Umweltbewusstsein: So änderst du deine Gewohnheiten

Unser Hirn hat sich über Jahre Gewohnheiten antrainiert – auch solche, die nicht umweltverträglich sind. Kein Klacks, diese wieder loszuwerden.

Herr Professor Hofmann, warum fällt es uns so schwer, schlechte Gewohnheiten abzulegen – obwohl wir es doch eigentlich besser wissen?

Die Falle, in die viele tappen, ist die Annahme, der einmalige Wille, etwas zu ändern, würde reichen. Das ist aber nicht so. Darüber hinaus ist es wichtig, zu verstehen, dass Sie einen kleinen Marathon vor sich haben. Das Positive: Beim Marathon-Sport wird es mit jedem Kilometer härter. Beim Ändern der Gewohnheiten dagegen ist der erste Kilometer der härteste. Danach wird es leichter.

Wie gehe ich diesen Marathon an?

Zwei Dinge: Sie müssen erkennen, warum Sie die Dinge bisher auf eine gewisse Art gemacht haben, was die Auslöser und die Belohnungsmechanismen sind. Sie müssen also die Zusammenhänge verstehen. Und dann brauchen Sie einen Schlachtplan, Strategien, um das zu ändern. Sie können nicht einfach auf einen Knopf drücken, das ist ein richtiger Umprogrammierungsprozess – der ist anstrengend, aufwendig, und Sie müssen dranbleiben.

Wie sieht so ein Schlachtplan aus?

Benennen Sie die Dinge genau. Nicht nur "Ich möchte nachhaltiger leben", sondern arbeiten Sie konkrete Situationen heraus. Schreiben Sie auf, wie Sie sich dann verhalten wollen, und sagen Sie sich das immer wieder vor. Das nennen wir "Implementierungs-Intentionen".

Haben Sie ein Beispiel?

Finden Sie Wenn-dann-Formulierungen wie "Wenn ich morgens zur Arbeit fahre, dann nehme ich das Fahrrad" oder "Wenn ich im Getränkemarkt bin, dann kaufe ich nur Glas- und keine Plastikflaschen".

Welche Strategien gibt es noch?

Es ist hilfreich, die erdachte, neue Gewohnheit mir einer Emotion, einem Wert zu versehen – Sie müssen dafür brennen. Denken Sie zum Beispiel daran, wie gut die neue Gewohnheit für Menschen oder Orte, die Ihnen lieb sind, wäre. Und zudem ist es gut, das soziale Umfeld miteinzubeziehen. Teilen Sie anderen Ihr Vorhaben mit, lassen Sie sich unterstützen.

So ein Marathon ist also lang. Was hilft beim Durchhalten?

Realistische Ziele, in kurzen Abständen Bilanz ziehen und Belohnung. Heißt: Belohnen Sie sich für die Dinge, die Sie schon erreicht haben, seien Sie stolz auf sich, feiern Sie, egal, wie klein der Schritt ist.

Prof. Dr. Wilhelm Hofmann ist Sozialpsychologe und forscht an der Ruhr-Universität Bochum gewöhnlich zu Gewohnheiten.


BARBARA Oktober 2019

Wer hier schreibt:

Barbara Schöneberger
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