Wenn Frauen im Liebeswahn sind: lesbische Scheidungen

"Nach zwei Wochen sind wir zusammengezogen und nach zwei Monaten waren wir verlobt." – klingt irre, ist es auch. Und dennoch ist es nicht unüblich in der lesbischen Welt.

von Julia Stock

In Serien wie in Gesprächen unter Freundinnen wird sich darüber lustig gemacht. Beim zweiten Date kommt der Umzugswagen und man schafft sich Katzen an, heißt es. Doch so richtig witzig ist es nicht. Immerhin geht es hier um zwei Menschen die aufgrund eines Oxytocin-Schubes, das Bindungshormon der rosaroten Brille, Pläne fürs Leben schmieden und dann von der Realität eingeholt werden.

Wenn Frauen alles wollen – sofort

"Es glitzert. Es ist sinnlos. Ich will es!" – wir Frauen sind oft einfach nicht rational. Ich auch, vor allem, wenn ich verliebt bin. Trotzdem habe ich eine gewisse Abneigung gegen Menschen, die holterdiepolter in Beziehungen reinbrettern und Lebensentscheidungen treffen. Ich war selbst schon mit Frauen liiert, die sehr vereinnahmend waren und das hat mich irritiert – was natürlich nicht bedeutet, dass ich mich daraufhin distanziert hätte. In meinem lesbischen Umfeld kenne ich unzählige Geschichten, bei denen zwei Frauen mit Vollgas in ihr vermeintliches Liebesglück geprescht sind. Die meisten sprechen heute kein Wort mehr miteinander und schämen sich für ihr naives Verhalten – was nicht heißt, dass sie nicht denselben Fehler zweimal begehen.

10 Prozent lesbischer Ehen nach zwei Jahren geschieden

In Großbritannien wurden in den ersten drei Monaten nach der Legalisierung der gleichgeschlechtliche Ehe im März 2014 bereits 1.409 Eheschließungen vollzogen. Etwas mehr als die Hälfte davon waren lesbisch. Berücksichtigt man die Scheidungsstatistiken, haben sich 10 Prozent dieser Paare in 2016 bereits wieder scheiden lassen. Wow, also wurde nach nur zwei Jahren aus der rosaroten, lesbischen Hochzeitsbrille eine Scheidung.

Trennungsgrund: "unverantwortliches Verhalten"

Frauen wollen sich schneller binden und haben höhere Erwartungen an ihre Beziehungen – das beobachten Soziologen aus Großbritannien und Skandinavien und glauben, dass das die höheren Scheidungsraten erklärt. Passt gut zur Statistik, die enthüllt, dass lesbische Frauen als Scheidungsgrund fast immer "unverantwortliches Verhalten" angeben, was von Untreue über das Verweigern, sich einen Job zu suchen, ungefähr alles bedeuten kann. Diese vorgeschobenen Gründe kenne ich irgendwo her. 

Heiraten aus Pflichtgefühl

Selbiges gilt natürlich auch für Frauen in heterosexuelle Ehen: 2011 wurden zwei Drittel der Scheidungen von Frauen initiiert. Nur kommen die Erwartungen und die intensiven Bindungshormone dann nicht gleich im Doppelpack. Außerdem ist das Recht, gleichgeschlechtlich zu heiraten noch so neu, dass es quasi danach schreit, wahrgenommen zu werden. Schon aus feministischen Gründen. Dieser Trend zeigte sich schon bei der eingetragenen Partnerschaft: Die Anfragen waren zehnmal höher als erwartet. 

Ein Hoch auf die Liebe, nicht auf den Schein

Also Ladies, wenn ihr glaubt, beim zweiten Date mit dem Umzugswagen vorfahren zu müssen, beim vierten Date von der "zukünftigen Frau" sprechen und nach einem Jahr zwei Monaten heiraten wollt, haltet doch bitte noch einen Moment inne. Ihr findet euch unglaublich anziehend? Toll. Der Sex ist bombastisch und ihr könnt die Finger nicht voneinander lassen? Herrlich, genießt es! Liebe ist etwas Wundervolles, kostet sie in vollen Zügen aus. Aber bitte, bitte nehmt die rosarote Brille auch mal ab, bevor ihr Entscheidungen trefft, die Konsequenzen haben. Heiratet nicht, weil es jetzt geht, Mode ist oder Omi das so gern hätte, sondern aus Liebe und wartet bitte mindestens die ersten Monate der Liebeshormonschleuder ab.

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"Nach zwei Wochen sind wir zusammengezogen und nach zwei Monaten waren wir verlobt." – klingt irre, ist es auch. Und dennoch ist es nicht unüblich in der lesbischen Welt.

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