Tampongate: Wenn Frau sein doppelt kostet

Schon seit Jahren zahlen Frauen für Hygieneprodukte mehr als Männer, einfach nur wegen ihres Geschlechts. So weit, so beschissen. Aber leider hört es da nicht auf. Denn Tampons, die wir zweifellos eher gezwungenermaßen kaufen, kosten uns sogar gleich zweifach ungerecht viel Geld.

von Eva Manegold

Vor allem bei Rasierprodukten, Kleidung und Hygieneprodukten muss man als Frau tiefer in die Tasche greifen als Männer bei ähnlichen Produkten. Gut, könnte man jetzt sagen, das ist nicht fair, aber da müssen eben die Unternehmen etwas ändern. Aber auch der deutsche Staat trägt traurigerweise zu ungerechten Preisen bei, denn für ihn gehören Tampons und Binden zu den Luxusartikeln. 

Mal zum Vergleich...

19% - das ist der übliche Steuersatz, der für die meisten Produkte und Dienstleistungen anfällt. Daneben gibt es noch den ermäßigten Satz von 7%, zum Beispiel für Produkte des Grundbedarfs wie Milch, Butter, Kultur, Sport und Bücher. Ach ja und für Kaviar, Brennholz, Sammelmünzen, Schnittblumen und was man eben noch so zum Überleben benötigt heutzutage. Tampons scheinen die Herren im Finanzministerium (übrigens ein Ministerium mit einer überdurchschnittlich geringen Frauenquote, wer hätte es gedacht?) als nicht allzu essentiell einzuschätzen. Doch hat man als Frau leider eigentlich keine Wahl, ob man diese kauft oder nicht. So zahlt man gleich zweimal mehr als die Männer. 

So sähe das Leben ohne die Tamponsteuer aus

100, 500, 1000 Euro? Wie viel Geld genau müssen wir denn zusätzlich für unsere vermeintlichen Luxusartikel hinblättern? Wir haben uns mal hinter den Taschenrechner geklemmt und das Ganze ausgerechnet:

Mit ungefähr 12 Jahren beginnt bei den meisten die Periode, sie endet ungefähr im Alter von 50. Das macht also circa 38 Jahre lang monatliche Menstruationsfreuden.

38 Jahre à 12 Monate: das sind 456 Zyklen aufs ganze Leben verteilt.

Pro Zyklus braucht man um die 20 Tampons, im Jahr 240; insgesamt ungefähr 9120 Stück, je nach Stärke der Blutung. Dafür bezahlen wir hochgerechnet 692 Euro.

Von diesen 692 Euro sind 110 Euro reine Steuerabgaben. Das mag vielleicht den meisten nicht besonders viel erscheinen, doch vor allem für Geringverdiener, Studenten und Hartz IV Empfänger sind auch 110 Euro nicht unerheblich. Wie heißt es so schön: Haben oder nicht haben.

110 Euro extra - Hier ein paar Alternativvorschläge

Dabei könnte man dieses Geld doch ganz fabelhaft anderweitig investieren. In Dinge, an denen man ansonsten eher spart, wenn man knapp bei Kasse ist. Zum Beispiel in:

14 Gin Tonics oder 14 weitere Monate Netflix

37 Cappuccino oder 6 mal abends essen gehen

2 Monate Strom oder 2 Nächte in einem netten Airbnb in Paris

Also lieber Herr Scholz, überlegen Sie sich doch noch einmal ganz genau, ob Sie es nicht wie die Kanadier und Kenianer machen wollen und die Steuer auf Tampons und Binden abschaffen. Dann kommen wir der Gleichberechtigung von Mann und Frau in Deutschland zumindest ein kleines Stückchen näher.





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