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Zurück zum Ex – kann das klappen? Ein Erfahrungsbericht

Zurück zum Ex: Füße eines Paares schauen unter der Decke hervor
© Frank and Helena / Getty Images
Erol Sander und Caroline Gaddot, Roman und Lisa Weidenfeller – zurück zum Ex ist 2020 offenbar im Trend. Und so wie's aussieht, hat der auch unsere Autorin erfasst ...
Hanna Schürmann

Drei Jahre lang waren Schauspieler Erol Sander und seine (Ex)-Frau Caroline Gaddot getrennt, die Scheidung damals eine der richtig krassen Sorte: Vorwürfe häuslicher Gewalt, Polizeieinsätze, Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft, Streit um Besitz und Vormundschaft. Ein Rosenkrieg mit allem Drum und Dran.

Bei dem BVB-Torhüter Roman Weidenfeller und seiner Frau Lisa ging es Ende 2018 friedlicher auseinander. Ein emotionaler Post auf Instagram, die Bekanntgabe der "einvernehmlichen" Trennung gegenüber "BILD" – vielleicht fällt so ein Eheaus nach drei Jahren einfach noch leichter als, wie bei Sander und Gaddot, nach 21.

Aber was reden wir hier überhaupt noch von Trennungen? Schließlich gilt sowohl im Fall Sander-Gaddot als auch für die Weidenfellers: Sie sind offiziell wieder vereint! Was mich zum Thema "mein Ex und ich" führt ...

Erster Versuch: Er war sofort in mich verknallt 

André* und ich kennen uns seit 15 Jahren, also beinahe die Hälfte unseres Lebens. Wir lernten uns in einer Situation kennen, in der sehr viel Adrenalin im Spiel war, und unter uns: Vermutlich ist das der Grund, aus dem er sich sofort in mich verknallte (Stichwort "Hängebrücken-Effekt"). Ich fand ihn von Anfang an interessant, spürte aber keinen Funkenschlag. Trotzdem gab ich uns damals eine Chance – aus der leider nicht viel mehr erwuchs als eine herbe Enttäuschung. Für ihn.

Mit meinem heutigen Wissen, meiner Ü30-Weisheit und -Reife ist mir klar, worin das Problem bestand: Er war all in, ich maximal halbherzig bei der Sache. Ich war noch nicht annähernd bereit, mich zu binden bzw. mich wirklich auf jemanden einzulassen. Beziehungstechnisch bin ich eine Superspätzünderin. Ich wollte frei sein, Erfahrungen sammeln, mich selbst finden. Er wollte lieben und geliebt werden. So konnten wir nicht zusammen sein, das war schnell klar. Ich machte Schluss und schlug ihm vor, Freunde zu bleiben – was wir tatsächlich taten. Keine engen, aber doch verbundene. Bis wir uns ein paar Jahre später wieder näher kamen ...

Zweiter Versuch: Ich wollte es unbedingt

Diesmal war ich tatsächlich sehr an einer festen Partnerschaften interessiert. Ich war in der zweiten Hälfte meiner 20er, hatte ein paar kürzere Beziehungen und Flirts hinter mir und wünschte mir einen Partner, der mich glücklich macht. Eine Rolle wie geschrieben für André, dachte ich. Tatsächlich gab er mir noch eine Chance. Wie sich allerdings herausstellte, haben sowohl die vermeintlichen als auch die echten Beziehungsexperten Recht, wenn sie predigen:

  • "Es ist nicht die Aufgabe deines Partners, dich glücklich zu machen!

Als André nach einem knappen Jahr mit mir Schluss machte, hatte ich diese Erkenntnis noch nicht. Ich fühlte mich verletzt, im Stich gelassen, enttäuscht und hatte erstmal wieder die Nase voll von Männern und Partnerschaften. Erst heute, nach ein paar Jahren Single-Dasein, Selbstfindung, Ankommen im Berufsleben und ohne Mann an meiner Seite Glücklich-Sein, ist mir klar: Auch bei unserem zweiten Anlauf hatten André und ich keine echte Chance.

Mir wurde klar, dass ich ihn liebe

Nach unserer zweiten Trennung hatten wir für ein paar Jahre sehr wenig Kontakt. Wir schrieben uns zum Geburtstag, das war's. Er ist beruflich viel unterwegs, war er in Hamburg, bekam ich nichts davon mit. An meinem 29. Geburtstag schrieb er mir wieder einmal eine Nachricht, woraufhin ich ihn einlud, abends zum Feiern zu kommen. Ich war mit ein paar Freunden verabredet. Zu meiner Überraschung kam er – und an diesem Abend spürte ich das erste Mal so richtig, dass ich ihn liebe

Wir saßen nebeneinander und die ganze Zeit wünschte ich mir, wir wären allein. Meine anderen Freunde waren mir plötzlich egal bis lästig, irgendwie zählte für mich nur noch André. Das hatte ich nicht erwartet! Wir unterhielten uns. Vertraut, aber nicht mehr. Danach machten wir beide weiter mit unseren Leben, er viel auf Reisen, ich wechselte meinen Job, wir sahen uns selten, schrieben jetzt aber öfter. Unser Kontakt war freundschaftlich, manchmal mit gewissen Andeutungen. Jedes Mal machte mein Herz einen Hüpfer, wenn er mir schrieb, und ich musste lächeln.

So vergingen noch mal ein paar Jahre, ohne dass wir uns wirklich näher kamen. Bei Dates mit anderen, die ich während dieser Zeit hatte, musste ich ständig an Andre denken. Das war neu. Auch über unsere ersten zwei Beziehungsversuche dachte ich jetzt erst richtig nach. Mir wurde klar, dass beide von vornherein zum Scheitern verurteilt waren – dass das jedoch nicht bedeutete, André und ich passen nicht zusammen. Fakt ist nun mal: Wir verstehen uns in einer Weise, wie wir uns mit anderen nicht verstehen. Ich bewundere ihn, liebe seine Art, seine Stimme, seine Zuverlässigkeit ... aus ganzem Herzen! Außerdem: Bei anderen Männern, in die ich verliebt war, fiel es mir nach dem Beziehungsaus nie besonders schwer loszulassen. Sie waren für eine Weile in meinem Leben und das genügte. Nur mit André war das anders, wir beide ließen uns nicht los. Sagt das nicht schon genug ...?

Dritter Versuch: Aller guten Dinge ...

Ich hoffe es, denn im Januar sind André und ich wieder zusammengekommen! Okay, zusammengekommen wäre etwas übertrieben, um es also vorsichtiger auszudrücken: Wir haben die Fronten zwischen uns geklärt ... und überwunden 😉. Um unsere Beziehung genau zu definieren und eine gemeinsame Zukunft zu planen, ist es noch zu früh. Er ist nach wie vor viel auf Reisen und wir haben zu viel miteinander durchgemacht, um direkt wieder auf hundert Prozent zu gehen. Wir haben den ersten Schritt gemacht und für mich fühlt sich unser Tempo gerade genau richtig an. Aus meiner Sicht standen unsere Chancen noch nie so gut wie jetzt. Nun sind wir beide bereit. 

Was sagt es schon aus, dass wir es bereits zwei Mal miteinander probiert haben? Manche Menschen driften mit der Zeit auseinander, andere gaaaanz langsam aufeinander zu und wieder andere kreisen eben ein bisschen umeinander herum und tangieren sich hier und da mal, ehe sie ihren gemeinsamen Mittelpunkt finden. Geschichte muss sich nicht wiederholen, wenn sich diejenigen, die sie schreiben, weiterentwickeln. Und nach Erol Sander und Caroline Gaddot, Lisa und Roman Weidenfeller und André und mir müssen das jetzt nur noch Brad und Jen erkennen ...

*Name geändert


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