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Schönes Wetter heute! Warum wir Small-Talk alles andere als Blabla finden

Small-Talk: Comic Bild
© durantelallera / Shutterstock
"Small-Talk ist das Weißbrot der Unterhaltung: keine wirklichen Nährstoffe, nur leere Kalorien" las unsere Autorin vor Kurzem und fragte sich, seit wann das etwas Negatives ist? 
Von Hannah Fiebig

Ich habe das Gefühl, dass Small-Talk so langsam ein Image-Problem bekommt. Es sei zu oberflächlich und inhaltslos. Nicht intellektuell genug. Kurz: Reine Zeitverschwendung! Man möchte sich heutzutage lieber über weitaus wichtigere Dinge unterhalten. Dinge, die die Welt bewegen wie der Feminismus, der Naturschutz oder Donald Trump. Deep-Talk, eben. Etwas mit Gehalt und Mehrwert. Klingt anstrengend!

Klar, Small Talk kann auch mühsam sein...

...und er fällt vielen Menschen schwer. Aber seid ihr schon mal in einer Unterhaltung gefangen gewesen, in der der Sinn des Lebens und die Vergänglichkeit ausdiskutiert wurden? Nun ja. In keinem Moment sehnt man sich so sehr nach einem locker, flockigen, belanglosen Weißbrot-Talk wie in diesem. Wieso will keiner mehr über das Wetter sprechen und herausfinden, was unser gemeinsamer Lieblingssnack ist?  

Die Sehnsucht nach Weißbrot

Es gibt Themen, über die spricht man nun mal lieber mit Menschen, die man erst seit fünf Minuten kennt. Da kommt ein bisschen anspruchsloses Gerede gerade recht. Small-Talk dient als Türöffner, kann Vertrauen aufbauen und gibt uns die Möglichkeit, andere erst einmal kennenzulernen und uns selbst zu präsentieren. Sozusagen ist 0815-Talk das Katapult, das uns in ein gutes Gespräch befördert und uns genau so – wenn gewollt – nach nur wenigen Minuten wieder herauskatapultieren kann. Schließlich ist diese Gesprächsform ganz unverbindlich. Und außerdem: Wer käme auf die Idee, seinen Chef oder Chefin im Aufzug nach ihrer oder seiner Meinung zum Klimawandel zu befragen. In manchen Situationen kommen Gespräche über das Wetter eben genau richtig. 

Angst vor unangenehmer Stille?

Oft ist es gar nicht der Small-Talk an sich, der den Meisten Sorge bereitet. Es ist vielmehr die Angst vor einer unangenehmen Stille, wenn keiner mehr weiß, was er sagen soll. Über das Wetter wurde schon ausführlich geredet, was jetzt? Über das letzte Wochenende wurde auch schon berichtet. Hilfe, was nun?! Small-Talk bedeutet nicht, dass das Gespräch oberflächlich bleiben muss. Im Gegenteil! Natürlich kann man weiter gehen und mehr Tiefe in das Gespräch bringen. Fragen wie "Wen bewunderst du?" oder "In welchem Land würdest du gerne leben?" bieten eine ganz tolle Basis für spannende Gespräche und lassen dich dein Gegenüber besser kennenlernen. Gerade introvertierte Menschen, denen Small-Talk eher mehr Stress bereitet, können sich im Voraus Fragen überlegen, die sie dann locker aus dem Ärmel zaubern können. Und wenn dann doch mal die peinliche Stille entsteht, nehmt es mit Humor. 

Small-Talk ist quasi das Warmlaufen unter den Gesprächssportarten. Und sind wir erst mal eingespielt, können wir wirklich gerne über Feminismus reden und verbal die Welt retten. 


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