Die bleibt jetzt auf! Was tun, wenn das Kind keine Mütze aufsetzen will?

Es ist kalt. Es ist Winter. Es ist windig. Eindeutig Mützenwetter! Das sieht das Kind unserer Autorin allerdings anders. Aber was man, wenn die Mütze einfach nicht da bleibt, wo sie hingehört.

Jeden Morgen der gleiche Kampf. Es fängt bei den Schuhen an und endet bei der Mütze. Anziehen ist einfach nicht ihr Ding. Meine Tochter hasst es und weil sie das auch mit lautstarkem Gebrüll kundtut, hasse ich es noch mehr als sie. 

Und wenn man es dann endlich geschafft hat, halbwegs pünktlich das Haus zu verlassen, kann man sich schon wieder auf den gleichen Kampf am Nachmittag gefasst machen. Das einzig tröstende: Ich bin nicht allein. Den Mützenkampf kämpfen sie nämlich alle, die Eltern dieser Welt. Aber muss man das denn wirklich?

Mützen-Wutausbruch: Tief Durchatmen

Manche Dinge lernt man eben auf die harte Tour. Da muss man mal durch, um zu erkennen: War jetzt nicht so clever. Neben Bestechung mit Gummibärchen und ewig langen Monologen, warum denn die Mütze jetzt aber aufgesetzt werden muss, nützt auch lauter werden in den seltensten Fällen langfristig. Ganz im Gegenteil: Wenn man immer wieder versucht die Mütze auf dem Kopf seines Kindes zu platzieren, macht man die Lage nur schlimmer, als sie ohnehin schon ist. Jedenfalls ist das bei meiner Tochter der Fall. 

Es wir getobt und geschrien, was die Stimmbänder hergeben. Allein für die Ausdauer, mit der sie das betreiben kann, gebührt ihr eigentlich mein größter Respekt. Ich bekomme allein vom Zuhören Halsschmerzen. Als Eltern ist man da ganz schnell unter der eigenen Geduldsgrenze angekommen. Hilflosigkeit und Wut machen sich richtig schön breit im Bauch. Und das Schlimmste: Das Brüllmonster ist unser Werk. Will man nicht hören, ist aber so. Deshalb zäumen wir das Pferd jetzt mal von hinten auf: Schritt eins: Ganz tief Durchatmen. 

Das Kind da abholen, wo es ist

Ja, es ist kalt im Winter. Mir zumindest. Die Finger sind schon blau und die Ohren stehen kurz davor abzufrieren. Mein Kind wehrt sich natürlich trotzdem mit allen Mitteln gegen Handschuhe und die besagte Mütze. Und ich sehe mich im Geiste schon beim Kinderarzt sitzen, auf meinem Schoss eine wandelnde Rotzfahne. Meinen Arbeitgeber freut das auch ganz besonders, wenn ich mich erst wegen des Kindes und kurz darauf noch mal selbst krank melde.

Aber: Ist es wirklich die Kälte, die uns die fette Erkältung beschert?

Vom Frieren fallen die Ohren nicht gleich ab. 

Nein, ist sie nämlich nicht. Kalte Luft allein macht nicht krank, sondern Viren und Bakterien sorgen für laufende Schnoddernasen, Mittelohrentzündungen und Halsweh. Die dringen wiederum über Mund und Nase ein und sind keinesfalls eine Folge von kalten Köpfen und Ohren. Die Mütze schützt unser Kind also nicht vor dem Krank werden, einzig vor dem Frieren. Das ist doch schon mal beruhigend, irgendwie zumindest.

Dann muss die Mütze vielleicht auch gar nicht unbedingt aufgesetzt werden?

"Das Kind wird sich schon was anziehen, wenn es friert."

...mal frei nach Jesper Juul. Und der muss es ja wissen, schließlich gilt der dänische Familientherapeut als DIE Koryphäe in Sachen Kindererziehung. Spannenderweise würden wir nie auf die Idee kommen, unseren Partner oder die beste Freundin zu nötigen eine Mütze zu tragen, einfach weil wir davon ausgehen, dass diejenigen das gut für sich selbst entscheiden können. Unseren Kindern hingegen sprechen wir dieses Recht ab. Dabei gibt es auch unter den kleinen, diejenigen, die schnell frieren und die, denen eher warm ist - auch im Winter. Also genauer darüber nachgedacht, könnte man da ja auch selbst drauf kommen. 

Weitere spannende Tipps von Jesper Juul gibts unter anderem in seinem Buch "Dein kompetentes Kind".
 

Wer hier schreibt:

Linda Berger
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