Sexlose Ehe: Kann das funktionieren?

Unsere Autorin meint, dass Beziehungen ohne Sex auf Dauer nicht nur unbefriedigend sind, sondern unglücklich machen. Ein Plädoyer für mehr Verkehr in der Liebe. 

von Viola Kaiser

Sex ist wichtig. Punkt. Ich weiß, das das jetzt ein bisschen oberflächlich wirkt, aber letztendlich ist es doch die Sache, die eine Form der Beziehung von einer anderen unterscheidet. Ist ein Typ, mit dem ich vor allem gerne zusammen bin und auch gut meine Kinder erziehen kann, nicht eher wie ein bester Freund? Liebe ich meine engsten Freundinnen nicht auch irgendwie?

Jede Beziehung kennt Flauten

Andererseits kennt jeder, der länger als fünf Jahre in einer Beziehung ist, diese Flauten. Zeiten, in denen beide gestresst und müde und genervt sind. In denen man sich lieber mit Chips und Schokolade befriedigt als beim Sex. Oder in denen einem höchstens nach Küssen und Kuscheln ist und weniger nach wilden Orgien à la Fifty Shades of Grey. Trotzdem: Es gibt diese Paare, bei denen seit Jahren gar nichts mehr läuft. Null, nada, niente. Und die sind meistens echt nicht mehr glücklich. Ich meine hier übrigens nicht "wenig Sex", den haben wir alle schon mal in einer Beziehung gehabt. Ich meine tatsächlich GAR KEINEN SEX mehr. 

Jaja, ich weiß, es gibt so viele Gründe, keinen Sex zu haben: Kinder, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, Stress, Krankheiten, Müdigkeit, Lustlosigkeit. Versteh ich alles. Allerdings gibt es genauso viele dafür: Denn Sex macht glücklich, selbstbewusst, er verbindet zwei Menschen, er senkt den Blutdruck, stärkt das Immunsystem. Außerdem lässt er zumindest Männer besser schlafen

Der, der mehr will, wird zwangsläufig unzufrieden

Natürlich kann man jetzt deswegen nicht gleich miteinander in die Kiste springen. Es nicht zu tun, ist aber auf Dauer wirklich keine Option. Ob ich glaube, dass eine sexlose Beziehung auf Dauer halten kann? Ja. Allerdings nur wenn beide asexuell sind. Ob ich glaube, dass jede Beziehung mal ohne Sex auskommt? Auch ja. Aber für immer? Für immer wird es schwierig. Vor allem, weil einer meist weniger will als der andere. Und der, der mehr will, der wird unzufrieden. Deswegen glaube ich, dass Beziehungen mit Sex (am besten sogar regelmäßiger, häufiger und im Idealfall noch liebevoller und befriedigender Sex – aber wir wollen mal realistisch bleiben!) die glücklicheren sind. Dass die eher halten. Und solche, in denen über die Jahre überhaupt nichts Erotisches mehr stattfindet, langfristig leichter kaputtgehen. Es sei denn, man findet vielleicht eine außereheliche Regelung. Mag sein, dass das hinhaut.

Die Lösung? Machen!

Ob ich eine Lösung dafür habe, wenn einer nicht mehr will? Wahrscheinlich muss man abwarten. Darüber reden. Gucken, ob es ein psychisches oder ein körperliches Problem ist. Selbst wenn er Erektionsprobleme hat, muss das ja nicht heißen, dass man sich gar nicht mehr anfassen darf. Man kann auch massieren küssen, streicheln, nah zusammenliegen, sich umarmen, neue Sexspielzeuge ausprobieren – was auch immer. Am besten zusammen und nackt. Das ist ja irgendwie auch Sex. Und irgendwann, wenn es einen dann doch überkommt wie der Hunger erst manchmal beim Essen, miteinander schlafen. Es einfach machen, um sich daran zu erinnern, dass das Ganze tatsächlich richtig Spaß bringt. 

Meistens wird das nämlich ganz schön. Und wenn es das nicht mehr ist, muss man irgendwas ändern. Notfalls mit der Hilfe von jemandem, der sich damit auskennt. Vielleicht ist es gar nicht der Sex, sondern was anderes. Das kann man nur zu zweit (oder mit einem Therapeuten zu dritt) rausfinden. Ich bin nur ganz sicher, dass gar kein Sex auch keine Lösung ist. Deswegen rate ich allen, die diesen Artikel lesen: Geht los und schlaft mit eurer oder eurem Liebsten. Jetzt. Sofort. Oder so schnell wie es eben geht. 



Wer hier schreibt:

Viola Kaiser
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