Simple Parenting: Das "Weniger-ist-mehr-Prinzip"

Eltern wünschen sich entspannte Kinder, umgekehrt ist es ähnlich. Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer. Der Geheimtipp: Simple Parenting oder auch das "Weniger-ist-mehr-Prinzip".

Weniger "Nein" sagen ist mehr

Das Kind hat die Frage noch gar nicht zu Ende gefragt, da liegt uns schon das "Nein" auf der Zunge - weil wir schnell nach Hause müssen, weil wir nicht wollen, dass es die neuen Schuhe einsaut oder weil wir der Meinung sind, jetzt gerade ist es doch viel zu kalt für Eis. Dabei ist das "Nein" oft gar nicht nötig.

Die 5 Minuten zum Balancieren auf der Mauer haben wir schließlich in den meisten Fällen wirklich noch, Kinderschuhe dürfen auch mal dreckig werden und mir schmeckt Eis eigentlich auch im Winter ziemlich gut. Lieber einmal kurz innehalten, tief durchatmen und kurz darüber nachdenken, ob es jetzt wirklich ein "Nein" sein muss.

Weniger Meckern ist effektiver

Gleiches gilt fürs Schimpfen. Auch das machen wir viel zu viel. Auch das ist oft unnötig, macht die Situation in den meisten Fällen nicht besser und abends fühlen wir uns mies, weil wir statt tief Luft zu holen und entspannt zu bleiben, mit dem Nachwuchs gemeckert haben. Gut, wir sind auch nur Menschen und manchmal platzt es eben aus uns heraus. Aber im Grunde kostet Meckern auch nur Energie bei gleichzeitig minimalem Langzeiteffekt. Denn auch das nutzt sich ab und geht irgendwann nur noch zu einem Ohr rein, zum anderen raus. Weniger zu schimpfen, ist dann, wenn es sein muss viel effektiver.

Simple Parenting - Weniger Spielzeug, mehr Abwechslung

Es türmt sich im Kinderzimmer und vermehrt sich jedes Jahr zum Geburtstag und an Weihnachten wie von Geisterhand: Spielzeug. Am Ende liegt es doch nur in der Ecke, weil die Kinder gar nicht mit allem spielen können, geschweige denn den Überblick behalten. Doch was hilft? Keep it simple! Regelmäßig aussortieren oder auch mal durchtauschen - dann wird das Spielzeug auch nicht so schnell langweilig. 

Entscheidungen treffen - Weniger Auswahl, mehr Mitbestimmung

Diese Situationen kennen alle Eltern: Ihr seid beim Bäcker, die Auslage quilt über vor Leckereien und davor staunt das vollkommen überforderte Kind. Was soll es sich nur jetzt aussuchen? Das Ende vom Lied: Frustration und Krokodilstränen, weil die Entscheidung so schwer fällt. Besser die Auswahl von vornherein einschränken: „Laugenbrezel oder Milchbrötchen?“. Ergebnis: Kind ist glücklich, weil es mitentscheiden durfte und du bist happy, weil du nicht die Sahnetorte vom Buggy kratzen musst.

Das gilt übrigens  auch für die morgendliche Klamotten-Auswahl: Nicht „Welches T-Shirt wollt Ihr anziehen?“, sondern „das T-Shirt mit dem Marienkäfer oder lieber das mit den Wendepailetten?“ Zu viele Entscheidungen überfordern schon uns Erwachsene, wie geht es dann erst unseren Kindern? Lasst sie mitentscheiden, aber eben nur in ihrem Rahmen. 

Weniger Regeln, dafür sinnvolle

Regeln sind wichtig. Allein im Straßenverkehr geht es gar nicht ohne, ähnlich sieht es mit dem Zähneputzen oder dem Umgang mit Lebensmitteln bei Tisch aus. Aber das bedeutet nicht, dass im Leben mit Kindern alles geregelt sein sollte. Es ist wie mit den vielen "Neins". Lieber weniger Regeln, die auch wirklich eingehalten werden, als zu viele, die nicht ernstgenommen werden.

Für eines gilt das "Weniger-ist-mehr-Prinzip" aber nicht: Kuscheln. Das darf es im Überfluss geben.

Wer hier schreibt:

Linda Berger
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