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Selbstbildverteidigungskurs: Bei Klopapier ist die Contenance im Arsch …

Frau in Stopp-Haltung
© Getty Images
Oft genug ärgern wie uns über Arschlöcher im Alltag. Dabei fällt uns häufig gar nicht auf, wie schnell auch wir selbst zum Arschloch werden, ohne das zu wollen. Aber dagegen können wir etwas tun!
von Anja Niekerken

Gestern stand ich doch tatsächlich vor einem halb vollen Klopapierregal und habe kurz überlegt, ein paar Packungen zu hamstern … Mir doch egal, ob Andere dann keines mehr bekommen. Sollen die doch genauso früh aufstehen wie ich. Ich hab mir das eben verdient …

Und da war es wieder: mein Arschloch-Ich …

Erstaunlich, denn vor ein paar Tagen hatte ich noch über verrückte Drogeriemarktkunden den Kopf geschüttelt, die dem Personal Schläge androhten, weil diese ihnen nur eine Packung Klopapier gönnen wollten. Da dachte ich noch „Wie asozial ist das denn?“ Und „Warum ausgerechnet Klopapier? Es gibt doch wirklich wichtigeres als einen sauberen Hosenboden …“ Naja, wie es halt so ist, hat es nicht lange gedauert, und meine asoziale Seite hat mein Strahle-Ich beiseite geschubst und mal eben klar gestellt, wer hier in meinen Gedanken das Sagen hat …

Jede von uns kennt diesen Kampf.

Vielleicht nicht in puncto Klopapier, aber sicher bei anderen Themen, die uns selbst wichtig sind. Wir haben eben dieses tolle Bild von uns im Kopf, wie wir gern sein wollen und wie wir uns am liebsten sehen, das sogenannte Selbstbild. Leider schaffen wir es nicht immer, auch so zu sein, wie wir gern wären bzw. Wie wir uns sehen. Das klingt im ersten Moment seltsam, ist aber ziemlich leicht erklärt. Beispielsweise sehe ich mich als umweltbewusst und halte diese Eigenschaft auch in Ehren. Mein Mann und ich sind sogar sehr stolz darauf, vor einiger Zeit für eine Holzpelletsheizung mit Solartherme das dreifache im Vergleich zu einer Gasheizung ausgegeben zu haben. Dafür haben wir auf andere Dinge, wie eine neue Küche, verzichtet. Das erzählen wir natürlich immer mit stolz geschwellter Brust, um zu beweisen, wie umweltbewusst wir sind. Auf der anderen Seite fahren wir auch kurze Strecken mit dem Auto und wir leben auch nicht vegan. Wir kaufen nicht ausschließlich Demeter Produkte und immer wieder verirren sich auch vollkommen überflüssige Plastikkonsumgüter auf unsere Amazoneinkaufsliste …

Leider nicht so perfekt wie gedacht

Einer der Gründe, warum Menschen wie Greta Thunberg, von vielen Menschen bekämpft werden ist, weil Menschen wie Greta ihnen zeigen, dass noch viel mehr geht und das wir nicht so perfekt sind, wie wir gern wären. Unser Selbstbild steht auf sehr wackeligen Beinen. Wir müssen sehr viele Dinge, die wir tun und lassen aktiv ausblenden, um unser Selbstbild aufrecht zu erhalten. Und in dem Moment, in dem uns jemand mit der Nase drauf stößt, dass wir ja nicht ganz so perfekt sind, rasten wir innerlich und, je nach Temperament, auch äußerlich aus. Wir gehen in den Selbstverteidigungsmodus und schützen unser Selbstbild, oft koste es, was es wolle. Auch dieser Modus fällt, je nach Temperament und Selbstreflexionsfähigkeiten, unterschiedlich aus.

Auch bei mir.

Nur weil ich darüber schreibe, heißt das noch lange nicht, dass dieser Modus bei mir nicht am Start ist. Manchmal bin ich mir dessen bewusst und manchmal eben auch nicht. Oft wird mir erst nach einiger Zeit klar, was da gerade in mir vor sich geht. Schön ist das nicht. Tatsächlich ist es ein recht unangenehmer Prozess. Denn mir wird in solchen Moment klar, dass ich doch nicht so ein toller Mensch bin, der ich gern wäre. Das ist – Pardon my French – echt Scheiße. Braucht kein Mensch … Aber wie sollen wir uns verändern oder gar verbessern, wenn wir uns unserer Fehler nicht bewusst werden. Blöde Situation …

Einfach mal ein bisschen nachsichtiger mit sich selbst sein

Mir hilft vor allem, nicht so super streng mit mir zu sein. Niemand ist unfehlbar. Warum sollte ausgerechnet ich es sein? Außerdem kann ich ja, wenn ich denn will, aus meinen Fehlern lernen. Also gehe ich die Momente unangenehmer Erkenntnis mit gespannter Neugier an. Frei nach dem Motto: Ach guck mal, da warst Du ja wieder weniger klug unterwegs … Warum war das wohl so?

Wie möchtest Du beim nächsten Mal sein?

Das hilft tatsächlich. Vor allem, wenn ich mir klar mache, wie ich beim nächsten reagieren möchte. Im Unterschied zur gern genommenen Selbstzermarterung, wo die Hauptfrage ist, was man anders hätte machen können, ist die Frage nach zukünftigen Verhalten viel effektiver. Die Vergangenheit kann ich eh nicht mehr ändern. Warum also weiter darüber nachgrübeln? Sinnvoller ist, sich zu überlegen, wie man es beim nächsten Mal besser machen könnte. Damit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Grübeleien fallen weg und die Möglichkeit beim nächsten Mal mit dem eigenen Selbstbild konform zu gehen, ist wesentlich höher.

Leider klappt auch das nicht immer.

Denn eines ist sicher: wir mutieren alle immer mal wieder zu Arschlöchern. Für mich ist die Kunst, sich immer wieder selbst auf die Schliche zu kommen, sich nicht zu ernst zu nehmen und gelegentlich lieber vor der eigenen Haustür zu kehren, als vor anderen.

Witzig, anschaulich und alltagsnah zeigt Anja Niekerken in „Die Kunst, kein Arschloch zu sein", wie wir es auch in stressigen Zeiten, nervigen Situationen oder einfach beschissenen Umständen schaffen, die zu bleiben, die wir sein wollen. Ein Muss für alle, die nicht ungewollt zum Arschloch werden wollen.alle, die nicht ungewollt zum Arschloch werden wollen. 

Cover Die Kunst kein Arschloch zu sein
© PR

 Anja Niekerken ist ein Gewächs des Nordens: sabbelt ohne Punkt und Komma über Dinge die sie fesseln und begeistern oder hält einfach mal die Klappe und hört fasziniert zu. Bodenständig und direkt bringt sie ihre Inhalte rüber, mit viel Humor und Beispielen direkt aus dem Leben. Egal ob in ihren Büchern, in ihrem Natural Leadership Podcast oder in ihren Seminaren und Vorträgen.

Portait Anja Niekerken
© Anja Niekerken

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