere hier die Friede-Freude-Eierkuchen-Familie, der hat sich allerdings geschnitten. Ich pöbel noch immer rum. Und auch mein Mann kann ein richtiges Scheusal sein. Wenn wir Grund dazu haben, geht es bei uns noch immer gut zur Sache und das möchte ich auch nicht missen. Aber es ist nicht klug, wenn einer ohne Grund seine schlechte Laune einfach auf den anderen überträgt. Rumliegende Schuhe sind echt keinen Ausraster wert. Ich jedenfalls habe gelernt: Bei schlechter Laune besser ein bisschen Abstand halten oder seinen Humor um Unterstützung bitten. Denn es gibt das Recht auf grundlose Pöbelei nun mal nicht. Das ist manchmal schade, aber eigentlich sehr gut so!

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Schlechte Laune am Partner auslassen? Das ist die Alternative

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