Dresscode im Büro: Für mehr Farbe und Abwechslung im Management

Während Männer einen sehr einheitlichen Business-Dresscode haben, ist es für Frauen manchmal gar nicht so leicht, die passende Garderobe auszuwählen für das Büro auszuwählen.

von Jessica Seiffert

In der letzten Woche gab es im BARBARA-Team einen Tag, an dem wir alle ein Kleid trugen und uns über diese scheinbar gemeinschaftliche Outfit-Wahl sehr freuten. Wir schossen zur Erinnerung direkt ein schönes Teamfoto. Da habe ich mich kurz gefragt, wie sich eigentlich Männer auf den Management-Etagen dieser Welt fühlen. Kommen die auch morgens ins Büro und sagen: „Oh wow, wir haben heute alle einen Anzug an. Lasst uns ein Foto von diesem unglaublichen Zufall machen.“ Sehr unwahrscheinlich. Der Männer-Dresscode ist seit Jahrzehnten genau so vorgegeben, sogar farblich ist die Wahl klar: hauptsache dunkel.

Dresscode für Frauen im Büro: Freiheit oder Qual?

Haben die es jetzt damit eigentlich gut? Oder haben wir Frauen es gut, uns jeden Tag neu entscheiden und uns ganz nach Lust und Laune für die Arbeit kleiden zu können. Ich würde behaupten: Wir haben es damit schwerer. Mehr Möglichkeiten bedeuten natürlich auch mehr Chancen, es so richtig zu vergeigen. Wir können sehr viel falsch machen. Ist der Rock zu kurz, die Hose zu farbenfroh, das Kleid mit den Blümchen zu niedlich oder ist das Top dann doch zu tief ausgeschnitten? Während die Kleiderwahl der Männer nie Thema ist, wird bei Frauen viel öfter diskutiert oder kommentiert, was wer trägt. Siehe auch unser reines Frauenbüro bei Barbara – die Kleidersituation hätten wir ja auch einfach ignorieren können. Es hätte uns auch gar nicht auffallen können. Aber ist es uns natürlich.

Der richtige Dresscode als Erfolgsfaktor im Job?

Hinzukommt natürlich auch die Frage, ob die Outfits einer Frau auch ausschlaggebend für ihren Erfolg sind. Selbst dann, wenn sie sich an ungeschriebene Gesetze hält, wie beispielsweise dass die Rocklänge nicht kürzer als eine Handbreit über dem Knie sein sollte. Ist eine Frau erfolgreicher, wenn sie sich wie ein Mann kleidet? Nämlich dunkel in einen Anzug, flache Schuhe, bloß keine Haut – am besten noch ein Kurzhaarschnitt? Zumindest bietet sie so recht wenig Angriffsfläche für Gespräche außerhalb ihrer Kompetenzen. Ich glaube tatsächlich, dass es in vielen Branchen noch so ist und vielleicht auch, dass es so einfacher ist. So rät Dr. Peter Modler in dem Buch „Das Arroganz-Prinzip“ karriereorientierten Frauen outfittechnisch zur Zurückhaltung. Sie hätten schließlich schon genug andere Themen, mit denen sie sich auseinandersetzen müssten – da würde man es sich mit einer selbstbewussten Kleiderwahl nur noch schwerer machen. Ist das so?

Selbstbewusst auch mit Kleid und Stöckelschuhen im Büro

Aber mit dem Aufkommen von immer mehr selbstbewussten Frauen – auch in den Führungsetagen – kommen natürlich auch immer mehr Damen hinzu, die ihre eigene Garderobe bevorzugen. Die sich auch trauen, Farbe zu tragen, an Make-Up wagen und mit ihren Absatzschuhen über den Gang stolzieren. Einfach weil sie sich nicht verstellen wollen. Plötzlich wird der Blazer in Pink absichtlich getragen, um im Dunkelblau der Männer hervorzustechen und sich ihnen eben nicht unterzuordnen. Vor ein paar Jahren hat man genau das vermieden, um genauso kompetent zu wirken wie die Männer, sich da einzuordnen. Zugegeben: Es gehört Mut dazu, seinen Stil zu behalten und das zu tragen, wonach einem ist – natürlich sollte man sich dabei eine gewisse Seriosität bewahren. Aber ich persönliche würde mehr Farbe im sonst oft tristen Büroalltag sehr begrüßen. Auch gerne bei den Herren. Traut euch!