Studie: IVF-Babys haben gesundheitlichen Nachteil

Für unzählige Paare ist künstliche Befruchtung der einzige Weg eine Familie zu gründen. Die Babys? Gesund und munter wie alle anderen, so hieß es bislang. Doch eine Studie wirft erste Zweifel auf. 

Manchmal wird das, was eigentlich das Natürlichste auf der Welt sein soll, zu kräftezehrender Sysiphusarbeit: Schwanger werden und bleiben. Ein Schicksal, das nicht nur Frauen Ende Dreißig berührt - auch immer mehr junge Frauen müssen sich Hormontherapien unterziehen, um schwanger zu werden. 

Rund fünf Prozent der Neugeborenen würde es ohne die Erfindung der In-Vitro-Fertilisation (IVF) heute nicht geben - Tendenz steigend. Allein in Deutschland leben rund eine Viertelmillion Kinder, die unter dem Mikroskop gezeugt wurden - weltweit sind es mehr als acht Millionen. Eine Erfindung, die unzähligen Paaren den einen lang gehegten Wunsch erfüllen konnte. 

IVF galt bislang sicher - ein Trugschluss?

Für die Frau ist IVF kein Zuckerschlecken - Hormonbehandlung, Gefühlschaos, Entnahme der Eizellen und dann: Hoffen und bangen. Für das Kind hingegen galt die künstliche Befruchtung als absolut sicher - zumindest bis vor Kurzem. Diese Sicherheit gerät durch eine Studie des American College of Cardiology ins Wanken. Denn die Autoren bezweifeln, dass IVF-Babys genauso gesund sind wie auf natürlichem Wege entstandene Kinder. Der Grund: Jugendliche, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden, leiden offenbar schon verfrüht an Gefäßproblemen.

Bluthochdruckdruck, Syndrome und Fehlbildungen bei Petrischalenkindern

Bereits 2012 hatten Schweizer Forscher des Inselspitals Bern anhand von Ultraschallmessungen an gesunden Jugendlichen festgestellt, dass die Gefäße von IVF-Kindern offenbar vorzeitig altern und Verdickungen an den Gefäßwänden aufwiesen. Die Folge: erhöhter Blutdruck. Und genau das ist ein Anlass zur Sorge, denn Bluthochdruck ist der Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle. Mit fortschreitendem Alter kann das also sogar lebensbedrohlich werden. Doch nicht nur das: Neben Bluthochdruck sind IVF-Babys auch häufiger von Herzfehlern oder Fehlbildungen der Gliedmaßen betroffen. 

Außerdem häufen sich Syndrome wie beispielsweise das Beckwith-Wiedemann-Syndrom, das durch genetische Prägung verursacht wird. Kinder, die damit geboren werden, haben hohe Mengen eines bestimmten Wachstumsfaktors im Blut. Sie entwickeln sich zu schnell, haben eine auffallend große Zunge, oft Herzprobleme und sind anfällig für bestimmte Krebsarten. Das Risiko, an diesem Syndrom zu erkranken, ist für Kinder nach künstlicher Befruchtung fünfmal höher als bei anderen.

Der Grund?

Forscher des American Society of Reproductive Medicine vermuten den heiklen Punkt zu Beginn der embryonalen Entwicklung. Statt die anfällige Phase der Zellteilung im Schutz des Eileiters zu vollziehen, manipuliert man bei IVF Embryonen im Labor. Künstliche Befruchtung erhöhe deshalb möglicherweise die Anfälligkeit gegenüber einzelnen Erkrankungen.

Mehrlingsschwangerschaft als Risikofaktor

Die Schweizer Studie ist leider nicht die einzige, die in den vergangenen Jahren gezeigt hat, dass künstliche Befruchtung doch nicht so sicher ist, wie immer angenommen. Einer der Gründe: Nach der In-vitro-Fertilisation werden oft mehrere Embryos in die Gebärmutter der Frau eingebracht - Zwillingsschwangerschaften sind keine Seltenheit. Und die sind schon grundsätzlich risikobehafteter als Einlingsschwangerschaften. Immer klarer wird auch, dass es bei Schwangerschaften, die durch künstliche Befruchtung entstehen, deutlich mehr Komplikationen gibt: Die Mütter haben häufiger Diabetes und Bluthochdruck während der Schwangerschaft und die Kinder kommen deutlich häufiger zu früh zur Welt.

Unter Verdacht: das Nährmedium...

Schuld daran ist möglicherweise das Nährmedium, in dem die befruchtete Eizelle einige Tage lang schwimmt und sich teilt. Früher waren das einfache Salzlösungen, heute sind viele weitere Bestandteile enthalten, sogar hormonell wirksame Substanzen. So ist es durchaus denkbar, dass es dort zu Veränderungen innerhalb der DNA kommen kann. Leider wissen oft nur die Hersteller selbst, was genau sich in ihrem Medium verbirgt. Für die Forschung bedeutet das im Umkehrschluss: Erschwerte Vergleichbarkeit der Produkte, wie die Association Reproduction schreibt.

... und das Alter der Eltern

Das steigende Alter der Männer und Frauen, die eine künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen, spielt offenbar eine entscheidende Rolle. Denn die Qualität der Spermien und Eizellen nimmt steigendem Alter deutlich ab . Was  hingegen steigt: Die Gefahr, das die Schwangerschaft nicht glatt verläuft, das Kind mit einer Behinderung zur Welt kommt oder im Laufe des Lebens verschiedene Probleme wie ADHS oder Krebs entwickelt.

Und was bedeutet das?

Die großen Errungenschaften der künstlichen Befruchtung haben Nebenwirkungen, deren Folgen auf lange Sicht noch nicht absehbar sind. Medizin und Wissenschaft können die Bedingungen der Natur nicht hundertprozentig nachbilden. Für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch eine große Entscheidung mit größerer Ungewissheit als gedacht. Aber Garantien gibt es bei keiner Schwangerschaft. Und Angst ist meist ein schlechter Berater.

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