Im Dschungel der Versicherungen: Die hier brauchst du wirklich

Altersvorsorge, Versicherungen und Geldanlage: Für unsere Autorin nicht gerade sexy Themen. Wichtig ist es trotzdem, sich für den Schadensfall abzusichern. Daher kommt hier: Versicherungen leicht gemacht!

von Linda Berger

Mit meiner Altersvorsorge bin ich mittlerweile auf einem guten Weg. Das hat mich zwar viele Nerven gekostet, aber auch unglaublich stolz gemacht, mich dort selbst durchzuwursteln, statt das immer in anderer Leute Hände zu legen. Jetzt kommt allerdings der nächste Brocken und den finde ich fast noch schlimmer als Altersvorsorge: Versicherungen. Vor allem liegt das an der Unübersichtlichkeit der Branche. Egal, was ich tue, ich habe immer das Gefühl über den Tische gezogen zu werden. Denn davon, was da steht, verstehe ich nur einen Bruchteil. Nur gut, dass es kluge, vertrauenswürdige Frauen gibt, die sich mit diesem Thema schon seit Jahren befassen und andere Frauen beraten: Helma Sick und Renate Fritz zum Beispiel. In ihrem Buch "Reich in Rente" dröseln die beiden verständlich und logisch auf, worauf es bei der Altersvorsorge und Vermögensbildung wirklich ankommt und welche Versicherungen Sinn oder Unsinn sind. 

Warum Versicherungen sinnvoll sind

Altersvorsorge ist essentiell wichtig, das habe ich verstanden. Doch gleichzeitig soll ich mich für den schlimmsten Fall absichern. Schließlich ist die beste finanzielle Absicherung nichts wert, wenn ein Unfall, der Tod des Partners oder eine Krankheit meine wirtschaftliche Lage bedrohen. Möglicherweise füge ich auch jemand anderem versehentlich großen Schaden zu. Für all diese Eventualitäten will ich mich absichern, um nicht in finanzielle und existentielle Not zu geraten.

Helma Sick und Renate Fritz erklären, mit welchen Versicherungen ich die wichtigsten existenzbedrohenden Risiken abdecke.

Private Haftpflichtversicherung

Sie ist ein absolutes Muss! Denn fügt man versehentlichen anderen schuldhaft Schaden zu, ist man zum Schadenersatz verpflichtet. Und das passiert schneller, als man denkt. Ein Unfall mit dem Rad oder Auto kann ohne Haftpflichtversicherung schnell den finanziellen Ruin bedeuten, wenn Schmerzensgeld und lebenslange Rente aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen. Aber auch, wenn man eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat, sollte man einmal die Schadenssumme prüfen, in vielen Fällen ist die nämlich viel zu niedrig. Heute gehe man von einer Schadenssumme von zehn bis zwanzig Millionen bei Personenschäden aus, so Helma Sick

Was sonst noch gut zu wissen ist: 

  • Mitversichert sind Ehemann und Kinder
  • bei nicht verheirateten Paaren muss der Partner namentlich in der Police genannt werden
  • gilt normalerweise auch im Ausland

Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der Versicherungen, die die größten Unsicherheiten auslöst. Braucht man sie nun, oder ist die überflüssig. Finanzexpertin Helma Sick sagt: Wer kein großes Vermögen besitzt, auf das man zurückgreifen könne, oder aus einer reichen Familie stamme, sollte sich eine Berufunfähigkeitsversicherung zulegen. Denn leider ist es ein Trugschluss, dass die gesetzliche Rente bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem Beruf ausreichend ist. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente greift jedoch nur, wenn man weniger als drei Stunden am Tag auf dem kompletten Arbeitsmarkt tätig sein kann. Im Klartext: Wenn man gar keiner Tätigkeit nachgehen kann. Der bisherige Beruf, Kenntnisse und Fähigkeiten werden nicht berücksichtigt. Wichtig beim Abschluss einer BU ist der Verzicht auf die "abstrakte Verweisung". Das bedeutet, dass du nicht auf eine andere Tätigkeit, die nicht deiner Ausbildung und Erfahrung entspricht, verwiesen werden kannst. Außerdem sollte der Vertrag sich an sich ändernde Lebensumstände anpassen lassen. Besonders wichtig: Die Gesundheitsfragen müssen unbedingt wahrheitsgemäß beantwortet werden, andernfalls kann die Versicherungsgesellschaft die Zahlung im schlimmsten Fall sogar ablehnen. Insgesamt ist es hier ratsam, sich umfangreich und unabhängig beraten zu lassen. 

Dread-Disease-Versicherung 

Die Voraussetzung für die Zahlung einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Berufsunfähigkeit. Die Dread-Disease-Versicherung hingegen zahlt eine einmalige Summe bei einer schweren Erkrankung wie beispielsweise Krebs, Nierenversagen oder Multipler Sklerose. Interessant ist diese Versicherung vor allem für Selbstständige, die nach einer Erkrankung nicht unbedingt berufsunfähig sind und weiterarbeiten können. 

Risiko-Lebensversicherung

Willst du deinen Partner im Falle deines Todes, oder auch andersherum absichern, ist eine Risiko-Lebensversicherung sehr sinnvoll, vor allem wenn gemeinsame Kinder existieren oder eine Immobilie abzahlt werden muss. Mit dieser Versicherung sorgt man dafür, dass der Partner im Todesfall wenigstens von existentiellen Nöten befreit ist. Die Versicherung sollte entweder die Schuldensumme abdecken oder je nach Zahl der Kinder ein Mehrfaches der Jahresnettoeinkünfte ausmachen. Was du aber wissen solltest: Seid ihr nicht verheiratet, muss der Hinterbliebene im Fall der Fälle Erbschaftssteuer zahlen. Denn während Eheleute einen Freibetrag von 500.000 Euro haben, liegt der von Unverheirateten leider nur bei 20.000 Euro. Dies kann vermieden werden, wenn du als Versicherungsnehmerin den Vertrag auf das Leben deines Partners abschließt und er genauso, ihr euch also über Kreuz versichert. Stirbt dein Partner, erhältst du das Geld sozusagen aus deinem eigenen Vertrag.

Pflegezusatzversicherung

Jede zweite Person wird irgendwann pflegebedürftig. Ein Fakt, den wir zwar eigentlich kennen, über den wir in jungen Jahren aber lieber nicht nachdenken wollen. Was wir auch immer verdrängen: Pflege ist teuer, vor allem wenn der Pflegebedürftige in einer Pflegeeinrichtung untergebracht ist. Reicht die Rente und das eigene Vermögen dafür aus? In den meisten Fällen nicht. Ist ein Elternteil in einer Pflegeeinrichtung untergebracht, wird zunächst das andere Elternteil in die Zahlungspflicht genommen. Dafür kann beinahe das ganze Hab und Gut für die Deckung der Kosten eingesetzt werde. Reicht das nicht, springt erst das Sozialamt ein und nimmt dann die Kinder in die Pflicht. Eine private Pflegezusatzversicherung ist daher ein absolutes Must-have. Hierfür gibt es drei Modelle.

Pflegekostenversicherung

Pflegekosten in vereinbarter Höhe werden erstattet, die Kosten müssen jedoch nachgewiesen werden. Geeignet für Menschen, die vor allem professionelle Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Kosten, die nicht unter klassische Pflegekosten fallen, werden allerdings nicht erstattet, weshalb der Tarif relativ unflexibel ist.

Pflegetagegeldversicherung

Bei Pflegebedürftigkeit wird ein vereinbarter Tages- oder Monatssatz bezahlt, die sich nach der Pflegestufe richtet. Über das Geld kann dann frei verfügt werden und Kosten müssen nicht nachgewiesen werden. Ein Modell, dass sich vor all diejenigen eignet, die hauptsächlich von Angehörigen gepflegt werden wollen.

Pflegerentenversicherung

Bei diesem Modell erhält die versicherte Person mit Nachweis der Pflegebedürftigkeit eine lebenslange monatliche Rente in vereinbarter Höhe. Das Geld kann flexibel eingesetzt werden, etwa für die Angehörigen oder eine Fachkraft. Ein Nachweis über die Kosten ist nicht erforderlich. Eine Pflegerentenversicherung ist im Vergleich zwar das teuerste, aber auch das flexibelste Modell privater Vorsorge.

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