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Tagträumer und stolz drauf - Warum wir besonders glücklich sind

Tagträumer und stolz drauf – Warum wir besonders glücklich sind
© Getty Images
Als Kind ein "Träumerle", in der Schule unkonzentriert, als Erwachsene chaotisch. Warum es trotzdem glücklich macht, Tagträumer zu sein.
von Christine Rickhoff

Nein, es ist nicht immer leicht, ein Tagträumer zu sein. Ich vergesse, wo ich den Schlüssel hingelegt habe, verschwitze ab und an echt wichtige Termine, was mir schon häufig eine Menge Ärger eingebrockt hat. Außerdem brauche ich viel Zeit für mich, grinse oft grundlos und wirklich dämlich in der Gegend rum oder drifte bei Meetings ab. Es ist auch nicht leicht, mit einem Tagträumer befreundet zu sein, mit ihm zu arbeiten oder – ganz harte Nummer – mit ihm zusammen zu sein. Denn oft ist nur eine leere Hülle präsent, der Rest des Träumers schwebt in den Wolken. Ja, mit einem Tagträumer wie mir umgehen zu müssen, das stelle ich mir wirklich nicht einfach vor.

Tagträume: Das Leben kann so viel mehr als Realität

Und trotzdem bin ich froh, mir diese Fähigkeit bewahrt zu haben. Ja, richtig gehört, bewahrt zu haben. Denn jeder von uns war früher mal ein kleiner Träumer.  Um genau zu sein, werden wir alle als Tagträumer geboren. Der eine ein bisschen mehr, der andere ein bisschen weniger. Bei Menschen wie mir bleibt aber auch im Erwachsenenalter ein spezielles Netzwerk im Gehirn besonders aktiv, das sonst vor allem Kinder nutzen: das Default Mode Network. Dieses Netzwerk ermöglicht ein reizunabhängiges Denken. Schon mal spielende Kinder beobachtet, die völlig in ihr Spiel versunken scheinen? Dasselbe Phänomen kann man bei erwachsenen Träumern beobachten. Nur, dass das Spiel im Kopf stattfindet. Genau wie Kinder können sich Tagträumende ganze Parallelwelten erschaffen, also in Gedanken doch nochmal Medizin studieren, auf Bali ein Yoga-Zentrum eröffnen oder an ganz verrückten Tagen auch mal von einem Adler das Fliegen lernen. Das ist wie geschenkte Lebenszeit. Denn Tagträumer unterscheiden selten zwischen Realität und Phantasie. Beides kann uns gleich glücklich machen. 

Tagträumer sind intelligenter

Übrigens sind Tagträumer gar nicht so lebensunfähig, wie ihnen gerne nachgesagt wird. Klar wirken sie zerstreut, abwesend und chaotisch. Doch wenn es drauf ankommt, sind sie richtig auf Zack. In Studien wurde nachgewiesen, dass Tagträumer besonders im Bereich der fluiden Intelligenz ganz vorne mit dabei sind. Fluide Intelligenz ist die Fähigkeit, Probleme zu lösen, abstrakt zu denken und zu lernen. Ja, richtig, zu lernen. Also liebe Eltern, entspannt euch, falls ihr ein besonders verträumtes Kind zuhause habt. in der Schule wird es rocken. Zumindest dann, wenn es drauf ankommt!

Ergo:Tagträumer sind gar nicht so schlimm wie ihr Ruf. Und wenn man nett zu ihnen ist, lassen sie einen auch gerne mal mitträumen. Glück kann man nämlich teilen – selbst wenn es nur erträumt ist. 


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