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Detox Stoffwechsel ankurbeln: Muss ich das wirklich?

Stoffwechsel ankurbeln: Frau dehnt sich auf Steg an Wasser
© GaudiLab / Shutterstock
Seit wann bloß schafft der menschliche Körper den für ihn typischen Stoffwechsel nicht mehr allein? Bitte alle in Deckung: Unsere Autorin spuckt Gift und Galle.
Karina Lübke

Alle Frühjahre wieder häufen sich die Warnungen, ich müsse dringend Toxine aus meinem Körper schwemmen. Etwa mit einer 130 Euro teuren Fünf-Tage-Trinkfläschchen-Saftfastenkur oder per magischen Pflastern aus Asien, die nachts aus meinen Fußsohlen "Schadstoffe" ziehen sollen. Dieser Quatsch zieht mir glatt die Schuhe aus! Doch statt einfach nur die kranke Idee zu detoxen, unsere Körper müssten permanent davon abgehalten werden, sich selbst zu vergiften, schrubben etliche Freundinnen sich von innen und außen so inbrünstig wie Männer in den 1960ern ihre Autos.

Ganzkörper-Detox?

Mittlerweile gibt es am und im Körper keine Stelle mehr, die unbelastet zu sein scheint. Es beginnt bei der Haarwäsche, wo man erst die Kopfhaut peelen, dann die Haare mit Tiefenreinigungsshampoo nachwaschen soll. Vor dem Zähneputzen wird auf nüchternen Magen beim Ölziehen die Mundhöhle entgiftet, dann die Zunge mit einem Schaber glatt gezogen. Frauen, durch ihre monatliche Bluterei sowieso prinzipiell verdächtig, müssen darüber hinaus nicht nur sauber, sondern rein sein: Beim "Yoni-Steaming" soll ein Dampfbad "die Vagina entspannen und reinigen" – nach meinem Wissen und Meinung von Gynäkologen kann die das schon selber. Sonst noch was? Vielleicht ein Klistier in Heimanwendung? Falls jemand auf anal steht: Praktisch!

Stoßweise Yoga-Atemübungen entgiften Körper und Geist immerhin gratis – im Gegensatz zur 1000-Euro-Infrarot-Sauna für den Heimgebrauch, wie auch Gwyneth Paltrow eine beschwitzt. Bei all diesen Bemühungen und den dazu nötigen Hilfsmitteln wird doch vor allem das Konto entschlackt.

All black everything

Gerade ist Aktivkohle als Allzweckputzmittel angesagt. Das schwarze Pulver ist überall – in Beautyprodukten und sogar in Burgern oder Vanilleeis. Ich kann nicht sagen, dass Essen optisch dadurch gewinnt, aber hartnäckig hält sich das Gerücht, so könne man gleichzeitig schlemmen und entschlacken. Jedoch: Zu viel Aktivkohle binde wichtige Nährstoffe und beeinflusse die Wirkung von Medikamenten, schreibt "Öko-Test". Außerdem wäre in vielen Pülverchen, die als reinigend verkauft werden, der letzte Dreck – da kriege ich doch einen Schmutzfimmel.

Mein Geheimtipp: Es könnte dem Körper schon helfen, nicht täglich fettes Essen, Zucker und Alkohol abarbeiten zu müssen. Da ich meistens versuche, mich "clean" zu ernähren, bin ich zuversichtlich, dass meine Leber, Nieren und mein Darm mit dem Abtransport von Abfallprodukten naturgemäß zurechtkommen. "In einem gesunden Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten", erklärt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung wiederholt. Zudem ist die auf meinen Leib maßgeschneiderte Mischung aus Bakterien und Mikroorganismen der Supertreibstoff, der krank machende Eindringlinge in Schach hält. Darauf einen Detox-Tee, obwohl der schmeckt wie Gift und Galle. Aber Bitterstoffe reinigen … ach, Sie wissen schon.

BARBARA 06/2021

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