Tage des Horrors: Meine Kinder haben die Grippe!

Es gibt wirklich nichts Schlimmeres als ein krankes Kind. Und zwar nicht nur wegen der Sorgen, die man sich macht...

von Viola Kaiser

Ich schreibe diesen Text während im Hintergrund meine Kinder "Peppa Wutz" gucken. Außerdem bin ich heute Nacht zehnmal aufgestanden: Ich bitte also schon Beginn dieser literarischen Abhandlung um Entschuldigung für logische Fehler oder verwirrte Erzählweise.

Während Urlaub für mich klischeehafter Weise die schönste Zeit im Jahr ist, gibt es auch das klare Gegenteil: Noch nie war der Satz "Winter is coming!" bedrohlicher, nicht mal bei "Game of Thrones".  November, Dezember, Januar, Februar werden bei mir oder auch die schlimmen Monate, in denen die Kinder krank sind, genannt. Ich befinde mich in genau diesem Moment in einer dieser Perioden. Meine beiden Töchter haben Grippe, die der schlimmen Art, mit hohem Fieber, schmerzenden Gliedern und Unmengen an Tränen. Jede Frau mit Kindern, weiß, wovon ich rede.

Schlechtes Gewissen und schlaflose Nächte

Für mich bedeutet das schlaflose Nächte, angespannte Nerven und ein permanent schlechtes Gewissen (das man als Mutter ja eh dauernd hat). Weil mir am dritten Tag und nach der vierten durchwachten Nacht die Geduld ausgeht und ich rumschnauze oder anfange zu heulen. Und weil ich mich entscheiden muss, ob ich eine abwesende Arbeitnehmerin oder eine Mutter sein möchte, die ihre Kinder krank anderen Leuten überlässt.

Warum ich immer nur von mir alleine rede? Weil mein Mann beruflich viel unterwegs ist und es meine Kinder leider immer genau dann so richtig übel erwischt, wenn er seine eine große Reise pro Jahr auf einen anderen Kontinent hat. Genau so ist es gerade. Allerdings weiß ich spätestens seit gestern, dass ich mein Schicksal mit vielen anderen Müttern in Deutschland teile. Denn als ich beim Kinderarzt anrief, wurde mir mitgeteilt, dass der Laden lieber niemandem mehr empfängt. Ich könne eine Krankschreibung per Post bekommen, von Besuchen sei bitte abzusehen. 

Der Kinderarzt hat dicht gemacht 

Es gibt übrigens diese Momente, in denen ich Hoffnung habe und das alles halb so wild finde. Nach drei Tagen in Quarantäne alleine Zuhause mit den Kindern gehe ich meist sehr früh ins Bett und denke, dass morgen der ganze Spuk vorbei ist. Gestern war so ein Abend. Bereits gegen 23 Uhr hatte ich die Hoffnung wieder aufgegeben. Beide Kinder hatten nach einer kurzen Hochphase am Nachmittag, die nach Blitzgesundung aussah, auf einmal wieder 40 Fieber, weinten, baten um Wasser, lagen halb auf mir. Das eine wirkte derartig apathisch, dass ich überlegte ins Krankenhaus zu fahren.  Ich tat so, als hätte ich alles im Griff, war aber auch den Tränen nahe.

Heute Morgen bin ich lethargisch. Aber das ist nichts Schlechtes. Ich habe mich in mein Schicksal ergeben. Dann gucken wir eben nur Fernsehen im Schlafanzug, essen Süßigkeiten und betrachten den Sturm draußen von innen. Draußen ist es eh viel zu kalt – und der Kinderarzt will uns ja sowieso nicht sehen.

Es ist alles nur eine Phase

Ich bin heute sogar viel zu müde für ein schlechtes Gewissen oder zu trübe Gedanken. Außerdem gibt es einen Lichtblick. Gleich kommt meine Freundin Hanna. Sie reist extra aus Süddeutschland an, um mir zu helfen. Wenn sie abreist, kommt mein Mann zurück. Das macht mich sehr glücklich. Ich bin also gar nicht mehr alleine mit meinem Leid, habe einen volljährigen Ansprechpartner und einen Grund zu duschen und mir eine richtige Hose anzuziehen.

Außerdem gibt es noch eine Sache, die mich aufrecht hält: ich habe tatsächlich nur leichtes Halskratzen und gar kein Fieber! Außerdem ist das hier – wie so vieles mit Kindern – nur eine Phase. Das weiß ich mittlerweile. Sie wird vorübergehen. Und deswegen höre ich jetzt auf zu jammern und zu schreiben und lese den kleinen Nervensägen, die mir wirklich leidtun, weil sie ja auch nichts dafür können, mal etwas vor. Das hier alles ist nervig und blöd und bringt mich dazu heimlich im Bad zu heulen und auf den Boden zu stampfen, während ich dabei unterdrückt "Ich hab die Schnauze voll schreie", aber ich weiß trotzdem: Es gibt viel Schlimmeres! Ich darf das nur nicht vergessen.  

Wer hier schreibt:

Viola Kaiser
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