Warum wir über uns hinauswachsen, wenn wir diesen einen Satz nicht mehr sagen

Es gibt unzählige Gründe, den Satz "Ich kann das nicht" aus unserem Leben zu streichen. Unsere Autorin hat einige gefunden. 

von Tina Epking

Es muss ein Dienstagnachmittag vor etwa 30 Jahren gewesen sein, aber ich kann mich noch genau daran erinnern. Mein Turnlehrer – er hieß Gilbert, kam aus Kanada und hatte einen französischen Akzent  – hat mir nämlich an diesem Nachmittag eine Lektion fürs Leben erteilt. "Es gibt nur einen Satz, den isch hier nischt hören will. Und wenn du ihn noch einmal sagst, machst du fünf Strafliegestütze", sagte er sehr viel lauter und strenger als sonst. "‘Isch kann das nicht' ist bei mir verboten", ergänzte er. Er konnte das auch sehr gut begründen: "Weil man es so auch nischt lernt". Er hatte übrigens recht. Ich konnte nämlich einen Handstand, ich musste ihn nur noch ein paar (hundert) mal üben. 

Aus der Routine ausbrechen

"Wenn ich mir sage, dass ich etwas nicht kann, dann manifestiere ich diesen Gedanken – und werde auch nichts tun, um das zu ändern", erklärt Nicola Fritze, Motivationstrainerin und Autorin des Buches "Motivier dich selbst. Sonst macht's keiner!".  Tatsächlich kann man sich ja  "programmieren". Wenn ich mir immer wieder selbst sage, dass ich etwas nicht kann oder schaffe, dann glaube ich das irgendwann – und traue mich auch nichts mehr. Dabei ist es so wichtig, dass wir uns etwas zutrauen, damit wir auch mal aus unseren Routinen ausbrechen,  mehr erleben, selbstbewusster werden, mehr Spaß haben. Ja, ich glaube, dass wir alle über uns hinauswachsen können, wenn wir nur diesen einen Satz aus unserem Leben streichen. Ich glaube, dass alles besser, schöner, leichter und natürlich auch aufregender wird, wenn wir uns öfter "Ich kann das sehr wohl" sagen. 

Einfach machen, nicht zögern

Wie das geht? Indem wir Dinge einfach machen, nicht zögern, sondern sie versuchen. Um mal bei meinem Turnbeispiel zu bleiben: Ich zum Beispiel hatte irgendwie mein halbes Erwachsenenleben Angst, einen Handstand zu machen. Nachdem ich sie damals bei Gilbert überwunden hatte, kam sie irgendwann wieder. Ich weiß, das klingt banal, tatsächlich ist es nicht lebensnotwendig, einen zu können. In meinem Kopf hatte sich irgendwie eine Angst festgesetzt, Dinge zu machen, für die ich mich auf denselbigen stellen musste. Kurz und gut, ich versuchte erst einen Kopfstand an der Wand. Der funktionierte, er sah nicht gut aus, es war nicht elegant, aber ich konnte es. 

Lachen hilft

Unbewusst habe ich es richtig gemacht, erklärt mir Motivationsprofi Nicola Fritze. "Ich empfehle, nach und nach den ersten Schritt zu machen, erstmal das zu tun, von dem ich glaube, dass ich es kann –  und dann weiterzuentscheiden", sagt sie im Gespräch. Außerdem hat sie noch einen Tipp zum Gebrauch des verbotenen Satzes. „Ergänzen Sie den Satz 'Ich kann das nicht' durch ein 'noch'. Das Wort 'noch' öffnet Türen für Veränderungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Durch diese Ergänzung ist eine Aussage nicht mehr in Stein gemeißelt. Das 'noch' deutet an, dass wir bereits auf dem Weg sind, etwas zu ändern.“ Außerdem hilft laut Nicola Fritze noch etwas, um Dinge zu tun, die man sich nicht (zu)traut: Lachen. Das lockert nämlich alles auf. Immer. 

Es macht stolz, sich zu trauen

Ich zumindest habe dann ein paarmal auf dem Kopf gestanden, aber noch nicht auf den Händen. Bestimmt drei Wochen lang. Bis es mir selbst zu blöd wurde. Dann habe ich einfach in einem wagemutigen Moment (ich empfehle das ausdrücklich nicht zur Nachahmung!) einen Handstand gemacht. Das klingt nicht wichtig, aber für mich war es das. Ich war so stolz auf diese schlechte Turnübung wie selten in meinem Leben auf etwas zuvor. Mittlerweile kann ich übrigens richtig gut auf meinen Händen stehen. Hätte ich öfter den bösen Satz gesagt, wäre es dazu nicht gekommen, da bin ich sehr sicher.  


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