Hightech-Mode: Wann lädt meine Handtasche endlich mein Handy auf?

Handtaschen, die gleichzeitig das Handy aufladen und Hightech-Drohnen, die Mode präsentieren. Tristan Horx vom Zukunftsinstitut wagt einen Blick in die Zukunft. 

Hier schreibt Leonie Heilig (Interview)

Barbara: Ob Moonwashed Denim oder Karottenröhre, der Eighties-Style ist auch bei Jeans super angesagt. Aber mal ehrlich: Die Klamotten damals waren ja ziemlich unvorteilhaft. Warum finden wir das wieder gut?


Tristan Horx: Immer wenn sich aktuelle Phänomene sehr schnell entwickeln, tritt eine Gegenbewegung auf. In unserem digitalen Zeitalter geht alles rasant. Da entsteht bei vielen der Wunsch, wieder in die „gute alte Zeit“ zu reisen. Die unsichere politische und wirtschaftliche Situation veranlasst besonders die jüngeren Generationen, sich wieder an konservativen Werten zu orientieren. Das merken auch die Modemarken und setzen vermehrt auf bereits dagewesene Designs, um nicht allzu viel zu riskieren.


Andererseits gab es schon zaghafte Ansätze, Mode und moderne Technik miteinander zu verbinden – als spacige Jacke mit integriertem Navigationssystem zum Beispiel. Wieso hat das nicht funktioniert?


Horx: Niemand, der etwas von Mode versteht, will so was anziehen, weil solche Teile aktuell einfach noch ziemlich nach Funktionskleidung aussehen. Überspitzt gesagt: Wenn meine Handtasche mein Handy auflädt, allerdings nicht gut ausschaut, werde ich sie nicht tragen. Wenn ich allerdings eine Prada-Tasche mit Handyladefunktion kaufen könnte, würde ich das sofort tun.


Wann wird das so weit sein?


Horx: Es wird noch einige Zeit dauern, bis große und vor allem namhafte Modefirmen eine Kooperation mit Tech-Firmen eingehen. Sobald das eine bekannte Marke macht, ziehen die anderen nach. Dann wird es für uns normal sein, dass unsere Kleidung ein kleines bisschen smart ist.


Bei der Präsentation ihrer Mode setzen Designer aber schon auf Technik. Dolce & Gabbana hat etwa die neuen Taschen auf dem Catwalk an Drohnen baumelnd vorgeführt ...


Horx: Diese Schau war sicherlich ein bahnbrechendes Ereignis in der Modewelt: Eine alteingesessene Traditionsfirma setzt auf moderne, innovative Techniken. So bekommt man Aufmerksamkeit!


Also traut sich das Marketing mehr als das Design?


Horx: Ein Modeunternehmen muss sich gleichzeitig treu bleiben und innovativ sein, das ist eine durchaus schwierige Herausforderung. Wer an Dolce & Gabbana denkt, hat ein ganz bestimmtes Bild vor Augen: fließende Stoffe, weibliche Schnitte, verspielte Accessoires – und diese Präsentation war eine vergleichsweise sichere Methode, um für Publicity zu sorgen, ohne die eigene Identität neu zu erschaffen und ihre Designs zu ändern.


Wenn das Trend wird: Erobern bald Roboter die Modebranche?


Horx: Sicherlich wären Roboter-Models eine spannende Möglichkeit, Mode zu präsentieren, aber Mode zu machen ist einer der menschlichsten Berufe überhaupt. Letztlich geht es dabei nur um Emotionen. Und diese Emotionen kreativ umzusetzen ist etwas, das keine künstliche Intelligenz kann. Technik kann uns emotional nicht berühren.

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