Hilfe, der Flirt stirbt aus

Glücklich die Menschen, die vor der Ära des Internet geboren wurden, sie kennen ihn noch: den Flirt. Junge Menschen haben dagegen ein echtes Problem.

von Paula Becker

Wenn es ums Flirten geht, kann man es wirklich nicht oft genug betonen: Wie gut, wenn man über 40 ist und sich da ganz entspannt zurücklehnen kann. 

Die Flirtsozilisation meiner potenziellen Partner wurde noch in einer Zeit abgeschlossen, als es keine Smartphones und Noise-Cancelling-Kopfhörer gab. Da kann es an so unglaublichen Plätzen wie der Supermarktschlange, der Bushaltestelle oder sogar im Wartezimmer des Arztes zu einem spontanen unschuldigen Flirt kommen.

Mir tun die jungen Menschen leid. Also die sehr jungen, die gerade auf dem Sprung in den Sommer und der ersten großen oder mittelgroßen Liebe sein sollten. Der Flirt ist tot, zumindest in dieser Generation. Für sie gilt: Kein kurzer, aber eindeutiger Blickkontakt an der Bushaltestelle mehr. Kein dummer Spruch an der Kasse des Freibads, der zu einem harmlosen, aber erheiternden Geplänkel führen kann.

Junge Menschen mit toten Augen

Fragt man heute einen 16-Jährigen, was man den neben Tinder so macht, um ein Mädchen oder einen Jungen kennenzulernen, kommt keine Antwort. Man blickt in traurige Augen. Wie spricht man jemanden an, der immerzu auf sein Smartphone blickt und mindestens normale Kopfhörer im Ohr hat? Wie soll man erst an jemanden rankommen, der seine Ohren mit diesen riesigen Kopfhörern bedeckt, die früher nur Menschen vorbehalten waren, die auf Flugzeugträgern gearbeitet haben? 

Hilfe, ohne Flirt sterben wir aus!

Die kann man doch nicht einfach antippen! Hätte man als Teenie doch auch nicht gebracht. Das wäre so, als wenn man früher jemand aus der Telefonzelle geholt hätte und gesagt hätte: „Na, wie geht’s so?“. Macht man mit 16 einfach nicht. Stattdessen stehen alle stumm nebeneinander und kommunizieren nicht oder nur durch das Internet.

Ich sage, wenn das Silicon Valley voller Nerds da nicht bald mal was erfindet, also eine Art Real-Life-Meeting-App dann sieht es finster aus. Vielleicht Kopfhörer, die den emotionalen Status des Trägers anzeigen? So eine Art Ampel der Emotionen?

Normalerweise gehöre ich ja nicht zu den Mahnern, aber wenn hier nicht bald was passiert, dann sterben wir aus wie die Bengaltiger. Dazu brauch es noch nicht mal die Erfindung der Sexroboter.

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Paula Becker
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Der Tod des Flirts
Hilfe, der Flirt stirbt aus! War die Liebe früher einfacher?

Glücklich die Menschen, die vor der Ära des Internet geboren wurden, sie kennen ihn noch: den Flirt. Junge Menschen haben dagegen ein echtes Problem.

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