Whatsapp hat der Teufel gemacht – Immer diese Missverständnisse!

Zu WhatsApp hat unsere Autorin eine sehr ambivalente Beziehung. Für sie ist die App vor allem eines: Die Hölle der Missverständnisse!

von Marie Stadler

Freitagabend in Hamburg. Ich schreibe einer Freundin, ob sie Lust hat, noch was mit mir trinken zu gehen. Zurück kommt ein kotzender Smiley. Ich gerate ins Straucheln. Habe ich irgendetwas falsch gemacht und es nicht mal bemerkt? Ich neige so manches Mal dazu, in Fettnäpfchen zu treten, unpassende Schoten zu reißen und andere damit manchmal in Verlegenheit zu bringen. Plötzlich fällt es mir ein. Ich hatte ihrem Freund geschrieben, dass sein Profilbild sexy ist. Verdammt! Dabei war das ironisch gemeint gewesen. Trotzdem, sie hat recht. Das gehört sich irgendwie nicht.

WhatsApp ist der Teufel

Ich tippe wie eine Verrückte: "Liebe Paula, dass ich Sven geschrieben habe, dass ich ihn sexy finde, war nur ein Joke". Paula tippt. "Du hast Sven geschrieben, dass er sexy ist???????"" Uh Mist. Schlecht geraten! Ich tippe zurück: "Ja, aber das war doch nur Ironie!" Drei Pünktchen blinken, dann kommt ihre Antwort: "Du glaubst, dass ich es besser finde, wenn du meinen Freund das Gegenteil von sexy findest?" Ich will ihr erklären, dass ich das Profilbild mit der Bierbauch-Adiletten-Kanervalsverkleidung gemeint habe und ich Sven sehr wohl sexy finde. Also im ganz normalen Rahmen sexy. Herrje, ist das schwierig!!! Ich versuche, sie anzurufen, sie geht nicht ran. An diesem Abend treffen wir uns nicht mehr. Eine Woche später weiß ich: Sie hatte eigentlich einen erhobenen Daumen schicken wollen. Keinen Kotz-Smiley. Ich erzähle ihr von den unsexy-Adiletten und wir müssen beide lachen. "WhatsApp ist der Teufel!", sagt sie. Und ich nicke.

Ganz schlimm: Falscher Chat

Auch ein Klassiker in meinem Leben: Der falsche Chat. Meist ist es ja gar nicht so schlimm. Aber wenn man eigentlich seiner besten Freundin schreiben will, dass man Valium bräuchte, um den nervigen Arbeitstag zu überleben und das dann ausgerechnet an seine Chefin schickt, ist das echt nicht besonders hilfreich bei der nächsten Gehaltsverhandlung. Oder wenn man dem Elternbeirat der Kita mitteilt, dass man gefälligst nicht einfach einschläft im Streit, und das wirklich nur mit einem Kuschelabend auf dem Sofa und einer Flasche Wein heute Abend wieder gut zu machen ist, kommt das auch irgendwie schräg. Man sollte meinen, das passiere einem nur einmal, aber nach etwa einem halben Jahr ist der Panikeffekt, der einen jede Nachricht fünffach checken lässt, leider verdunstet. Grundsätzlich kann es ja auch mal Vorteile haben. Vielleicht sollte ich die nächste Einkaufsliste mal nicht meinem Mann schicken, sondern dem Klassenchat der 4b. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann auch wirklich jemand einkaufen geht, wäre dann mal höher als Null.

Muss ich Whatsappen?

Es soll ja wirklich Menschen geben, die es nicht tun. Die stehen zwar längst auf der roten Liste des WWF, aber noch gibt es sie tatsächlich: Menschen ohne WhatsApp. Wie muss sich das anfühlen? Keine drei ungeduldigen Fragezeichen nach zwei Minuten, in denen man sich erdreistet hat, nicht zu antworten. Keine siebenundzwanzig Terminanfragen am Tag, die man eigentlich eh lieber verpassen würde. Keine zweihundertsiebenundfünfzigtausend Bilder vom letzten Karibikurlaub, die man bitte einzeln gebührend kommentieren soll und vor allem: Keine kotzenden Smileys, wenn man eigentlich nur den Daumen hochhalten wollte. Die Vorstellung ist großartig. Und trotzdem bleibt bei ihr der fade Beigeschmack, dass man sich einfach davonstehlen würde aus einer Zeit, in der man nun mal lebt. In der alles schnell geht, in der jeder über alles informiert ist und man wie selbstverständlich mit Menschen kommuniziert, deren Gesichter man nicht mal kennt. Ist das schrecklich? Ja, schon irgendwie. Wollen wir es anders? Nicht wirklich. Am Ende ist man ja doch irgendwie froh, in genau dieser Zeit zu leben

Trotzdem ist es gut, dass es wenigstens einen Kotz-Smiley gibt. Die schöne neue Welt muss einem ja nicht immer nur gut gefallen. 🤢