Warum es kein Wunder ist, dass Mütter ständig gereizt sind

Im Bilderbuch sind wir geduldig, liebreizend und sehr sehr weise. Im echten Leben sind wir manchmal einfach nur zickige Nervenwracks. Warum das so ist? Unsere Autorin kennt unendlich viele Gründe und hat zehn davon aufgeschrieben.

vo Miriam Kühnel

Ich bin gereizt. Mal wieder. Nach einem hektischen halben Arbeitstag, an dem ich wie so oft versucht habe, die Arbeit von acht Stunden in vier zu quetschen, habe ich den Kleinen von der Kita abgeholt und erst einmal Diskussionen darüber geführt, warum wir jetzt nicht sofort den nächstbesten Freund ansteuern, sondern erst einmal seine Schwester abholen, einkaufen gehen und dann... ach, LASS MICH DOCH ERST MAL ANKOMMEN, VERDAMMT!

Mütter, ein bisschen MIMIMI ist in Ordnung

Ich finde, wir haben es manchmal nicht leicht. Und weil wir sonst immer konstruktiv, weise, abgeklärt und stark sein müssen, sei uns hier und heute mal ein bisschen MIMIMI gegönnt. Wir geloben, den befreienden Effekt der gepflegten Jammerei auf keinen Fall mit Sätzen wie "Aber sie sind das alles wert, die kleinen Süßen" kaputt zu machen. Oder mit der Erwähnung der manchmal tollen, manchmal weniger tollen Performance der dazugehörigen Väter unser MIMIMI-Recht zu schmälern. Selbst wenn all das so ist: das soll heute nichts zur Sache tun. Denn heute wollen wir jammern. Wir haben uns das verdient! Und zwar ohne Wenn und Aber!

10 Gründe, warum Mütter gutes Recht haben, gereizt zu sein

1. Wir leiden an chronischem Schlafmangel

7 bis 8 Stunden Schlafen am Stück sind optimal? Da können wir nur drüber lachen. Ein Redakteur des Online-Magazins Buzzfeed hat mal den Versuch gemacht, eine Woche (ich wiederhole: eine Woche!!!!) nur knappe fünf Stunden zu schlafen. Ein Arzt hat ihm vom Versuch abgeraten. Seine Begründung? GEFÄHRLICH! Sehr witzig... aber wir wissen mittlerweile: Wahr. Vor allem gefährlich fürs Umfeld.

2. Wir haben zu viele Baustellen im Kopf

Ein Freund von mir hat mir mal vor vielen Jahren gesagt, dass man im Kopf nicht mehr als drei Baustellen haben sollte. Ich fand das einen guten Gedanken. Für Mütter klingt es aber wie ein schlechter Scherz. Wir jonglieren nämlich längst nicht mehr nur unsere Lebensthemen, sondern den ganzen Mental Load einer ganzen Familie. Unser Leben besteht sozusagen aus Baustellen. Und genau wie eine Fahrt durch einen nie enden wollenden Stau macht das irgendwann einfach aggro.

3. Wir sind immer und überall in Alarmbereitschaft

Beim Job rechnen wir mit "Dein Kind hat Bauchweh"-Anrufen, nachts mit Albträumen und sowieso immer mit unvorhergesehenen Ereignissen. Mütter sind einfach ständig im Dienst. Wer im öffentlichen Dienst Bereitschaftsdienste und Nachtschichten übernimmt, hat Anspruch auf regelmäßige Reha-Maßnahmen. Nun denn.... Wo ist unserer Reha? 

4. Wir hetzen zwischen zwei Welten hin und her

Nicht, dass ich es je anders haben wollen würde: Aber das Hin und Her zwischen Arbeits- und Muttermodus ist manchmal wirklich anstrengend. Vor allem, wenn es dazwischen keine kleine Pause gibt zum Luft holen und sammeln. Was uns wirklich fehlt, ist einfach STILLE.

5. Wir werden niemals alles schaffen und das frustriert

Unser Leben ist eine kilometerlange To Do Liste. Man muss schon ein sehr gelassener Kandidat sein, um sich durch all die unabgehakten Punkte nicht stressen zu lassen. 

6. So viele Entscheidungen wie ein Top-Manager (doch leider nicht sein Gehalt)

"Kann ich zu Jakob?" "Bekomm ich mein Taschengeld schon heute?" "Kann ich schon alleine auf den Spielplatz?" "Darf Emilia heute bei uns schlafen?" Mütter treffen den ganzen Tag Entscheidungen. Unser Job gleicht somit dem eines Topmanagers. Zu schade, dass das unser Kontostand anders sieht...

7. Wir müssen uns ständig verzeihen (und das ist schwer)

Wir waren ungerecht, wir haben überreagiert, wir haben den Kindergeburtstag von Tim verschwitzt? Als Mutter muss man sich ständig verzeihen... und das ist harte emotionale Arbeit.

8. Unsere Vorbilder sind Utopien und machen uns ein schlechtes Gewissen

Wir haben es schon oft gesagt und sagen es gerne immer wieder: Connis Mama ist eine blöde Kuh, weil sie uns ständig ein schlechtes Gewissen macht. 

9. Wir müssen ständig mit der Enttäuschung anderer Menschen umgehen

Bei der Arbeit zum zehnten Mal anrufen, weil die Kinder krank sind. Der kinderlosen Freundin zum siebenhundertsten Mal sagen, dass man zwischen 18 Uhr und 20 Uhr nicht zum Probleme wälzen zur Verfügung steht. Sich anhören, dass man ja NIE was mit dem Kind spielt, weil man IMMER NUR Hausarbeit macht. Mutter sein heißt, andere oft zu enttäuschen. Ist einfach so. Und das ist machmal hart.

10. Wir dürfen (zumindest gefühlt) nicht ausfallen

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem ich im Fieberdelirium und völlig dehydriert dank Noro-Virus die letzten Tropfen Flüssigkeit in meinem Körper in Form von Muttermilch von mir gab. Mütter können sich manchmal nicht rausziehen. So ist es einfach.

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