Vulva kommt – Vagina ist out!

Vulva? Ja, kennen wir natürlich. Ist auch ein Begriff für das weibliche Geschlechtsteil. Aber was genau sie ist und vor allem wo sie anfängt und aufhört? Gute Frage!

von Julia Ballerstädt

Scheide, Muschi, Vagina oder Möse - Für das weibliche Geschlechtsteil gibt es viele Begriff: Alle klingen furchtbar, ordinär, pornografisch, männlich. Unterhält man sich mit anderen Frauen über das "da unten", ertappt man sich nicht selten selbst dabei, wie man kurz stockt und denkt: "Ja, wie nenne ich das denn jetzt?". Schnell nuschelt man "Scheide" vor sich hin und wechselt dann bestenfalls auch bald das Thema. Nicht, dass wir keinen Gesprächsbedarf hätten, aber irgendwie fühlen sich diese Begrifflichkeiten falsch an. Und sind es auch. Denn was kaum jemand weiß: Die einzig korrekte Bezeichnung unseres Allerheiligsten lautet Vulva. Und die feiert nun, auf der Welle sexueller Selbstbefreiung surfend, ihr großes Comeback

Vulva: Was ist das?

Wo fängt sie an? Wo hört sie auf? Und gehört die Vagina dazu? Fragen, die sich Männer definitiv nicht stellen müssen. Penis, Hoden, fertig. Hängt alles raus, sieht man. Nicht so bei uns Frauen. Klären wir das mal auf: 

  1. Die Vulva besteht aus den äußeren weiblichen Geschlechtsorganen: Schamlippen, Schamhügel, Eingang der Harnröhre und das, was man von der Klitoris sehen kann. 
  2. Die Vagina ist lediglich die Verbindung der Vulva mit der Gebärmutter.
  3. Die Klitoris ist nicht nur die Perle, die man von außen sehen kann. Sie ragt tief ins weibliche Becken hinein.
  4. Das Wort Vulva stammt aus dem lateinischen und bedeutet Kelch oder Schale.

Die Vagina ist nur ein Loch!

Genau genommen ist damit jegliche, allgemeingängige Begriffsverwendung falsch. Bezeichnet man das weibliche Genital als Vagina oder als Scheide, reduziert man das Geschlechtsorgan schlicht und ergreifend auf ein Loch. Auf etwas, in das man ein Schwert stecken kann - und das wiederum macht nur aus männlicher Sicht überhaupt Sinn. Nur wer ein Schwert besitzt, kann das in auch in diese Scheide stecken. Kein Wunder: Der Begriff Vagina wurde schließlich auch von einem Mann geprägt, genauer gesagt von Matteo Realdo Colombo im Jahr 1599. Übersetzt bedeutet Vagina  "Behälter für eine Klinge" - unser Geschlechtsorgan ganz im Dienste des Mannes mit seinem Schwert. Wie kann eine so misogyne Bezeichnung immer noch Standard in unserem Sprachgebraucht sein?

Schambehaftet, ordinär, tabuisiert  - Free Vulva!

Penis, Penis, Penis -  klingt nicht komisch oder? Der männliche Phallus ist selbstbewusst, die Begrifflichkeit klar, die Geschlechtsorgane sichtbar. Ganz im Gegenteil zu unseren. Über "das da unten" sprechen die meisten immer noch hinter vorgehaltener Hand. Doch in Zeiten von Sexfluencern, Bodypositivity und #MeToo erlebt das weibliche Geschlecht eine Rennaissance: Die Vulva bekommt Aufwind. Vor allem die sozialen Netzwerke bieten neuentdecktem sexuellen Selbstbewusstsein eine Plattform. Kein Wunder also, dass auch die Vulva auf Instagram gefeiert wird.

Die Künstlerin Stephanie Sarley penetriert an Vulven erinnerndes Obst mit ihren Fingern.

Bei Illustratorin Hilde Atalanta findet sich eine Vulva-Gallery.

Beim Vulva Watching können sich Frauen gegenseitig zwischen die Beine gucken und wer mag, hängt sich eine Vulva-Kette um den Hals. Dennoch scheinen sich immer noch viele Frauen für ihre Geschlechtsteile zu schämen. Aber: Die weibliche Selbstermächtigung hat sich erhoben und ist auf dem Weg. Tschüss Scheide - Hallo Vulva!

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