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Was kann ich tun? Wenn Angehörige an Depressionen leiden

Frau mit hängendem Kopf vor orangenem Hintergrund
© Getty Images
Der Januar ist für viele der Höllen-Monat. In keinem anderen Monat lassen sich so viele Menschen wegen Depressionen Krankschreiben. Betroffen sind aber nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch die Angehörigen. Wie man am besten mit der Krankheit und den Erkrankten umgeht, verrät Psychologin Anna Schmied.

In der dunklen Jahreszeit sind sie omnipräsent und sie fühlen sich schlimm an: Depressionen sind grau(sam). Wenn im Kopf kein Platz für gute Gedanken ist und das Leben auf einem lastet und  man sich immer öfter fragt, wie lange man das jetzt wohl durchhalten muss, ob es irgendwann wieder besser geht und wann verdammt nochmal endlich dieser Tag vorbei ist. Betroffene erkennen sich oft selbst nicht wieder, Angehörige fühlen sich machtlos. Eine Suppe zu kochen hilft leider nicht, auch keine Ibu oder gut gemeinte Ratschläge, aber dasein kann heilen. Doch wie geht man um mit Freunden, Familienmitgliedern, den eigenen Kindern, wenn sie betroffen sind? 

BARBARA.de: Was kann man als Angehöriger tun, wenn jemand aus dem nahen Umfeld an Depressionen erkrankt ist oder Symptome zeigt?

Psychotherapeutin Anna Schmied: Wenn sich erste Symptome erkennen lassen, ist es enorm wichtig, festzustellen, ob eine Depression vorliegt oder einfach es nur eine depressive Phase ist. Für diese erste Einschätzung gibt es inzwischen ein paar "Selbsthilfe-Tools", die für Orientierung sorgen und dabei helfen können, das erste Gefühl von ‘mit mir stimmt etwas nicht’, besser zu verstehen und einzuordnen. Bei der App Moodpath beispielsweise beantworten die Nutzer über einen Zeitraum von zwei Wochen dreimal täglich Fragen über das Wohlbefinden. Die Antworten werden dann statistisch ausgewertet und der Nutzer bekommt eine erste Einschätzung. Dadurch kann man Klarheit bekommen, ob professionelle Hilfe durch einen Psychotherapeuten oder Psychiater notwendig ist. 

Wenn das Ergebnis auf eine psychische Erkrankung hindeutet, ist es als Angehöriger sehr wichtig, das Gefühl zu vermitteln, einfach da zu sein und jederzeit ein offenes Ohr zu haben. Das kann oft schon viel bewirken. 

Was ist das Schlimmste, das man tun kann (sowohl als Betroffener, als auch als Angehöriger)?

Neben Antriebslosigkeit bleiben Betroffene auch häufig wegen Schuld und Scham untätig. Das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken liegt bei 20%, somit handelt es sich um eine weit verbreitete Erkrankung und es gibt viele Möglichkeiten der Behandlung. Auch wenn man als Angehöriger die Erkrankung manchmal nur schwer nachvollziehen kann, ist es wenig hilfreich, wenn man Schuldzuweisungen macht oder dem Betroffenen das Gefühl gibt, sich für die Symptome schämen zu müssen. Wichtig ist es als Angehöriger, die Depression als Erkrankung anzuerkennen, mit dem Betroffenen geduldig umzugehen und sich über die Erkrankung zu informieren.

Was hilft mehr? Fürsorge und Mitleid oder ein freundlicher “Tritt in den Hintern”? 

Am ehesten hilft es, einen empathischen Umgang mit dem Betroffenen zu pflegen, das heißt Verständnis zu zeigen und sich für die Schwierigkeiten zu interessieren. Gleichzeitig kann man unterstützen, indem man Behandlungsmöglichkeiten recherchiert und gemeinsam die nächsten Schritte plant und umsetzt. Häufig fällt es Erkrankten auf Grund der depressiven Erkrankung jedoch schwer, sich dazu zu motivieren. Dann ist Geduld gefragt. Wenn die Symptome anhalten, kann dann ein Termin bei einem ambulanten Therapeuten oder Psychiater ein Einstieg in die professionelle Behandlung sein. Mittlerweile besteht sogar die Möglichkeit, eine Online-Therapie zu machen, wenn sich das besser in den Alltag des Betroffenen integrieren lässt.  

Zudem kann man sich als Angehöriger als Begleitung zu den Terminen anbieten.

Wieviel Verantwortung muss /sollte ich als Angehöriger übernehmen?

Letztendlich ist es schwierig für eine andere erwachsene Person die Verantwortung zu übernehmen. Schließlich trägt die jeder für sich selbst. Manchmal gibt es bei psychischen Erkrankungen Ausnahmezustände, aber auch dann ist es wichtig zu sehen inwieweit man sich als Angehöriger selbst involvieren kann und was man besser professionellen Händen abgibt. Insgesamt sollte man nur die Unterstützung geben, zu der man sich selbst auch in der Lage sieht. 

Was tue ich, wenn es mir nicht mehr gut geht damit? Wenn ich nicht mehr helfen kann? Darf ich dann gehen?

Als Angehöriger einer psychisch erkrankten Person ist es immer wichtig, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und die eigenen Grenzen im Blick zu behalten. Es geht darum, sich selbst vor einer zu großen Belastung und damit einem Risiko selbst zu erkranken zu schützen und sich auch selbst Hilfe und Unterstützung zu holen. 

Wo kann ich mich als Angehöriger beraten lassen?

Der Bundesverband und die Landesverbände der Angehörigen psychisch Kranker bieten auf ihren Internetseiten Informationen zu Beratungskontakten, Diagnosen und Therapiemöglichkeiten an. Zudem stellt die Deutsche Depressionshilfe ein Info-Telefon Depression zur Verfügung, das über verschiedene Möglichkeiten der Behandlung und Anlaufstellen im Versorgungssystem informiert. 

Eine weitere Möglichkeit ist, sich bei den örtlichen Stellen der Sozialpsychiatrischen Dienste des öffentlichen Gesundheitsdienstes zu informieren und Unterstützung zu erfragen. 

Anna Schmied setzte während der Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin im Schwerpunkt Verhaltenstherapie einen Fokus auf die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen, Posttraumatischen Belastungsstörungen und Zwangsstörungen. Im Anschluss war sie in der ambulanten Rehabilitation von psychosomatischen Erkrankungen wie Depressionen tätig. Seit Mitte 2019 arbeitet sie für das Unternehmen MindDoc, ein Angebot der Schön-Kliniken, als Online-Therapeutin. 

Portrait Frau
© PR

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