Downshifting: Matilda trägt seit fünf Jahren das gleiche Outfit

von Nele Justus

Weiße Bluse mit Schleife, schwarze Hose, fertig. Vor fünf Jahren hat die Art Direktorin Matilda Kahl damit aufgehört, sich jeden Morgen darüber Gedanken zu machen, was sie zur Arbeit anzieht. Seitdem trägt sich einfach immer das Gleiche.

Kennt ihr diese Montage, an denen man morgens vorm Spiegel steht und einfach nicht weiß, was man anziehen soll? Alles sieht blöd aus! Also zieht man sich dreimal um, bevor man frustriert einfach zu irgendetwas greift. Und am Ende rennt man schlecht gelaunt und gestresst aus der Tür und ist wieder viel zu spät dran.

Zum Abgewöhnen

Genau so ein Montag war es, an dem Matilda Kahl sich schwor, sie würde etwas ändern. Vollkommen abgehetzt und auch noch völlig unvorbereitet kam die Art Direktorin einer der renommiertesten New Yorker Werbeagenturen zu einem Meeting mit ihren Kollegen und dem neuen Boss – und trug ihren Pulli auch noch verkehrt herum. „Wozu das Ganze?“, fragte sie sich. „Meine Kollegen werden doch auch ernst genommen, egal was sie tragen.“ Sie suchte nach einem Weg, sich diesem absurden Stress der morgendlichen Kleiderwahl zu entziehen. Die Lösung kam in 15 weißen Blusen und ein paar schwarzen Hosen. Die trägt sie seither jeden Tag zur Arbeit. Und das seit mehr als fünf Jahren.

Vier Wochen hat es damals gedauert, bis überhaupt mal jemand nachgefragt hat, warum sie jeden Tag die gleichen Klamotten anzieht. Eine Kollegin hat sich damals sogar für eine Gehaltserhöhung eingesetzt, damit sich Matilda endlich wieder neue Kleidung leisten kann. Ein anderer Kollege war besorgt, weil er dachte, sie sei einer Sekte beigetreten. Dabei hatte sich Matilda lediglich eine Arbeitsuniform zugelegt – „eine nicht mal originelle Idee“ wie sie in einem Essay für das amerikanische Magazin Harper's Bazaar schreibt. Männer haben ihren Anzug, Ärzte ihren Kittel: Eine Uniform ist eine Vereinfachung des Lebens. Damit hält es Matilda genauso wie Barack Obama. Der trug während seiner Amtszeit zwar nicht immer den gleichen Anzug, aber immer einen in Blau oder Dunkelgrau. Und zwar, um die Anzahl seiner Alltagsentscheidungen zu reduzieren. "Ich will mich nicht entscheiden müssen, was ich essen oder anziehen soll, weil ich schon so viele andere, viel wichtigere Entscheidungen treffen muss.", sagte er in einem Interview zur Vanity Fair.

Zeit für die wichtigen Dinge

Aber zurück zu Matilda. Wird es einem nicht irgendwann langweilig, immer die gleichen Klamotten zu tragen? Es sind immer schon fünf Jahre! „Auf gar keinen Fall““, sagt sie voller Überzeugung. Selbst als sie von New York nach Stockholm zog und ihren Job wechselte, blieb sie ihrer Uniform treu. Weil sie nur Vorteile mit sich bringt. „Ich habe mehr Zeit, mich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren“, sagt sie gegenüber Spiegel Online. „Wie viele Stunden hätte ich sonst vor dem Kleiderschrank verbracht? Heute fühle ich mich nicht nur richtig wohl mit dem, was ich trage, ich muss mir noch nicht mal darüber Gedanken machen, was das ist.“ Die totale Befreiung. Einfacher geht's kaum. Wir denken mal drüber nach.


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