Männer kaufen ihre Unterhosen selten selbst. Stimmt das wirklich?

Nackte Wahrheit oder nur ein Klischee: Spanx sind nicht halb so sexy wie Strings, und Männer kaufen ihre Unterhosen selten selbst? Fragen wir besser mal den Profi, Susanna Cordner, Kuratorin für Textilien und Mode am Londoner Victoria and Albert Museum

von Lilli Echt

BARBARA Frau Cordner, beginnen wir mal mit einem Klischee: Französinnen wird nachgesagt, extra viel Wert auf verführerische Lingerie zu legen. Stimmt das?

Früher haben sich Bräute aus der ganzen Welt ihre Hochzeitsausstattungen in Paris anfertigen lassen, weil es dort eine Vielzahl an guten Ateliers und Spitzenherstellern gab. Vielleicht haben die Leute deshalb geglaubt, die Französinnen würden sich selbst auch nur in diese exklusiven Materialien hüllen. Das Image hält sich jedenfalls hartnäckig.

Was können Dessous im Gegensatz zu alltäglicher Unterwäsche?

Für mich sind feine Dessous aus Seide und Spitze Kleidungsstücke, die eher mit dem Körper als an ihm arbeiten. Sie umschmeicheln uns mehr, als dass sie uns formen.

Warum gelten eigentlich nur knappe Spitzenstrings als sexy? Haben Spanx nicht auch das Zeug dazu?

Ein Slip, der mehr versteckt, als er preisgibt, ist immer sexy, finde ich.

Und Bridget Jones hat es in „Oma-Unterbuxen“ ja auch schon mal zu einem heißen Date gebracht …

Okay, schlabberige fleischfarbene Hosen, wie Bridget sie trug, sehen wirklich immer unvorteilhaft aus.

Im Film führt zumindest die Unterwäsche nicht zur Katastrophe.

Nun, Daniel Cleaver war wohl einfach sehr scharf auf Bridget. Und das kann man durchaus im wahren Leben beherzigen: Wenn jemand es wert ist, Ihre Unterhose sehen zu dürfen, dann sollte er so verrückt nach Ihnen sein, dass ihm egal ist, was er unter der Kleidung findet.

Was ist denn in Ihren Augen ein absolutes Wäsche-No-Go?

Alles, was nicht perfekt passt.

Klingt logisch, aber immerhin kennen 80 Prozent aller Frauen ihre richtige BH-Größe nicht. Wie kann das sein?

Die Kraft eines optimal sitzenden BHs wird unterschätzt. Er wirkt sich auf die Art aus, wie wir uns bewegen, atmen oder sprechen. Die falsche Größe zu tragen fühlt sich nicht schlimm an, die richtige zu tragen dafür sensationell. Weiß man aber erst, wenn man diese Erfahrung selbst mal gemacht hat.

Auf manchen Schauen tragen Models den BH bereits über dem Shirt. Was kommt da auf uns zu?

Unterwäsche und Oberbekleidung hängen eng miteinander zusammen. Wäsche formt und unterstützt unseren Körper. Das sind Erfolgsfaktoren, die sich die Mode gern abguckt. Unabhängig von diesem Trend werden wir mit Unterwäsche aber auch in Zukunft immer etwas Intimes assoziieren. Sie ist nun mal das Erste, was wir morgens anziehen, und das Letzte, das wir abends wieder ausziehen.

Kann man von der Unterwäsche, die wir tragen, Rückschlüsse auf unsere Persönlichkeit ziehen?

Ich glaube, Wäsche sagt eher etwas über die Beziehung eines Menschen zu seinem Körper aus und kann lediglich einen Hinweis auf dessen Charakter geben.

Was sagt es denn aus, dass nur 23 Prozent aller verheirateten Männer ihre Slips und Shorts selbst kaufen?

Komisch, nicht wahr? Die Verantwortung für ihre Unterwäsche wird meist direkt von der Mutter auf die Partnerin übertragen. Etwa ein Drittel der Männer fängt mit Mitte 30 überhaupt erst an, eigenständig Unterwäsche zu kaufen. Interessant: Dann entscheiden sie sich für ganz andere Designs, als sie die Jahre davor ohne Murren getragen haben.