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Wie wird man steinalt? 9 Tipps von einer Hundertjährigen

Wie werde ich steinalt?
© Getty Images
Oma Leni ist fast 100 Jahre alt und kerngesund. Gute Gene spielen auch eine Rolle, trotzdem hat sie uns mal ihre Tipps für ein langes, gesundes Leben verraten.
von Kira Brück

1. AUFHÖREN, WENN DU SATT BIST 

Ich habe immer nur so viel gegessen, bis ich satt war. Wofür mehr essen? Meine 62 Kilo konnte ich so jahrzehntelang halten (heute wiege ich natürlich mehr). Eine Diät habe ich mir nie angetan. Mir schmecken einfache Speisen wie ein Feldsalat. Oder ein Knüschen (Hessisch für Brotrandstück) mit ein bisschen Butter – einfach so im Vorbeigehen. Das hat mir schon das eine oder andere Abendessen ersetzt. Dann war mein Magen still, und ich konnte schlafen. Eine Bohnensuppe mit einem Schuss Schmand ist auch eine Wonne! Deshalb habe ich vieles in meinem Garten selbst angebaut und geerntet. Auch die Beeren für meine Marmelade.

2. WENIG ALKOHOL TRINKEN

Beim Alkohol war ich immer zurückhaltend. Wenn ich eingeladen war, hatte ich ein Glas Wasser und ein Glas Wein vor mir stehen. Keiner konnte nachvollziehen, ob ich mehr Wasser oder Wein trinke. Als mein Mann und ich unser erstes Haus bezogen, gab es unten im Keller eine tolle Hausbar, die nur mit Kerzen beleuchtet war. In den 50er- und 60er-Jahren war es obligatorisch, Gastgeber zu sein, wenn man zur Gesellschaft dazugehören wollte. Die Feste bei uns waren immer ein Ereignis! Wenn Alkohol im Spiel ist, lernt man die Menschen kennen, wie sie wirklich sind. Da waren gestandene Unternehmer, die beim Tanzen auf Tuchfühlung gehen wollten. Diese Avancen haben mich nie erreicht. Weil ich wusste, dass die Männer da alle gleich ticken.

3. BEWEGUNG. BEWEGUNG. BEWEGUNG.

Für mich war Bewegung schon als Mädchen das Allergrößte – ich bin auf einem kleinen hessischen Dorf aufgewachsen, als ich 13 Jahre alt war, kamen die Nazis an die Macht, ein paar Jahre später begann der Krieg. Da wurde ich dienstverpflichtet und musste in einer Heeresmunitionsanstalt arbeiten. Abends kam ich nach Hause, zog meine Trainingsklamotten an und schwang mich auf mein Dürkopp-Fahrrad. Ich fuhr durch die Dörfer, um mich mit den Mädels zur Leichtathletik zu treffen. Natürlich auch Gymnastik, das war damals von den Nazis vorgegeben, obwohl mir Wettkämpfe viel mehr gelegen haben. Mein Leitspruch war immer: Bewegung hilft dir, im Leben in Bewegung zu bleiben. Ich bin mit meinen Hunden viel draußen gewesen. Und lange Strandspaziergänge habe ich geliebt.

4. DIE LIEBE INS LEBEN LASSEN

Später habe ich mich in der Jutespinnerei vom Lehrling bis zur Abteilungsleiterin hochgearbeitet. Eines Tages bin ich am Bahnsteig einem Zug hinterhergesprintet, in dem meine Kollegin Elisabeth mit einem Safe-Schlüssel saß, den ich dringend für die Arbeit gebraucht habe. Es war Samstag, die Soldaten standen am Bahngleis und warteten auf den Zug, der sie nach Hause bringen sollte. Ein junger Mann in Uniform trat hervor und sagte: „Fräulein, Sie sind ja olympiaverdächtig!“ So habe ich meinen späteren Ehemann Erich kennengelernt. Kurze Zeit später nahm er mich mit nach Frankfurt – mein erster Ausflug in die Großstadt. In einer Vollmondnacht liefen wir durch die alte Stadt, und er sagte: „Schau dir alles an, das siehst du niemals wieder. Hitler macht Krieg, und dann ist alles kaputt.“ Genau so ist es gekommen. Erich war ein großer Antifaschist und hatte die Absichten der Nazis durchschaut. Wie heirateten noch im Krieg und bekamen zwei Söhne. Jahrzehnte später, als ich schon länger Witwe war, verliebte ich mich ein zweites Mal in meinem Leben: In einen 15 Jahre jüngeren Antiquitätensammler. Ich musste etwas mit mir ringen, der Altersunterschied war doch beträchtlich! Aber man muss die Liebe in sein Leben lassen. Sie ist die größte Kraft überhaupt, sie hält gesund und macht glücklich.

5. QUARK, LEINSAMEN UND BROT

Mein Geheimrezept für ein langes Leben: Quark und Leinsamen! Mit diesen Lebensmitteln kam ich gut durchs Leben. Ich bin groß geworden mit Brot, darauf Butter, Gelee und Quark. Letzteres brauche ich heute noch jeden Morgen. Mit selbst gekochter Marmelade oder Honig. Überhaupt, Brot! Ein natürliches Backhausbrot ist für mich das Allergrößte. Am liebsten esse ich die Kruste. Ich muss drei Mal auf Holz klopfen und meinen Zähnen danken, dass ich das immer noch kleinkriege. Übrigens habe ich noch immer meine echten Zähne. Da kam es im Krankenhaus schon zu kuriosen Situationen, als die Ärzte mich aufforderten, meine dritten Zähne bitte rauszunehmen.

6. AB UND ZU EIN KLEINER LUXUS

 Was ich gern jeder Frau raten möchte: regelmäßig zur Kosmetik zu gehen. Schließlich muss man sich auch mal einen kleinen Luxus gönnen. Als meine Kosmetikerin vor 43 Jahren ihr Studio eröffnete, war ich eine ihrer ersten Kundinnen. Seitdem bin ich mindestens vier Mal im Jahr bei ihr. Gerade neulich habe ich mir ein Make-up gekauft, um meine dunklen Flecken im Gesicht abzudecken. Ansonsten nehme ich morgens einen frischen Waschlappen und wasche mein Gesicht kalt und warm ab. Danach wird es eingecremt.

7. ERHOLSAM SCHLAFEN

Mein Mann und ich hatten getrennte Schlafzimmer, dazwischen das Bad. Ein großes Privileg, nachts Erholung zu haben. Weil ich in unserem Familienbetrieb von Anfang an voll eingespannt war, gingen mir abends oft viele Gedanken durch den Kopf. Dann besuchte ich an der Volkshochschule einen Kurs in autogenem Training – das war in den Siebzigern. Es hat mir mein Leben lang beim Einschlafen geholfen. Das Büchlein mit den Aufzeichnungen von damals liegt noch heute in meinem Nachtkästchen.

8. DAS OBERSTÜBCHEN FORDERN

Es tut gut, zu arbeiten. Erst hatten wir unser Elektrogeschäft, später verbrachte ich viel Zeit mit meiner Antiquitätensammlung. Und ich habe seit Jahrzehnten eine BridgeRunde. Da treffen wir uns reihum bei einer Dame zu Hause und spielen bis in die tiefen Abendstunden hinein Bridge. Dabei muss man viel nachdenken. Das hält einen frisch im Oberstübchen.

9. AUFHÖREN, WENN DER KÖRPER ES SO WILL 

Sich alles zu verbieten macht keine Freude. Und Freude sollte das Leben schon machen. Ich habe 15 Jahre lang jeden Tag eine Packung Lord Extra geraucht – in den Siebzigern hat sich wirklich keiner darüber Gedanken gemacht, ob das Rauchen ungesund sein könnte. Eines Abends schaute ich mir einen Krimi an und rauchte dabei. Auf einmal bekam ich fürchterliche Schmerzen, meine Augen waren schon ganz gelb. Am nächsten Tag sagte der Arzt, ich hätte eine Gallenblasenentzündung. Also ließ ich das Rauchen von heute auf morgen sein. Da hat mir mein Körper ganz klar signalisiert: Bis hierher und nicht weiter. Und ich habe auf ihn gehört.


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