Gemüse mit Sexappeal? Comeback der Karottenhose

Zusammen mit Schulterpolstern,  Stirnbändern und Modern Talking prägte sie die 80er: die Karottenhose. Und nach langjähriger Dominanz der Skinny Jeans kommt sie jetzt zögerlich zurück.

von Eva Manegold

Ich weiß noch ganz genau, als es vor ein paar Jahren wieder anfing mit den Oversize-Pullovern und Mom-Jeans: Meine Mutter war entsetzt, mein Vater verständnislos. Die  80er Jahre und ihre Mode, die heute wieder geliebt und gekauft wird, waren für sie einfach nur eine Ära der Geschmacksverirrung.

In den 70er und 80er Jahren gab es vermehrt Frauen, die einerseits dank Polstern Position bezogen (mit männlich breiten Schultern und endlich auch einem ähnlichen Selbstverständnis). Andererseits jedoch zeigten sie stolz ihre Weiblichkeit mit Lackleggings und Taillengürteln. Das sind Zeichen dafür, dass Frauen endlich eine neue, stärkere und vielschichtigere Rolle innerhalb der Gesellschaft und Arbeitswelt einnehmen wollten – mit Mode setzten sie sich gegen die Einschränkung ihres Geschlechts ein.

Zurück zum Comeback der Karottenhose: Eine schmale, hohe Taille, bollerige Oberschenkel und schmale Fesseln – da sehe ich meine Mutter schon die Stirn runzeln und fragen, warum ich mir denn meine schöne Figur freiwillig so ruiniere.

Der Punkt ist allerdings: Darum geht es gar nicht. Mode ist immer auch Ausdruck davon, wie man von den Menschen um sich herum wahrgenommen werden möchte. Wir entscheiden uns im Alltag (oft unterbewusst) für bestimmte Kleidungsstücke, weil wir unseren Mitmenschen so zeigen wollen, wer wir sind.

Die Karottenhose schreit nicht: Bitte bums mich, ich habe so einen geilen Arsch – ihre Message ist viel wichtiger. Genau wie Männer (ihr wisst schon, diejenigen, die Frauen anfänglich verboten haben, überhaupt Hosen zu tragen) müssen Frauen nämlich nicht immer nur Hosen tragen, in denen sie wahnsinnig sexy, weiblich und begehrenswert aussehen. Sondern vor allem solche, in denen sie sich selbstbewusst und stark fühlen.

Die Karottenhose gehört für manche zu dieser Art Power-Pant und die Diskussion darüber, ob sie nun wahnsinnig schmeichelhaft ist oder nicht, ist komplett irrelevant. Man sollte sich einfach freuen, dass sie wieder häufiger zu sehen ist. Denn das Letzte, was man in Zeiten von #Metoo, Frauenquote-Diskussionen und Donald Trumps Pussy-Kommentaren braucht, sind Meinungen darüber, wie Frauen in Hosen vermeintlich auszusehen haben.


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