Zervixschleim: Was ist das eigentlich und wie sollte er sein?

Da musste sie erst 30 Jahre alt werden, bis unsere Autorin den Sinn von Ausfluss verstanden hat. Pardon, Zervixschleim. Was das ist und wie er sein sollte, berichtet sie hier. Achtung, könnte eklig werden! 

von Franziska Steinberg

Als ich auf die Verhütungsmethode NFP umstieg, bekam plötzlich etwas eine Bedeutung, das einem als Frau eigentlich total unangenehm ist und immer war: Zervixschleim. Seit der Pubertät versucht man, seinen Ausfluss aus der Vagina zu vertuschen. Ab dem Zeitpunkt der hormonellen Verhütung glaubt man, ihn im Griff zu haben – dann setzt man die Pille ab und ein paar Monate später fragt man sich, ob man vielleicht aufgrund des erhöhten Ausflusses eine Infektion haben könnte. Slipeinlagen machen auf einmal wieder Sinn – hat man das Regal in der Drogerie doch jahrelang ignorieren können. Doch kurz bevor man sich doch mal einen Arzttermin macht, geht der Ausfluss wieder zurück. Irgendwann kommt er wieder, dann geht er wieder zurück. Was zur Hölle? Ich hab ihn also doch gefragt und er anwortete mit einem Grinsen: „Das ist kein Ausfluss, Sie haben Ihren Zervixschleim gefunden, Frau Steinberg!“ Eine kurze Recherche später gab es den großen Aha-Effekt. Was der einem alles verrät, ist doch echt erstaunlich. Ich muss es einfach mit euch teilen!


Was ist der Zervixschleim – und wozu ist er da? 

Zervixschleim wird im Gebärmutterhals gebildet und verschließt den Muttermund. So schützt er eure Gebärmutter vor Bakterien. Damit ist er auch nicht zu verwechseln mit Ausfluss, der in der Tat eine gesundheitliche Ursache haben kann. Es handelt sich auch nicht um Erregungsschleim. Der Zervixschleim orientiert sich an den Phasen deines Zyklus – seine Konsistenz ist damit ein weiteres Merkmal, der neben der Temperatur zur Verhütung oder für den gezielten Kinderwunsch eingesetzt werden kann.


Wie sieht er aus – und wie verändert sich der Zervixschleim zum Eisprung? 


Phase 1: Kaum Zervixschleim zur Periode 

Zu Beginn des Zyklus ist kaum Zervixschleim vorhanden. Parallel ist man ja auch mit seiner Regelblutung beschäftigt, da spielt er einfach keine Rolle. Auch die fruchtbaren Tage sind zu diesem Zeitpunkt eher unwahrscheinlich. Hat sich die Periode verabschiedet, kann man dem vielleicht wieder etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. 

Phase 2: Cremiger Zervixschleim in der Follikelphase 

In der Follikelphase wächst das Ei heran und macht sich bereit für den Eisprung. Die Länge dieser Phase unterliegt oft Schwankungen – nur selten weisen Frauen tatsächlich einen natürlichen Zyklus (ohne Pille & Co) von 28 Tagen auf. In dieser Phase wandert der Zervixschleim vom Muttermund zum Gebärmutterhals. Wir nehmen ihn also jetzt viel mehr wahr – er hat eine cremige, klebrige und weißliche Konsistenz. Dafür sorgt der erhöhte Östrogenspiegel. In Richtung Eisprung wird’s mehr.  

Phase 3: Spinnbarer Zervixschleim an den fruchtbaren Tagen 

Macht sich das Ei zum Springen bereit, nimmt der Zervixschleim noch einmal zu und verändert seine Konsistenz. Er hat nun die Aufgabe, potentiellen Spermien den Weg in Richtung Muttermund leichter zu machen – sie fühlen sich in ihm pudelwohl und können darin mehrere Tage überleben. Ihr selbst nehmt ihn nun als viel dünnflüssiger, wässriger und klar war. Zudem spricht man auch von spinnbar: Er lässt sich zwischen zwei Fingern in längere Fäden ziehen. Heftig, dass man das drei Jahrzehnte einfach nicht checkt! 

Phase 4: Trocken wie die Wüste – kein Zervixschleim nach dem Eisprung 

Ist der Eisprung passiert, verschließt der vorhandene Zervixschleim fest den Muttermund und tritt kaum noch aus der Scheide aus. Dieser Schleimumschwung passiert relativ schnell. Vielleicht habt ihr kurz noch einmal cremigen, weißlichen Schleim – dann folgt eher eine Austrocknung. Es kann sich aber auch immer mal wieder eher weißlicher, fester, cremiger Schleim zeigen. 

Phase 5: Klebriger Zervixschleim vor der Periode   

Kurz bevor die Regelblutung einsetzt, wird es noch einmal einen Schleimumschwung geben und sich wieder vermehrt Zervixschleim am Scheideneingang bemerkbar machen. Dieser kann eine ähnliche Konsistenz annehmen wie kurz vor dem Eisprung – also eher etwas flüssiger, klebrig oder sogar spinnbar. Die Gebärmutterschleimhaut, die sich in der Lutealphase aufgebaut hat, wird nun von der Gebärmutter abgestoßen: Erst löst sich der Schleimpfropf, dann folgt die Blutung. Wir beginnen wieder mit Phase 1. 


Wie findet und untersucht man seinen Zervixschleim? 

WTF? Schleim angucken und vielleicht sogar anfassen? Ekelhaft – das kommt überhaupt nicht Frage! Wer das denkt, braucht natürlich nicht weiterlesen. Für mich war es anfangs auch ungewohnt. Aber erstens ist es mit so gut wie keinem Aufwand verbunden – auf Toilette müssen wir ja schließlich alle mal – und auch vorher hatte ich ja bereits festgestellt, dass es da etwas gibt, das im Zweifel eine Slipeinlage notwendig macht. Zweitens: Es ist euer Körper! Wenn ihr ihn nicht anschauen und verstehen wollt, wer dann? So und jetzt einmal für alle: Ihr müsst den Zervixschleim nicht suchen, er ist einfach da (wenn Ihr keine hormonelle Verhütung nehmt)! Im besten Fall findet ihn nach jedem Toilettengang am Toilettenpapier. Nur kann die Qualität und Quantität bei jedem anders ausfallen. Seid ihr euch der Konsistenz unsicher, könnt ihr ihn auch mit dem Finger am Muttermund abnehmen. 


Wie oft untersucht man seinen Zervixschleim? 

Je nach Ziel. Möchtest du einfach nur mal gucken, ob du einen Unterschied feststellst? Dann behalte ihn einfach ein bisschen im Auge. Möchtest du damit tatsächlich mit der Natürlichen Familienplanung bzw. in Kombination mit der Temperaturmethode verhüten oder das Thema Kinderwunsch gezielt angehen, dann solltest du ihn täglich beobachten und dir deine Beobachtung auch notieren. Das geht am besten mit einer NFP-App, wie z.B. mynfp.


Kein spinnbarer Zervixschleim? 

Schleimbeobachtung ist recht subjektiv – man fragt ja schließlich niemand anderen, wie er jetzt deinen heutigen Schleim einschätzen würde. Darüber hinaus ist die Qualität des Schleims sehr individuell. Wichtig ist einfach nur, dass du die Veränderungen im Laufe des Zyklus wahrnimmst und dir notierst. Es muss nicht immer eindeutig spinnbarer Schleim vor den fruchtbaren Tagen auftreten – vielleicht wird er aber flüssiger oder klarer? Dann hast du bereits eine Veränderung registriert und kannst sie im nächsten Monat besser einordnen.


Ist unser weiblicher Körper nicht toll? 

Auch wenn das Thema Zervixschleim für viele Frauen noch ein Tabu- oder Ekelthema ist, kann ich nur alle dazu ermuntern, sich einfach mehr mit ihrem Körper auseinanderzusetzen. Der Zervixschleim oder auch die Basaltemperatur verrät einem soviel über seinen Zyklus und damit auch über seine Gesundheit – und die sollte uns doch allen sehr wichtig sein, oder?

Wer hier schreibt:

Franziska Steinberg