Das letzte Abenteuer: Outdoor-Mode in der Stadt

Es gab mal eine Zeit, da trug man Wanderschuhe zum Wandern und Jacken, die in der Arktis vor Kälte schützen sollten nur da, wo es auch wirklich nötig war. Doch dann zog die Outdoormode in die Großstadt ein. Warum eigentlich?

von Tina Epking

Guckt man sich auf den Straßen in deutschen Städten um, sieht man ganz sicher mehr als nur eine Frau, die kleidungstechnisch etwa so gut ausgerüstet ist wie Reinhold Messner vor einer gefährlichen Wanderung in einem klimatisch sehr unbeständigen Teil dieser Welt. Kriegten modebewusste Menschen noch vor einigen Jahren einen roten Kopf, wenn nur jemand das Wort "Multifunktionsjacke" in den Mund nahm, hat dieselbige sogar Einzug auf dem ein oder anderen Laufsteg genommen. Und zu Globetrotter verirren sich schon lange nicht mehr nur Bergfreaks und Zeltplatzfans. 

Früher war es so, dass bei Funktionskleidung vor allem die Funktion (wie der Name schon sagt) im Vordergrund stand, nicht der optische Aspekt. Das hat sich geändert. Tatsächlich muss niemand mehr seine wind- und wasserfeste Jacke verstecken. Nein, richtige Luxusobjekte findet man darunter. Statussymbole, die mächtig Geld kosten. Für eine "Woolrich"-Jacke bekommt man einen – zwar sehr gebrauchten, sehr kleinen, aber doch einen – Kleinwagen. Sie selbst ist einer der SUVs der Outdoorkleidung.

Mit der richtigen Kleidung kann man heute seine Vorliebe für Natursport, Trekking, Gefahr und Abenteuer demonstrieren, ohne dass man jemals einen Berg, einen Wald oder einen See aus der Nähe gesehen hat. Das ist auf jeden Fall sehr modisch, auch wenn es vielleicht nicht immer logisch ist, dass wir uns in Kleidung hüllen, die Funktionen hat, die wir gar nicht benötigen.  

In der Wolfskin-Jacke fühlen wir uns wie McGyvers Tochter

Das Ganze hat auch eine psychologische Komponente. Alles wird schließlich immer technologisierter, berechenbarer, gezähmter. Tatsächlich sehnen wir Stadtmenschen uns offensichtlich immer mehr danach, draußen zu sein, Abenteuer zu erleben. Sogenanntes "Sensation Seeking" steht hoch im Kurs. Wenigstens die Kleidung soll an Wildnis erinnern. Falls uns im Großstadtdschungel dann mal eine Gefahr (oder ein Hagelsturm) ereilt, sind wir gewappnet – und können uns in unserer Jack Wolfskin-Jacke ein bisschen wie McGyvers wilde Tochter fühlen

Ob Canada Goose, Derbe, Northface, Vaude oder Patagonia – die Outdoorklamotten von heute sehen bei aller Funktion gut aus. Dafür muss sich keiner schämen. Selbst wenn er meistens eher "indoor" ist. Mittlerweile fragt man sich zwischen all den perfekt für alle Wetterbedingungen ausgerichteten Klamotten eher, warum man früher überhaupt Sachen trug, die einfach nur schön aussahen und sonst nicht viel konnten. Tatsächlich ist es übertrieben, dass wir selbst bei moderaten deutschen Temperaturen spezielle Jacken tragen, die jedem Sturm und arktischer Kälte trotzen. Andererseits kann man das bei dem aktuellen deutschen Sommer wirklich niemandem verübeln. 

"Outdoor" heißt eben einfach auch nur "draußen". Klingt zwar weniger cool, ist aber dasselbe. Und am Ende ist es draußen immer kälter, wilder und unberechenbarer als drinnen. Auch in der Stadt. 

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Es gab mal eine Zeit, da trug man Wanderschuhe zum Wandern und Jacken, die in der Arktis vor Kälte schützen sollten nur da, wo es auch wirklich nötig war. Doch dann zog die Outdoormode in die Großstadt ein. Warum eigentlich?

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