Zack und weg! – Was passiert eigentlich bei Hypnose?

Unsere Autorin hat nicht an Hypnose geglaubt, bis sie selbst hypnotisiert wurde. Was sie erlebt hat, ist beängstigend und faszinierend zugleich.

von Marie Stadler

"Ha, einen Scheiß werd ich tun!" Das war der Gedanke, der mir durch den Kopf ging, als der Show-Hypnotiseur meinem Kopf befahl, nach vorne zu kippen. "Einen Scheiß werd ich..." Im gleichen Moment kippte mein Kopf nach vorne. Mein Bewusstsein behielt ich und ich weiß noch, dass es mich ein bisschen amüsiert hat, mit wieviel Überzeugung ich falsch gelegen hatte. Um ehrlich zu sein, hätte ich eine Minute vorher noch meinen Hintern drauf verwettet, dass Hypnose ein Hokuspokus ist, der nur bei Menschen klappt, die daran glauben wollen. Nun wurde ich also eines Besseren belehrt.

Ein Zustand unendlicher Entspannung

Der Hypnotiseur hatte mich kurz zuvor meine Hände falten und meine überkreuzten Daumen fixieren lassen. Binnen weniger Sekunden hatte er mich in einen Zustand völliger Entspannung versetzt und mich letzten Endes dazu gebracht, seine Anweisungen zu befolgen. Beängstigend ist das nur für Außenstehende. Für mich fühlte sich das in diesem Moment ganz normal an. Ich war in der Lage, zu antworten, sprach mit ihm über meine Gefühle und ruhte komplett in mir. Er redete mir ein, dass meine Hände fest miteinander verankert seien und tatsächlich schaffte ich es nicht, sie voneinander zu lösen. Es schien schlicht unmöglich. Doch auch das machte mir keine Angst. "Auf drei wirst du erwachen und so entspannt sein wie nie zuvor", sagte er, dann zählte er: "Eins, zwei, drei." Ich schüttelte mich und fühlte eine Entspanntheit, von der ich vergessen hatte, dass sie so überhaupt existiert.

Und was, wenn ich mich total blamiere?

Auch jetzt, Jahre später, ist mir dieser Trancezustand eindrücklich im Kopf geblieben und ich mache mich auf die Suche nach Antworten auf die Fragen, die ich mir seither stelle. Denise Humbert ist Heilpraktikerin für Psychotherapie mit dem Schwerpunkt Hypnosetherapie. Sie erklärt mir, was Hypnose eigentlich ist. "Im Grunde kennt jeder diesen Zustand, den Hypnose herstellt. Wenn du sonntags zum Beispiel auf dem Sofa sitzt, in deine Gedanken oder ein gutes Buch versunken bist und dann wie aus einem Traum erwachst, das war dann auch eine Trance. Ein Zustand, in dem du die Welt und dich selbst nicht bewertest. Nichts anderes bewirken wir durch Hypnose." Hmm. Das kennt man ja tatsächlich. Ich frage sie, warum Menschen dann Geld dafür ausgeben, um hypnotisiert zu werden, wenn doch eine sonntägliche Sofasitzung zum Nulltarif so einfach ist. "Du bezahlst ja bei einem Therapeuten nicht die Trance, sondern das, was wir gemeinsam daraus machen", erklärt sie. "Bei der therapeutischen Hypnose nutzt man den bewertungsfreien Zustand der Trance aus, um sein eigenes Verhalten oder persönliche Gewohnheiten zu verändern. Das klappt meist sehr gut, wenn man es wirklich selber möchte. Was ein Hypnotherapeut nämlich immer benötigt, um etwas zu erreichen, ist ein inneres Ja." Also kann man mich unter Hypnose gar nicht dazu bewegen, nackt auf dem Marktplatz zu tanzen? "Nein", beruhigt mich die Expertin. "Außer, du hattest da immer schon mal Lust dazu und bist komplett schambefreit." Nun, da müsste ich drüber nachdenken.

Wobei Hypnose helfen kann

Besonders bekannt ist die Hypnose als Mittel zur Gewichtsreduktion und zur Raucherentwöhnung. "Zu Recht", sagt die Expertin. "Meist reicht eine Sitzung aus, um Essgewohnheiten nachhaltig zu verändern." Im Selbstversuch hat sie sich vor einem Jahr selbst von einer Kollegin in Trance versetzen lassen. "Ich war vorher echt ein Schokojunkie. Seither habe ich einfach keine Lust mehr drauf. Nicht mal auf Kinderschokolade, und das will was heißen." Auch bei Ängsten kann Hypnose sehr gut helfen. "Angstzustände sind im Grunde auch so etwas wie eine Trance. Man ist, wenn man Angst hat, auch völlig auf sich und eine Sache fokussiert. Das kann man unter Hypnose gut behandeln. Bei Flugangst zum Beispiel reicht auch meist eine einzige Sitzung aus." Bei schwerwiegenden Traumata und anderen seelischen Nöten kann die Behandlung aber auch schon mal etwas länger dauern. "Hypnose ist etwas ganz individuelles. Bei manchen Patienten erfordert es auch Zeit und Übung, bis sie der Sache trauen und sich wirklich fallen lassen können. Einige lassen sich auch gar nicht hypnotisieren. Denn auch dafür brauche ich ein inneres Ja."

Auf Werkeinstellung zurück

Angst vor Hypnose braucht man also nicht haben. "Gegen Moralvorstellungen kommt kein Hypnotiseur an", versichert Denise Humbert. Kann ich also maximal auf Werkeinstellung zurückgestellt werden? "So könnte man das ausdrücken", lacht Denise Humbert. "Du bleibst auch in Trance immer du." Na, wenn das mal keine gute Nachricht ist. Ich beschließe, das mit der Hypnotherapie einmal auszuprobieren. Es gibt schließlich sinnvollere Ansätze als imaginär zusammengewachsene Hände. Ich werde berichten. Ihr hört dann wieder von mir, sobald ich eine nichtrauchende, in Größe 36 passende und buddhamäßig tiefenentspannte Version von mir selbst bin. Kann dauern. Da reicht nämlich ganz sicher nicht nur eine Sitzung.

Denise Humbert ist als Hypnotherapeutin in Hamburg tätig und ist auf Gewichtsreduktionen, Raucherentwöhnung und Angststörungen spezialisiert.

https://www.denisehumbert.de

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