Wie süß, ein Schweinehund! – So erziehst du ihn richtig

Der will nur spielen! Streichle doch einfach mal deinen Schweinhund. Wird ihm gut tun. Und den Rest kriegt ihr dann zusammen hin.

von Diana Huth

 

Aufhören zu rauchen, gesünder essen, öfter Nein sagen, mehr Sport treiben oder am Wochenende mal wieder was unternehmen – unsere Ziele sind vielfältig. Ihr größter Gegner: Der innere Schweinehund. Er bringt uns dazu, auf der Party die Fluppe zu entflammen, den Lieblingsburger zu verdrücken, wieder gutmütig Ja zu sagen, mit einem Film und auf der Couch zu entspannen statt zum Sport zu gehen. Das ist auch ok, meistens zumindest. Um unsere Ziele langfristig erreichen zu können, müssen wir dem Schweinhund nur liebevoll Manieren beibringen.

 

Es gibt so viele Dinge, die wir tun und Sätze, die wir sagen, dass wir manchmal gar nicht bemerken, wo sich der Schweinehund versteckt. Aus! Aber sofort! Hier ein paar Beispiele:

„Ich kann das nicht.“ / „Ich bin so.“

Wenn wir etwas für unmöglich halten oder als unerreichbar ansehen, wie soll es dann möglich werden? Hier hat der freche Schweinehund ein leichtes Spiel. Am schlimmsten sind die Menschen, die meinen: „Da kann mir keiner helfen.“ – Das macht nun wirklich alles unmöglich.

„Ich muss nur noch...“ – kurz die Welt retten?

Prokrastination ist auch sehr effektiv, weil gerade dringend noch etwas anderes Priorität hat. Das kann durchaus ok sein! Nicht ok ist es hingegen, später zu jammern, dass man seine Ziele nicht erreiche, nicht weiterkomme und unglücklich sei. Der beste Zeitpunkt um mit etwas anzufangen ist: JETZT!

„Alles halb so wild.“

Das kölsche Grundgesetz besagt: „Et hätt noch emmer joot jejange.“ Abgesehen davon, dass das gar nicht stimmt, weil manchmal doch was schief läuft, kommt es immer auf den Rahmen an. Grundoptimismus schadet nicht, Verharmlosungsstrategien schon. Kritische Situationen runterspielen bringt meist nur kurzfristige Erleichterung. Klar, viele Menschen können unter Druck besser arbeiten und werden erst kurz vor der Deadline so richtig kreativ. Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Ebenso ungünstig: mit körperlichen Beschwerden nicht zum Arzt zu gehen.

„Nächstes Jahr mache ich alles anders.“ – die Mission Impossible

Wenn man einmal begonnen hat, Dinge auf die lange Bank zu schieben, zu verharmlosen und Veränderung für unmöglich zu halten, hat der Schweinhund den Kampf um den Knochen schon gewonnen. Weil es immer aussichtsloser scheint, Veränderung zu ermöglichen, wird oft der Schweinehund-Trumpf gezogen: die Mission Impossible.
Sie bedeutet nichts anderes als dass jetzt alles anders werden muss: Nie wieder Alkohol oder Zigaretten oder die Null-Diät starten. Wir alle wissen, dass dies in den seltensten Fällen funktioniert. Noch absurder wird es, wenn sich "einfach alles" ändern soll. Herkules lässt grüßen. Und wer nicht genau weiß, was er machen soll, macht einfach gar nichts. (Dann kann man ja auch nichts falsch machen.)

 

Wer jetzt glaubt, man müsse einfach nur anfangen und dann läuft es, liegt leider auch falsch. Hier typische Gründe für Abbrüche:

„Einmal ist keinmal.“

Stimmt, solange du beim nächsten Mal wieder motiviert bist. Das Problem ist oft, dass einfach sooo viele andere Termine dazwischen kommen – die Hochzeit von Freunden, die Taufe der Enkelin, das wichtige Arbeitsprojekt. Dann kommt man vom Ausfallen lassen, zum Schleifen lassen bis hin zum Sein lassen...

„Ich kann das so nicht, da mach ich es lieber wie immer.“

Nur weil der Anfang schwer und holperig ist, heißt es nicht, dass es aussichtslos ist. Unsere Selbstblockaden füttern den Schweinehund. „Ich habe doch schon so viel zu tun.“ und „Das verstehe ich nicht.“ – sehr beliebte Selbstblockaden um ja keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Was nicht geht, geht eben einfach auch nicht.

Ich Opfer! Wenn andere für die Umstände oder am eigenen Unvermögen 'Schuld' sind

Hach, wie typisch. Wenn etwas nicht klappt, sind natürlich die anderen Schuld: Der Partner, der nicht genug unterstützt, der Sportkamerad, der einen versetzt hat und der Vorgesetzte, der eh seine Lieblinge hat. Ist klar. Wenn die es nicht sind, dann aber die äußeren Umstände: Geld- oder Zeitmangel, das Wetter oder kleine Wehwehchen (nein, nicht ernsthafte körperliche Einschränkungen). Wer realisiert, dass eben nicht die anderen oder die Umstände Schuld sind, wertet sich gleich selbst ab – als Versager, der sowieso nichts hinbekommt oder richtig machen kann.

 

Warum wollen eigentlich alle den Schweinehund bekämpfen? Wir wissen doch, dass er da ist und auch, dass er immer (in unterschiedlichen Ausprägungen) da sein wird. Also, erziehen wir ihn lieber, statt ihn vertreiben zu wollen. Dafür gilt die Grundregel 'Menschen haben einen inneren Schweinehund, aber sie sind nicht mit ihm identisch.' Klingt logisch, meist sind unsere Entscheidungen, doch auf der Couch zu bleiben, emotional und damit nur ein Teil von uns. Würden wir uns die Zeit nehmen, stärker abzuwägen, wäre es vielleicht anders.

Wisse was du willst und mach dir einen Plan konkreten Plan

Überhaupt ist es wichtig, mit sich im Reinen zu sein. Wissen was man will und danach handeln, das sollte das Ziel sein. Was ist mir heute und was langfristig wichtig? Was geht und was nicht? Brauchst du mehr Entspannung, gönn dir den Tag auf der Couch. Willst du ein tolles Projekt verwirklichen, dann ran an die Arbeit. Am besten geht es mit einem Plan, der dich sichtbar an deine Ziele erinnert (also nicht in die Schublade legen) und möglichst konkret ist. Was genau willst du bis wann schaffen? Wie ist das messbar? Wichtig: realistisch bleiben.

Geduldig, wohlwollend und transparent

Ok, jetzt wird es anstrengend. Geduld, wer hat die schon? Lohnt sich aber. Wenn etwas nicht direkt klappt, kommen schnell (negative) Bewertungen und der Schweinehund freut sich schon. Wer hinfällt, sollte weder aufgeben noch verzweifeln, das hilft keinem. Aufstehen und weitermachen. Immer wieder. Sprich mit deinem Umfeld über neue Pläne und Veränderungen. Natürlich wird nicht jeder begeistert sein – von einer neuen Ernährungsweise oder wenn die Mama jetzt öfter mal Nein sagt. Das ist verständlich. Lass dich nicht entmutigen, sondern bitte um Unterstützung: „Es mag sein, dass euch die Veränderung nicht passt, aber für mich ist sie wichtig und ich wünsche mir, dass ihr es zumindest akzeptiert und mir nicht schlecht redet.“

Stell dir vor, du bist schon da

Kein Witz, das hilft. Genauso, wie ein Horrorfilm uns Angst macht, obwohl wir eigentlich auf der Couch liegen, kann die Vorstellung unserer Ziele uns motivieren. Richtig bombastisch wird es, wenn wir dann auch noch gute Erfahrungen machen. Wenn es total erleichternd war, einfach Nein gesagt zu haben oder wie toll sich dein Körper nach der Sporteinheit fühlt.

Last but not least: Belohnung nicht vergessen. Wie die aussieht, bestimmst du selbst. Gesundheitsexperten raten dazu, sich mit Dingen zu belohnen, die zusätzlich guttun. Nach dem Sport Wellness zu machen zum Beispiel. Denn wer sich nach dem Sport mit Bier und Burgern vollstopft bringt sich nicht unbedingt näher ans Ziel. Also finde Belohnungen, die deinen Körper stärken und dir Spaß machen. Es könnte auch ein kleiner Urlaub sein, wenn du eine Weile durchgehalten hast. Und Bier und Burger sind ja auch nicht grundsätzlich verboten...