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Wohnmobile im Wohngebiet Camper zuhause

Wohnmobile im Wohngebiet: ein blaues Parkplatz-Schild mit einem Wohnmobil
© makasana photo / Shutterstock
Und am Ende der Straße steht kein Haus am See, sondern ein Meer von Wohnmobilen. Dieser Zustand bringt unsere Autorin mal wieder richtig in Fahrt.

On the road, aber nicht unterwegs

Jetzt ist es so weit: Ich hause auf einem Campingplatz. Zumindest auf den ersten Blick, denn wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich lauter Wohnmobile. Für "Mobile" sind viele allerdings äußerst standhaft: Die sind zwar on the road, aber nicht unterwegs, sondern dauergeparkt. In eh schon engen Wohnvierteln, in deren Nähe ich auch mal gern mein Auto abstellen würde, um meine Einkäufe in einer Wanderung von unter einer halben Stunde in den Kühlschrank zu kriegen. Seit einiger Zeit ist mein magisches Parkplatzglück überfordert von Camper Vans, Wohnwagen und individuell ausgebauten Bussen, die auf Instagram alle gleich aussehen: Mit Lichterketten, Makramee-Vorhängen und Matratzenlagern ausgestattet, stehen sie irgendwo am Meer, auf das eine langhaarige Frau durch die geöffnete Heckklappe blickt, während sie ihre Kaffeetasse umklammert. Ja, was machen die denn alle hier in meiner Straße?

Stellvertretend für ein wildes, freies Leben stehen sie am und im Weg, nehmen Sicht und Aussicht – und dabei mit durchschnittlich sieben Metern Länge abenteuerlich viel öffentlichen Raum ein. Dürfen die das? Laut Straßenverkehrsordnung leider ja, solange ein Gewicht von sieben Tonnen nicht überschritten wird. Nur abgestellte Wohnwagen ohne Eigenantrieb müssen alle zwei Wochen mal umgestellt werden. Erstaunlicherweise kaufen sich gerade jene Leute so ein "Freizeitfahrzeug", die sich ansonsten mit klimawandlerischer Sicherheit über SUVs und deren Fahrer aufregen. Lebte der typische Mensch mit Wohnmobil einst im Umland und stellte seinen Wohnwagen auf dem eigenen Grundstück ab, sind Neu-Camper heute gut situierte, Grün wählende Städter. Ihr Fluchtfahrzeug aus dem Alltag soll trotzdem vor der Wohnung stehen, damit man das bis zu 70 000 Euro teure Teil im Auge behalten kann. Wieso gibt es dafür nicht längst riesige, bewachte Wohnmobilgaragen mit U-Bahnanbindung neben Flughäfen? Es wäre für uns alle so viel stressfreier!

2020: Das Jahr des Campers

Durch Reise- und Übernachtungsverbote wegen Corona wurden allein 2020 in Deutschland binnen eines Kalenderjahres zum ersten Mal mehr als 100 000 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen, wie das Deutsche Caravaning Institut jubelt. Seitdem werden es stetig mehr. Man könnte die Riesendinger übrigens bei Bedarf auch mieten, kauft aber lieber den Traum, jederzeit mit allen Lieben im eigenen Tourbus bis ans Ende der Welt zu fahren – in guter Hoffnung, dass es auch dort einen Parkplatz mit WLAN, Strom- und Trinkwasseranschluss geben wird. Zusätzlich beruhigt die theoretische Exit-Strategie, jederzeit völlig mobil leben zu können, falls man Miete und Heizkosten nicht mehr zahlen kann oder will. Nomadland!

Bis dahin geht die Reise für zwei Ferienwochen südwärts oder mal am Wochenende bei gutem Wetter ins Grüne oder Blaue. Und ab Herbst fahren Caravaner wieder mit dem Lastenfahrrad oder Zweitkleinwagen einkaufen und bleiben ansonsten zu Hause. In einem richtigen Zuhause, mit echtem WC, Bad und Bett.

Barbara

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