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Der neue Anti-Retusche-Trend

Der neue Anti-Retusche-Trend
© Desigual / Instagram
Desigual hat es vorgemacht, Asos hat nachgezogen: Beide Mode-Unternehmen zeigen ihre aktuelle Beachwear an unretuschierten Models – und alle so yeah!
von Nele Justus

Beachbody und Traumkörper – haben wir alle irgendwie: nur sah das bisher anders aus als in der Werbung. Da sah man nämlich die Frauen mit glatten Hintern und durchtrainierten Bäuchen in knappen Bikinihöschen, und das hatte bisher wenig mit unserer Auffassung von Strandfigur zu tun. Denn wir machen im Bikini auch mit Orangenhaut, Kaiserschnittnarben, Hüftgold und Sommersprossen eine gute Figur.

Der neue Anti-Retusche-Trend
© Instagram

Wenn nun große Modeunternehmen anfangen, Bilder von unretuschierten Models zu zeigen, ist das erstmal eine richtig gute Sache. Weil sie damit ein Stück mehr Realität abbilden. Aber geht das schon weit genug? Statt wie früher zeigen uns jetzt nicht mehr total perfekte Models mit Kleidergröße 34 die Bademode, sondern Models mit Kleidergröße 34, die Dehnungsstreifen am Hintern haben. Oder sollten wir wie hier bei Asos Dehnungsstreifchen sagen? Denn man muss wirklich schon ziemlich genau hinschauen, um die zu erkennen.

Der neue Anti-Retusche-Trend
© Instagram

Für die Desigual-Kampagne stand das britische Model Charli Howard vor der Kamera. Die hatte sich vor einiger Zeit geweigert, für eine Model-Agentur weiter abzunehmen (da  sie eine „size 6“ trug, also Kleidergröße 36) und ist seither eine der Galionsfiguren der Body-Positivity-Bewegung. Sie wird in englischsprachigen Medien gerne als „Curvy Model“ bezeichnet. Mit Kleidergröße 36! Da sind an der deutschen Durchschnittsfrau aber deutlich mehr Kurven dran.

Ist das also alles nur eine Marketing Stunt? Wollen die Unternehmen auf dem Body-Positivity-Hype mitschwimmen, ihr Image aufpolieren und nebenbei ihre Umsatzzahlen erhöhen? Asos verneint das in einem Statement. „Wir haben schon vor sechs Monaten angefangen, unsere neue Richtlinie umzusetzen.“ Die besagt, dass bei der digitalen Bildretusche, das Aussehen der Models nicht künstlich verändert wird. „Eine unserer Kundinnen hat nur erst kürzlich eines der unretuschierten Bilder entdeckt und getwittert – und die Medien haben das aufgegriffen.“ Alles purer Zufall also.

Der neue Anti-Retusche-Trend
© Instagram

 

Der neue Anti-Retusche-Trend
© Instagram
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Wir wollen hier ja auch nicht die Spielverderber sein. Und ein erster Schritt ist ja wenigstens schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Manche Modeunternehmen sind da übrigens schon ein bisschen weiter. Das amerikanische Unternehmen Lane Bryant kommt mit einer sehr realistischen Kampagne daher. Und der Kosmetikkonzern Dove setzt schon seit Jahren auf Diversität und unterschiedliche Körpertypen.

Wir sind gespannt, was als nächstes kommt. Models mit Kleidergröße 40, die Dehnungsstreifen UND Cellulite haben? Männer mit Waschbärbauch, die nicht nur für Bier sondern etwa halbnackig für die Glattrasur werben? Stellt euch nur mal vor, irgendwann sehen in der Werbung alle so aus wie wir? Voll verrückter Gedanke...


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