Meine Diamanten sind aus Plastik – Deswegen mag ich Modeschmuck

Unsere Autorin hat neuerdings ein Faible für alles, was glänzt, glitzert und von ihren wenig dekorativen Augenringen ablenkt. Ob die Kette um ihren Hals und die Creolen in ihrem Ohr dabei echt sind, interessiert sie nicht besonders. Ein Plädoyer für mehr schön falsches Bling-Bling.

von Tina Epking

Die Phase, dich gerade habe, hatten einige Mädchen aus meiner Klasse schon vor mehr als 20 Jahren – und waren mir damit einfach weit voraus. Sie trugen Ohrringe so groß wie Hula Hoop Reifen, klimpernde Armreifen und glitzernde Ketten. Ich betrachtete das mit einem Gefühl, das zwischen Ekel und Verachtung schwankte. Ich fand ihren Look einfach furchtbar. Diese Mädchen trugen auch rosafarbenen Lipgloss. Wie konnte man nur?! Ich dagegen war 15, hüllte mich mit Stolz in den alten Parker meines Opas, liebte meine Doc Martens und meine sehr kaputten Second-Hand-Jeans – und fand die Glitzermädchen mit ihrem Modeschmuck total bescheuert. 

Heute kann ich die Lipglossgirls sehr gut verstehen, denn ich hole gerade alles nach, was ich als Teenager verpasst habe. Egal ob Gold, glitzernd oder leuchtend bunt: Mein Schmuck darf auffallen. Auch die Riesencreolen haben Platz in meiner Schatulle gefunden. Natürlich ist das alles nicht echt. Wäre mir viel zu teuer. Und es ist mir auch egal, dass man das sieht. Ich will ja nicht meinen Reichtum demonstrieren oder irgendwen mit meinen Diamanten beeindrucken: Ich möchte nur ein bisschen glänzen. In jeder Hinsicht. 

Glitzer lenkt von Fältchen und fettigen Haaren ab 

Denn auffälliger Schmuck hat optisch einfach Vorteile: Er lenkt von schwarzen Augenrändern, roten Nasen, Fältchen und sogar ungewaschenen Haaren ab, weil jeder einfach nur auf die große bunte Kette oder die auffälligen Creolen guckt. Irgendwie sieht man mit so ein bisschen Glitzer gleich entspannter, gesünder, hübscher aus. Eine Kollegin, die was von Styling versteht, sagte einmal zu mir: "Wenn du dich krank fühlst und auch so aussiehst, helfen nur Lippenstift oder ein paar schöne Ohrringe. Beide lassen dich sofort weicher und frischer aussehen." An manchen Tagen brauche ich natürlich beides: Rote Lippen und Bling-Bling.

Dadurch, dass er nicht so viel kostet, habe ich mittlerweile eine ziemliche Sammlung glänzend modischen Schmuck zuhause. Für jeden Geschmack, Tag und Stimmung ein Accessoire: Den bunten Armreif mit den türkisfarbenen, pinken und lila Perlen aus dem Urlaub auf Ibiza für besonders graue Tage, die goldenen Kreolen mit roter Ummantelung für Tage, an denen ich müde aussehe, die auffällige Mega-Kette mit den bunten Glitzersteinen, wenn ich langweilig und schwarz angezogen bin und ein bisschen schicker aussehen möchte. Die Creolen habe ich übrigens in verschiedenen Ausführungen, ein Paar habe ich schon verloren. Glücklicherweise waren sie nicht echt und kosteten dementsprechend wenig. Einer der Gründe, warum ich eine Vorliebe für Edelsteine aus Plastik habe, ist nämlich, dass ich dauernd irgendwas nicht mehr finde. Dinge kommen mir einfach abhanden. Bei Ketten, Ohrringen und Armreifen für 9,95 Euro tut das aber nicht ganz so weh wie bei echten Diamanten. 

Echten Schmuck? Nehme ich auch!

Ihr habt es sicher verstanden mittlerweile: Ich bin ein Fan von Modeschmuck, der auffällt. Das bedeutet aber nicht, dass ich kein echtes Gold, Brillanten oder Diamanten mögen würde. Ich kann sie mir nur nicht in großen Mengen leisten. An ganz besonderen Festen oder Tagen trage ich allerdings die echten Ohrstecker von meiner Oma. Die, die mehr als 25 Euro gekostet haben und die so perfekt zu meinem Hochzeitskleid passten. Die, die ich an einem bestimmten Platz versteckt habe. Die, die nicht wegkommen dürfen. Dann denke ich an meine Großmutter und freue mich, dass sie schon diese wahren wertvollen und wunderschönen Schmuckstücke getragen hat. Aber damit sie was Besonderes bleiben, sind montags bis freitags wieder meine falschen Freunde dran. Die liebe ich schließlich auch. 

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Meine Diamanten sind aus Plastik – Deswegen mag ich Modeschmuck

Unsere Autorin hat neuerdings ein Faible für alles, was glänzt, glitzert und von ihren wenig dekorativen Augenringen ablenkt. Ob die Kette um ihren Hals und die Creolen in ihrem Ohr dabei echt sind, interessiert sie nicht besonders. Ein Plädoyer für mehr schön falsches Bling-Bling.

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